Die Neue Regionalpolitik (NRP) und die Schweizer Berghilfe verfolgen dasselbe Ziel: strukturschwache Regionen wirtschaftlich zu fördern, Innovation zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu sichern. Während die NRP nur überbetriebliche Projekte fördert, richtet sich die Unterstützung der Schweizer Berghilfe an kleine und kleinste Unternehmen, Genossenschaften oder private Vereine. Im Gastbeitrag erläutert Martin Abderhalden von der Schweizer Berghilfe ihre Förderkriterien.
Die Schweizer Bergbevölkerung ist innovativ und nimmt ihre Zukunft selbst in die Hand. Manchmal fehlen aber die finanziellen Mittel, um wichtige Projekte umzusetzen. Da kommt die Schweizer Berghilfe ins Spiel. Die Schweizer Berghilfe ist eine spendenfinanzierte Stiftung, deren Ziel es ist, Arbeitsplätze in den Schweizer Bergregionen zu erhalten und zu schaffen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass Berggebiete wirtschaftlich lebendig bleiben und langfristig Perspektiven für die dort lebende Bevölkerung bieten.
Die Unterstützung der Schweizer Berghilfe richtet sich an kleine und kleinste Unternehmen, Genossenschaften und Vereine des privaten Sektors, die im Berggebiet tätig sind. Gefördert werden Investitionen in verschiedenen für die Regionalentwicklung relevanten Bereichen. Dazu gehören die Landwirtschaft und landwirtschaftliche Verarbeitung, Tourismus und Gastronomie, Gewerbe und produzierende Betriebe – einschliesslich der Holzverarbeitung –, aber auch Dorfläden und Kindertagesstätten, welche eine zentrale Rolle für die Attraktivität und Grundversorgung der Berggemeinden spielen.
Die Förderung der Schweizer Berghilfe basiert auf zwei zentralen Grundprinzipien: finanzielle Notwendigkeit und Restkostenfinanzierung. Letzteres bedeutet, dass die Hauptverantwortung für die Finanzierung einer Investition bei der Projektträgerschaft liegt. Nach einer angemessenen Eigenleistung – in Form von Eigenmitteln und Eigenarbeit – sowie nach dem Ausschöpfen zumutbarer Fremdfinanzierungen (zum Beispiel öffentliche Investitionshilfen, Bankdarlehen), prüft die Schweizer Berghilfe, ob eine Finanzierungslücke verbleibt.
Durch diese gezielte Unterstützung ermöglicht die Schweizer Berghilfe Investitionen, die für die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Betriebe und damit ganzer Regionen entscheidend sind.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Förderkriterien der Neuen Regionalpolitik und der Schweizer Berghilfe
Sowohl die Schweizer Berghilfe wie auch die Neue Regionalpolitik (NRP) fördern Projekte in den Schweizer Berggebieten. Beide verfolgen das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung in Berggebieten zu fördern.
Es gibt aber wesentliche Unterschiede: So wirkt die NRP auch in den Agglomerationen und Grenzgebieten und fördert ausschliesslich überbetriebliche Projekte sowie die Erarbeitung von regionalen Entwicklungsstrategien. Die NRP fördert die Zusammenarbeit unter öffentlichen und privaten Institutionen, während die Schweizer Berghilfe wiederum öffentliche Institutionen, zum Beispiel Gemeinden, als Projektträger ausschliesst. Dafür können bei der Schweizer Berghilfe auch Kleinstbetriebe und private Vereine Unterstützung erhalten. Die Schweizer Berghilfe spricht ausschliesslich A-Fonds-perdu-Beiträge, während die NRP auch Darlehen vergibt. Die spendenfinanzierte Schweizer Berghilfe und die staatliche NRP ergänzen sich gut – und beide stärken die Wirtschaftskraft der Berggebiete.
Die Schweizer Berghilfe als Möglichmacherin
Die Schweizer Berghilfe ist eine «Möglichmacherin». Sie setzt dort an, wo trotz sorgfältiger Finanzierung keine vollständige Deckung der Investitionskosten möglich ist. Sie tritt nachrangig zu allen anderen Finanzierungsquellen auf und übernimmt gezielt die verbleibende Finanzierungslücke.
Die Schweizer Berghilfe vergibt À-fonds-perdu-Beiträge, die nicht zurückbezahlt werden müssen. Dadurch unterstützt sie konkrete Investitionsprojekte von Klein- und Kleinstunternehmen, die aufgrund ihrer Grösse oder ihrer Lage oft erschwerten Zugang zu klassischen Finanzierungsinstrumenten haben. Ergänzend zu den staatlichen Instrumenten der Regionalpolitik leistet die Schweizer Berghilfe so einen direkten und wirkungsvollen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung der Berggebiete.

Der Selbstbedienungs-Dorfladen
Zum Beispiel in Prato Sornico. Dort hat die Schweizer Berghilfe die Digitalisierung des Dorfladens ermöglicht. Eigentlich würde die Botega da la Lavizzara nun ja ohne persönlichen Kontakt auskommen: Automatisches Schliesssystem mit QR-Code, Scanner, Selbstbedienungskasse, Videoüberwachung. Aber heute ist wieder mal so ein Tag, an dem der kleine Raum im Erdgeschoss des schmucken, rosafarbenen Hauses eher einer Dorfversammlung gleicht als einem Selbstbedienungsgeschäft. Zwei Handwerker trinken Kaffee und plaudern mit Astrid Lorenzetti, die nebenbei Gestelle auffüllt. Im Eingangsbereich sitzt Laura Poncia an ihrem Laptop und macht die Buchhaltung. Und Tanja Scolla ist mit ihrer kleinen Tochter Mia vorbeigekommen. Immer wieder kommen Leute rein, kaufen etwas, plaudern eine Weile mit, verschwinden wieder. «Wäre doch schade gewesen, wenn dieser Treffpunkt verloren gegangen wäre, oder?», fragt Astrid.
Einige Monate lang hatte das Lavizzara, wie das oberste Maggiatal heisst, tatsächlich keinen Laden mehr. Die Betreiber hörten altershalber auf, nachfolgen wollte niemand. «Das darf nicht sein», sagte sich Astrid und besprach sich mit all ihren Bekannten. Man war sich einig: Jemand sollte etwas tun. Eine Genossenschaft gründen zum Beispiel. «Irgendwann wurde mir klar, dass man nicht nur davon reden kann, und ich überzeugte Laura und Tanja, mitzumachen», so Astrid. Just am internationalen Frauentag gründeten die drei Frauen ihre Dorfladengenossenschaft.