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Die Schweizer Berghilfe gibt Zukunft

Die Neue Regionalpolitik (NRP) und die Schweizer Berghilfe verfolgen dasselbe Ziel: strukturschwache Regionen wirtschaftlich zu fördern, Innovation zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu sichern. Während die NRP nur überbetriebliche Projekte fördert, richtet sich die Unterstützung der Schweizer Berghilfe an kleine und kleinste Unternehmen, Genossenschaften oder private Vereine. Im Gastbeitrag erläutert Martin Abderhalden von der Schweizer Berghilfe ihre Förderkriterien. 

Die Schweizer Bergbevölkerung ist innovativ und nimmt ihre Zukunft selbst in die Hand. Manchmal fehlen aber die finanziellen Mittel, um wichtige Projekte umzusetzen. Da kommt die Schweizer Berghilfe ins Spiel. Die Schweizer Berghilfe ist eine spendenfinanzierte Stiftung, deren Ziel es ist, Arbeitsplätze in den Schweizer Bergregionen zu erhalten und zu schaffen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass Berggebiete wirtschaftlich lebendig bleiben und langfristig Perspektiven für die dort lebende Bevölkerung bieten.

Die Unterstützung der Schweizer Berghilfe richtet sich an kleine und kleinste Unternehmen, Genossenschaften und Vereine des privaten Sektors, die im Berggebiet tätig sind. Gefördert werden Investitionen in verschiedenen für die Regionalentwicklung relevanten Bereichen. Dazu gehören die Landwirtschaft und landwirtschaftliche Verarbeitung, Tourismus und Gastronomie, Gewerbe und produzierende Betriebe – einschliesslich der Holzverarbeitung –, aber auch Dorfläden und Kindertagesstätten, welche eine zentrale Rolle für die Attraktivität und Grundversorgung der Berggemeinden spielen.

Die Förderung der Schweizer Berghilfe basiert auf zwei zentralen Grundprinzipien: finanzielle Notwendigkeit und Restkostenfinanzierung. Letzteres bedeutet, dass die Hauptverantwortung für die Finanzierung einer Investition bei der Projektträgerschaft liegt. Nach einer angemessenen Eigenleistung – in Form von Eigenmitteln und Eigenarbeit – sowie nach dem Ausschöpfen zumutbarer Fremdfinanzierungen (zum Beispiel öffentliche Investitionshilfen, Bankdarlehen), prüft die Schweizer Berghilfe, ob eine Finanzierungslücke verbleibt. 

Durch diese gezielte Unterstützung ermöglicht die Schweizer Berghilfe Investitionen, die für die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Betriebe und damit ganzer Regionen entscheidend sind. 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Förderkriterien der Neuen Regionalpolitik und der Schweizer Berghilfe

Sowohl die Schweizer Berghilfe wie auch die Neue Regionalpolitik (NRP) fördern Projekte in den Schweizer Berggebieten. Beide verfolgen das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung in Berggebieten zu fördern. 

Es gibt aber wesentliche Unterschiede: So wirkt die NRP auch im übrigen ländlichen Raum und in den Grenzgebieten. Sie fördert ausschliesslich überbetriebliche Projekte sowie die Erarbeitung von regionalen Entwicklungsstrategien. Die NRP fördert die Zusammenarbeit unter öffentlichen und privaten Institutionen, während die Schweizer Berghilfe wiederum öffentliche Institutionen, zum Beispiel Gemeinden, als Projektträger ausschliesst. Dafür können bei der Schweizer Berghilfe auch Kleinstbetriebe und private Vereine Unterstützung erhalten. Die Schweizer Berghilfe spricht ausschliesslich A-Fonds-perdu-Beiträge, während die NRP auch Darlehen vergibt. Die spendenfinanzierte Schweizer Berghilfe und die staatliche NRP ergänzen sich gut – und beide stärken die Wirtschaftskraft der Berggebiete. 

Die Schweizer Berghilfe als Möglichmacherin

Die Schweizer Berghilfe ist eine «Möglichmacherin». Sie setzt dort an, wo trotz sorgfältiger Finanzierung keine vollständige Deckung der Investitionskosten möglich ist. Sie tritt nachrangig zu allen anderen Finanzierungsquellen auf und übernimmt gezielt die verbleibende Finanzierungslücke.

Die Schweizer Berghilfe vergibt À-fonds-perdu-Beiträge, die nicht zurückbezahlt werden müssen. Dadurch unterstützt sie konkrete Investitionsprojekte von Klein- und Kleinstunternehmen, die aufgrund ihrer Grösse oder ihrer Lage oft erschwerten Zugang zu klassischen Finanzierungsinstrumenten haben. Ergänzend zu den staatlichen Instrumenten der Regionalpolitik leistet die Schweizer Berghilfe so einen direkten und wirkungsvollen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung der Berggebiete.

Der Selbstbedienungs-Dorfladen

Zum Beispiel in Prato Sornico. Dort hat die Schweizer Berghilfe die Digitalisierung des Dorfladens ermöglicht. Eigentlich würde die Botega da la Lavizzara nun ja ohne persönlichen Kontakt auskommen: Automatisches Schliesssystem mit QR-Code, Scanner, Selbstbedienungskasse, Videoüberwachung. Aber heute ist wieder mal so ein Tag, an dem der kleine Raum im Erdgeschoss des schmucken, rosafarbenen Hauses eher einer Dorfversammlung gleicht als einem Selbstbedienungsgeschäft. Zwei Handwerker trinken Kaffee und plaudern mit Astrid Lorenzetti, die nebenbei Gestelle auffüllt. Im Eingangsbereich sitzt Laura Poncia an ihrem Laptop und macht die Buchhaltung. Und Tanja Scolla ist mit ihrer kleinen Tochter Mia vorbeigekommen. Immer wieder kommen Leute rein, kaufen etwas, plaudern eine Weile mit, verschwinden wieder. «Wäre doch schade gewesen, wenn dieser Treffpunkt verloren gegangen wäre, oder?», fragt Astrid.

Einige Monate lang hatte das Lavizzara, wie das oberste Maggiatal heisst, tatsächlich keinen Laden mehr. Die Betreiber hörten altershalber auf, nachfolgen wollte niemand. «Das darf nicht sein», sagte sich Astrid und besprach sich mit all ihren Bekannten. Man war sich einig: Jemand sollte etwas tun. Eine Genossenschaft gründen zum Beispiel. «Irgendwann wurde mir klar, dass man nicht nur davon reden kann, und ich überzeugte Laura und Tanja, mitzumachen», so Astrid. Just am internationalen Frauentag gründeten die drei Frauen ihre Dorfladengenossenschaft.

Preisgünstiger Wohnraum ist ein Standortfaktor 

Regionalpolitik und Wohnungspolitik sollen zusammen gedacht werden. Das liegt für Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen, auf der Hand. Denn ein passendes und bezahlbares Wohnungsangebot ist ein Standortfaktor. Das gilt in Tourismusregionen und Agglomerationen ebenso wie in Städten. Ein neuer Baukasten zeigt, wie Gemeinden preisgünstigen Wohnraum fördern können. 

Katharina Rüegg, Leiterin Kommunikation regiosuisse: Der «Baukasten für preisgünstigen Wohnraum» richtet sich an Gemeinden und stellt zehn Massnahmen zur Förderung von günstigem Wohnraum vor. Sie thematisieren die Lenkung, die Finanzierung und die Kommunikation. Ist es so einfach, dass zehn Bausteine genügen?
Martin Tschirren, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen: Die zehn Massnahmen decken die Handlungsmöglichkeiten der Gemeinden in der Tat gut ab und sind in der Praxis erprobt. Da jede Gemeinde eine andere Ausgangslage und eigene Ziele hat, wird jede Gemeinde die Bausteine wählen, die zu ihrer Situation passen. Die Einfachheit des Baukastens ist seine Stärke. 

K.R.: Das erinnert an Lego – damit habt ihr den Baukasten ja auch illustriert. Kann der Baukasten den sehr unterschiedlichen Gegebenheiten in Städten, Agglomerationen und Berggebieten gerecht werden? Martin Tschirren: Ja, denn die Kernfrage stellt sich überall: Entspricht der Wohnraum den Bedürfnissen der Bevölkerung? Es braucht in jeder Gemeinde zunächst eine fundierte Analyse und Strategie. Dann zeigt sich, mit welchen Bausteinen die Gemeinde ihre Strategie umsetzen kann. Schauen wir zum Beispiel die Agglomerationsgemeinde Birsfelden und die Berggemeinde Lantsch / Lenz an: Beide nutzen zum Teil dieselben Bausteine, nämlich «Lenken – Anteile von preisgünstigem Wohnraum in der Nutzungsplanung festlegen» und «Finanzieren – Abgabe von kommunalem Land». Zusätzlich setzt Birsfelden auf «Kommunikation – Verhandlungen» und Lantsch / Lenz auf «Finanzieren – Darlehen/Beiträge an gemeinnützige Wohnbauträger».

K.R. Inwiefern unterscheiden sich die Herausforderungen der Agglomerationen von den Bergregionen?
Martin Tschirren: Agglomerationen sind oft von einem starken Bevölkerungswachstum, einer dynamischen Bautätigkeit und steigenden Mieten geprägt. Zum Beispiel Küsnacht am Zürichsee: eine sehr attraktive Gemeinde mit hohen Land- und Wohnungspreisen. Küsnacht möchte eine sozial und altersmässig durchmischte Gemeinde mit einem lebendigen Dorfleben bleiben. Dafür benötigt sie bezahlbaren Wohnraum. Die nicht touristischen Bergregionen stehen oft vor dem Problem der Abwanderung und dass erschwingliche Mietwohnungen für junge Familien fehlen. 

K.R.: Und die touristischen Berggemeinden? 
Martin Tschirren: Hier besteht häufig eine grosse Nachfrage nach Zweitwohnungen und eine starke Präsenz von Plattformen für Kurzzeitvermietung wie zum Beispiel Airbnb. Die Wohnungssituation hat sich in den letzten Jahren deutlich verschärft: Die Leerwohnungsziffer in den Tourismusgemeinden hat sich von 2020 bis 2023 halbiert und liegt aktuell im Schnitt bei lediglich 0.8 Prozent. Aber ein Angebot an preisgünstigem Wohnraum ist für Tourismusorte überlebenswichtig – für Arbeitskräfte und Einheimische. 

K.R.: Die Neue Regionalpolitik (NRP) kann regionalwirtschaftliche Projekte fördern, die auch konkrete Fragen der Wohnpolitik und preisgünstigen Wohnraum thematisieren können. Wie beurteilen Sie dieses Instrument? 
Martin Tschirren: Die Verlinkung von Regionalpolitik und Wohnungspolitik liegt auf der Hand. Denn preisgünstiger Wohnraum ist ein Standortfaktor – und das gilt überall. 

K.R.: Welche anderen Förderinstrumente sollten Gemeinden in Agglomerationen und Berggebieten sonst noch kennen? 
Martin Tschirren: Der Bund gewährt mit dem «Fonds de Roulement» zinsgünstige Darlehen für gemeinnützigen Wohnungsbau und leistet Bürgschaften. Verschiedene Kantone setzen eigene Förderprogramme um, eine Übersicht bietet die Website des BWO. Zudem können Gemeinden selbst tätig werden, zum Beispiel mit einem eigenen Fonds zur Wohnraumförderung, der aus der Grundstückgewinnsteuer oder Mehrwertabschöpfungen gespiesen wird. 

K.R.: Martin Tschirren, herzlichen Dank für das Gespräch! 

In Kürze: Der Baukasten für preisgünstigen Wohnraum

Der Baukasten des Bundesamtes für Wohnungswesen zeigt anschaulich auf, wie sich preisgünstiger Wohnraum fördern lässt. Zehn Handlungsfelder beschreiben, wie Städte und Gemeinden vorgehen können. Erfolgreiche Beispiele aus verschiedenen Gemeinden zeigen, wie konkrete Massnahmen umgesetzt wurden. Als praxisnahes Instrument unterstützt der Baukasten Städte und Gemeinden bei der Entwicklung einer bedürfnisgerechten Wohnungspolitik. Hier geht es zum Baukasten. 

Für Gemeinden in Berggebieten ist zudem dieser Leitfaden nützlich: Attraktives Wohnen in Berggebieten.

Fördermöglichkeiten der Neuen Regionalpolitik

Die Neue Regionalpolitik (NRP) kann Projekte, die sich mit konkreten Fragen der Wohnpolitik und mit preisgünstigem Wohnraum befassen, nur sehr begrenzt fördern. Die detaillierten Förderbestimmungen legen die Kantone fest. Weitere Informationen: Unterstützung für Projektträgerschaften

Neue Regionalpolitik und Herausforderung Wohnen: Drei Beispiele 

Grundlagenstudie «360°-Tourismus» im Kanton Graubünden: Der Fokus liegt auf einem integrierenden Lebensraum-Management, das alle relevanten Aspekte (Wohnraum, Arbeit, Verkehrsinfrastruktur, Besucherlenkung, Tourismusakzeptanz) berücksichtigt. Eine besondere Herausforderung ist die Wohnungsknappheit für Arbeitskräfte und für die lokale Bevölkerung. 

Nutzungsstrategie Altstadt Sursee, Kanton Luzern: Ziel ist es, eine lebendige Altstadt zu schaffen, die überzeugt – fürs Verweilen, Wohnen, Arbeiten und Einkaufen. Dafür erstellt die Stadt Sursee eine Nutzungsstrategie. Mit dabei sind Anwohnende, Gewerbe- und Gastrobetreibende sowie weitere Akteurinnen und Akteure. 

Technische Innovationen in Sion: Das Quartier Ronquoz21 südlich des SBB-Bahnhofs von Sion steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Das heute vorwiegend industriell geprägte Gebiet wird zu einem gemischt genutzten Quartier mit Wohnungen, Büros, Geschäften, Einrichtungen und öffentlichen Räumen. Das Projekt fördert im Rahmen der Arealentwicklung innovative Lösungen in den Bereichen Mobilität, Stromversorgung und Wärmeverteilung. 

Bilder von © BWO

Der Einstiegskurs – für alle, die mit der Neuen Regionalpolitik in Berührung kommen

Der Einstiegskurs in die Neue Regionalpolitik ist bereits ein Klassiker – und meistens schnell ausgebucht. Wem nützt der Kurs und was sagen die Teilnehmenden dazu? Wir haben uns am eintägigen Kurs in Altdorf im Kanton Uri umgehört. 

Die Neue Regionalpolitik (NRP) ist ein ausgezeichnetes Mittel des Bundes, um Innovation, lokale Wertschöpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern. Aber sie ist komplex: Die Umsetzung erfolgt in 26 Kantonen mit je eigenen Programmen und Rahmenbedingungen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an lokalen, regionalen und sogar internationalen Akteuren. 

Der Einstiegskurs verschafft hier den Durchblick. Das bestätigt auch Teilnehmer Rolf Infanger vom Urner Gemeindeverband: «Ich kam mit der Erwartung, dass mir die Grundprinzipien der Neuen Regionalpolitik aufgezeigt werden und wie ich als Regionalmanager meine Klientinnen und Klienten am besten unterstützen kann. Diese Erwartungen wurden erfüllt!»

Marcel Zumkemi vom Regions- und Wirtschaftszentrum Oberwallis (RWO) empfiehlt den Einstiegskurs sogar allen, die mit der Neuen Regionalpolitik in Berührung kommen: «Es werden wertvolle Hintergründe vermittelt. Auch wenn man bereits einige NRP-Projekte bearbeitet hat, ist der Kurs nützlich.»

Ideen für die Organisation und für die Beratung

Die Komplexität der NRP erlebt Nadia Scherer von der Destination Einsiedeln-Ybrig-Zürichsee beinahe täglich: «In unserem Tourismusgebiet haben wir häufig mit mehr als einem Kanton zu tun, was unsere Arbeit anspruchsvoll macht. Ich war erleichtert, als ich am Einstiegskurs erfahren habe, dass nicht bloss ich diese Situation anspruchsvoll finde, sondern dass es am System liegt. Ich nehme aus dem Einstiegskurs neue Ideen mit, wie wir diesem System besser entsprechen können.»

Die Inhalte des Einstiegskurses sind praxisnah. Das sieht auch Jasmin Schlaepfer von VISIT Glarnerland so: «Ich fand die Mischung aus Praxisbeispielen und Theorie sehr gut. Und ich fühle mich gut begleitet, weil ich jetzt weiss, wo ich zusätzliches Know-how abholen kann. Als Verantwortliche der Destinationsentwicklung begleiten wir Projekte von der Basis. Ich habe dank des Einstiegskurses mehr Sicherheit in der Beratung gewonnen und kann die Initiantinnen und Initianten von Projekten jetzt noch besser unterstützen.» 

Horizonterweiterung dank Präsenzveranstaltung

Nachdem der Einstiegskurs mehrmals online durchgeführt wurde, fand er dieses Mal vor Ort im Innovationsbiotop Uri in Altdorf statt und vermittelte eine ganz besondere Tiefe: Die Teilnehmenden erlebten die Präsentation des Praxisbeispiels San Gottardo mit Blick auf die frisch verschneiten Berge des Urnerlandes. Und David Kramer vom SECO (Co-Leiter des Ressorts Regional- und Raumordnungspolitik) stand auch während der Pausen für spontane Gespräche zur Verfügung. Für Marcel Zumkemi hat sich die Anreise aus dem Oberwallis gelohnt: «Neben allen Inhalten und spannenden Links, die wir am Einstiegskurs erhalten haben, fand ich den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der Regionalentwicklung ausserordentlich wertvoll.»

Weitere Informationen zum Einstiegskurs

Die Einstiegskurse werden in der Agenda von regiosuisse ausgeschrieben.

Nächste Durchführungen: 

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Nützliche Links aus dem Einstiegskurs

Wurste_regiosuisse-Konferenz 2025

Der Thurgau zeigt die Vielfalt der regionalen Wertschöpfung 

An der diesjährigen regiosuisse-Konferenz war der Gastgeberkanton Thurgau mit exzellenten Beispielen regionaler Wertschöpfung präsent. Lassen Sie sich inspirieren! 

Bereits mit der Ankunft in der Kartause Ittingen tauchten die Teilnehmenden ins Thema der diesjährigen regiosuisse Konferenz ein: «Das Potential regionaler Wertschöpfung nachhaltig gestalten». Die Kartause ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung, liegt idyllisch über dem Thurtal und war als ehemaliges Kloster schon seit Jahrhunderten an der regionalen Wertschöpfung beteiligt. Es wurde dank des Weinbaus reich. Heute ist es für die Stiftung Kartause Ittingen deutlich anspruchsvoller, die notwendigen Mittel für die Betriebe und den Unterhalt der historischen Klosteranlage zu erwirtschaften. Die Kartause besteht nicht nur aus einem Seminarzentrum mit Restaurant, sondern auch aus einem Gutshof, zwei Museen, einer Institution für betreutes Wohnen und Arbeiten sowie einem Zentrum für Spiritualität. Die Stiftung setzt bewusst auf Selbstversorgung und lokale Nachhaltigkeit. So liegt der Selbstversorgungsgrad des Restaurants bei sage und schreibe 57 Prozent. 

Kartause Ittigen
Kartause Ittigen

Von der internen Wertschöpfung zur regionalen Wertschöpfungskette

Mark Ziegler, Procurator der Stiftung hielt in seiner Begrüssungsrede fest: «Nachhaltigkeit und Selbstversorgung sind nicht günstig. Deshalb setzen wir neu auf Zusammenarbeit in der ganzen Region, zum Beispiel beim Keltern oder bei der Schweinezucht. Zusammen mit regionalen Partnern können wir die Wertschöpfung steigern.» Das Credo der Kartause verändert sich gerade: Von der internen Wertschöpfung hin zur Stärkung von regionalen Wertschöpfungsketten. Dank Kooperationen mit den passenden regionalen Partnern können Kosten reduziert werden, ohne dass Kompromisse bei der Qualität oder der Nachhaltigkeit eingegangen werden müssen. 

Standortattraktivität und Tourismus in Frauenfeld

Die Hauptstadt des Thurgaus war mit zwei Beispielen an der regiosuisse-Konferenz vertreten, bei denen es um die Standortqualität ging: Einerseits wurde das Street-Art-Festival Frauenfeld als Motor regionaler Wertschöpfung vorgestellt. Anderseits rückte die Stadtkaserne Frauenfeld in den Fokus. Die ehemals vom Militär genutzten Gebäude öffnen sich für die Bevölkerung, auf dem Areal wird gemeinsam Neues geschaffen. Dafür wurde eine partizipative Entwicklung angestossen. Die Neue Regionalpolitik von Bund und Kanton unterstützte das Projekt mit einer Machbarkeitsstudie für einen künftigen «Markt Thurgau», der in der Stadtkaserne ein innovatives Schaufenster für Thurgauer Produkte, Dienstleistungen und Ideen werden soll. Mit der Umsetzung des Markt Thurgau soll die Stadtkaserne über den Kanton und die Stadt hinaus Publikum anziehen. Damit wird sie zu einem Treffpunkt mit überregionaler Ausstrahlung. 

Bei beiden Projekten zeigte sich: Innovative Projekte, die mit und für die Bevölkerung entwickelt werden, tragen zur Attraktivität eines Standorts und zur regionalen Wertschöpfung bei. 

Natürlich wirksam am Bodensee

An Konferenz wurde ein weiteres innovatives Projekt präsentiert: die Schaffung eines Schweizer Branchenclusters für Phytomedizin am Bodensee. Das «PhytoValley» bringt die wirtschaftliche Relevanz der hiesigen Naturmedizin-Branche zum Ausdruck. Beteiligt sind Firmen wie A. Vogel, Zeller, Rausch oder hepart. Der Cluster fördert die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Unternehmen und Organisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Phytomedizin sowie mit der Politik, der Verwaltung und der Bevölkerung.

Sein Fokus liegt primär auf zwei Bereichen: Erstens auf der Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften und zweitens auf der Stärkung der Attraktivität der Region durch eine nachhaltige Entwicklung der Naturmittelproduktion mittels innovativer Technologien. 

Schonholzer
Walter Schönholzer, Regierungsrat des Kantons Thurgau

Für Walter Schönholzer, Regierungsrat des Kantons Thurgau, ist der Aufbau des «PhytoValley» ein ausgezeichnetes Beispiel für die positive Wirkung der Neuen Regionalpolitik (NRP). 

«Gerade wenn die Mittel von Kanton und Bund knapper werden, ist die Fokussierung auf gewisse Kernthemen in unserem eher strukturschwachen Kanton sehr wichtig. Dank der NRP-Gelder können wir zum Beispiel den Schweizer Branchencluster «PhytoValley» umsetzen und die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit fördern.»  

Die regiosuisse-Konferenz ist nationaler Treffpunkt für alle, die in der Regionalentwicklung tätig sind. Die im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) organisierte Konferenz widmet sich jeweils einem aktuellen Thema der Regionalentwicklung. 2025 fand die Konferenz in der Kartause Ittingen statt, im Mittelpunkt stand das Potenzial regionaler Wertschöpfung. 

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Quelle Fotos: © Timo Kellenberger 

regiosuisse-Konferenz: Regionale Wirtschaft stärken, um globalen Unsicherheiten zu begegnen

Rund 130 Fachleute der Regionalentwicklung aus der ganzen Schweiz diskutierten in der Kartause Ittingen über das Potenzial von regionalen Wertschöpfungsketten. In Zeiten der unberechenbaren globalen Wirtschaft ist es zentral, die regionale Wirtschaft zu stärken. 

Die regiosuisse-Konferenz ist nationaler Treffpunkt für alle, die in der Regionalentwicklung tätig sind. Die im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) organisierte Konferenz widmet sich jeweils einem aktuellen Thema der Regionalentwicklung. 2025 stand das Potenzial regionaler Wertschöpfung im Mittelpunkt. 

Regionale Wertschöpfungsketten sind mehr als einzelne Unternehmen oder Projekte – sie sind Teil eines lebendigen Ökosystems, in dem verschiedene Akteure zusammenwirken. Die Teilnehmenden aus dem Regionalmanagement, aus kantonalen Fachstellen, der Wirtschaft und der Wissenschaft befassten sich unter anderem mit diesen Fragestellungen: Wie lässt sich das Potenzial regionaler Wertschöpfungsketten aktivieren? Welche Partnerschaften braucht es, damit daraus tragfähige Impulse für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz entstehen?

Vernetzung der Akteure ist entscheidend

In 15 Breakout Sessions konnten die Teilnehmenden Praxisbeispiele und innovative Instrumente der Regionalentwicklung kennenlernen und diskutieren. Das vielfältige Angebot reichte von der Kreislaufwirtschaft als Treiber regionaler Wertschöpfung bis zum Fachkräftemangel im Tourismus, vom industriellen Wandel bis zu Innovationen in der Landwirtschaft. Der Gastgeberkanton Thurgau war mit mehreren Beispielen präsent:

  • Holzwirtschaft: Lignum Ost als Innovationszelle der regionalen Wald- und Holzwirtschaft
  • Innovationsmanagement: Bildung des Schweizer Branchen-Clusters der Naturmedizin (Phyto Valley Switzerland) am Bodensee
  • Partizipative Entwicklung: Die ehemals vom Militär genutzte Stadtkaserne Frauenfeld öffnet sich für die Bevölkerung, auf dem Areal wird gemeinsam Neues geschaffen.
  • Standortattraktivität und Tourismus: Das Street Art-Festival Frauenfeld als Motor regionaler Wertschöpfung

«Um regionale Wertschöpfungsketten zu stärken, ist die Vernetzung der verschiedenen Akteure entscheidend», so Marc Münster, Geschäftsführer regiosuisse. «Die regiosuisse-Konferenz in der Kartause Ittingen hat genau das geboten: Vernetzung, Inspiration und Austausch.» 

Sabine Kollbrunner, Co-Leiterin Ressort Regional- und Raumordnungspolitik im SECO zog das Fazit der zweitägigen Konferenz: «In Zeiten der unberechenbaren globalen Wirtschaft werden die regionalen Wertschöpfungsketten umso wichtiger. Die Neue Regionalpolitik erlaubt es Bund und Kantonen, die ländlichen Regionen, Berggebiete und Grenzregionen zu unterstützen, Impulse für Innovationen zu geben und die regionale Wirtschaft zu fördern.»

Mehr zur Konferenz

Quelle Fotos: © Timo Kellenberger 

Martigny: Einzigartiger Themenpark Barryland eröffnet 

Am Donnerstag, 14. August 2025, wurde das neue Barryland in Martigny in Anwesenheit von Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter eingeweiht. Der Themenpark stellt die faszinierende Welt der Bernhardinerhunde in den Mittelpunkt und schafft damit auf 22’000m² eine sehenswerte touristische Innovation – gefördert von der Neuen Regionalpolitik.

An der Einweihung zeigte sich Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit ihrem Patenhund «Zeus» und erklärte: «Der Name Barry steht noch heute für Mut und heldenhafte Taten. Mit ihm würdigt Barryland eine ganze Schweizer Tradition.» Mut brauchte auch die Fondation Barry, um ihr altes Museum mit einem völlig neuen Themenpark zu ersetzen. Denn das Budget belief sich auf 24 Millionen Schweizer Franken. 

Die Finanzierung wurde durch das wirkungsvolle Engagement zahlreicher Unternehmen, Stiftungen, öffentlicher Institutionen sowie Eigenmittel sichergestellt. Hinzu kam eine gezielte Fundraising-Kampagne. Die Neue Regionalpolitik unterstützte bereits 2017 die Machbarkeitsstudie für den neuen Themenpark und trug später mit einem zinslosen Darlehen wesentlich zur Realisierung bei. Auch Innotour leistete einen Beitrag, mit dem Ziel, das Wallis als Tourismusregion noch stärker zu vermarkten und die Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern. 

Bernhardinerhunde als Attraktion

Über 30 Bernhardinerhunde leben heute im Themenpark. Fünf symbolische Erlebniswelten präsentieren je einen typischen Wesenszug des Bernhardiners: der Retter, der Freund, der Star, der Geniesser und der Spieler. Herzstück der Anlage ist das Hauptgebäude in Form einer Hundepfote. Es wurde durch ein lokales Architekturbüro realisiert; beim Bau waren zu 70 Prozent Unternehmen aus der Region beteiligt. 

Touristische Innovation und neue Arbeitsplätze

Dem Barryland ist zu wünschen, dass sich das regionale Engagement und der Mut zur Innovation auszahlt. Bis jetzt zeigt sich Jean-Maurice Tornay, Präsident der Fondation Barry zufrieden: «Der Schlüssel war ein wettbewerbsfähiges touristisches Angebot mit einem einmaligen lebendigen Museum, 14 neu geschaffenen Arbeitsplätzen und einem vergrösserten Restaurant.» 

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