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Bellinzona e Valli: Attraktiv für KMU und für sanften Tourismus

Die Region Bellinzona e Valli (Bellinzona und Täler) ist vielfältig: Sie reicht von städtischen Zentren bis zu abgelegenen Berggebieten. Bellinzona ist das regionale Zentrum, während Biasca eine wichtige Rolle für die Riviera und die umliegenden Täler, die Leventina und das Blenio-Tal, spielt. Gemeinsam haben die beiden Täler eine Strategie entwickelt, um ihre Besonderheiten und Potenziale für die wirtschaftliche Weiterentwicklung zu nutzen.

In diesem zweiten Teil der Blogserie «Vielfalt der Regionen» sprechen wir mit Manuel Cereda, Direktor der Regionalen Entwicklungsagentur für das Bellinzonese und die Täler (ERS BV). Seit 2010 setzt die Agentur die regionale Entwicklungsstrategie um und ist die erste Anlaufstelle für die Gemeinden in Fragen der Wirtschaftsentwicklung.

regiosuisse: Das Regionenmonitoring zeigt, dass in der Region Bellinzona e Valli mehrheitlich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Arbeitsplätze schaffen. In ländlichen Gemeinden und Zentren gibt es sogar ausschliesslich KMU. Welche standortbezogenen Faktoren führen dazu? Und weshalb sind die wenigen Grossunternehmen der Region in Bellinzona angesiedelt?

Manuel Cereda: Die Wirtschaftsstruktur der Region Bellinzona e Valli war schon immer stark von KMU geprägt. Gleichzeitig wächst in den letzten Jahren das Interesse von Unternehmen aus der übrigen Schweiz und aus Europa an der Region. Wir bieten verfügbare Industrie- und Gewerbeflächen, gut ausgebildete Fachkräfte und eine hohe Lebensqualität. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Region, insbesondere die Innovationsförderung durch das Amt der Wirtschaftsförderung des Kantons Tessin, sind ein entscheidender Faktor.

Bellinzona ist als Standort für Grossunternehmen attraktiv, weil die Stadt eine zentrale Lage auf der Nord-Süd-Achse, eine gute Verkehrsanbindung und Mobilitätsqualität hat. Das sind wichtige Faktoren der Standortattraktivität. Weitere Faktoren sind die hohe Lebensqualität, wettbewerbsfähige Kosten im Vergleich zu anderen Schweizer Wirtschaftszentren sowie ein innovations- und wirtschaftsförderndes Umfeld. Die Nähe zu führenden Bildungs-, Forschungs- und Innovationseinrichtungen stärken den Standort zusätzlich.

regiosuisse: Die Beschäftigung in Bellinzona und Arbedo-Castione sowie in den ländlichen Gebieten der Region hat in den letzten 10 Jahren stark zugenommen. Die umliegenden Gemeinden profitieren offenbar von ihrer Nähe zu Bellinzona. Welche Faktoren und Standortbedingungen sind Ihrer Einschätzung nach für diese Entwicklung verantwortlich?

Manuel Cereda: Die sozioökonomische Entwicklungsdynamik, die Bellinzona prägt, wirkt sich auch auf regionaler Ebene positiv aus. Die Attraktivität von Bellinzona nützt auch den ländlichen Zentren und angrenzenden Vororten. Mit Attraktivität meinen wir zum Beispiel die strategische Lage und die günstigen Rahmenbedingungen für die unternehmerische Entwicklung. Dieser Spillover-Effekt erfolgt nicht automatisch. Wir in unserer Rolle als Regionale Entwicklungsagentur regen dazu an, über die Grenzen der Gemeinden und Region hinaus zu denken.

regiosuisse: Das Regionenmonitoring zeigt, dass Gastronomie und Beherbergung in ländlichen Gebieten der Region eine wichtige Rolle in Bezug auf die touristische Wertschöpfung spielen. Warum?

Manuel Cereda: Die Alta Leventina ist durch ihre Lage an der Nord-Süd-Achse gut erreichbar. Ihre touristischen Attraktionen wie Airolo-Pesciüm, dem Tremorgio-See und die Region Ritom-Piora ziehen Touristen aus der Schweiz und aus dem Ausland an. Das schafft Arbeitsplätze im Tourismus.

Der Trend zu einem nachhaltigen Tourismus fördert ausserdem die Entwicklung neuer Angebote in der Region. Die Alta Leventina nutzt ihr Potenzial, indem sie die natürlichen landschaftlichen und kulturellen Ressourcen besser erschliesst und die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Akteuren stärkt. Auch das Blenio-Tal hat in den letzten Jahren wichtige Tourismusprojekte umgesetzt und ist ebenso gut angebunden. Weitere Projekte sind in den kommenden Jahren geplant und sollen dort das regionale Tourismusangebot weiter ausbauen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Tourismus in der restlichen Region eine untergeordnete Rolle spielt. Auch Bellinzona und Umgebung verfügen über ideale Voraussetzungen für ein eigenes touristisches Angebot, das die Angebote der Täler ergänzt. Die Festung von Bellinzona trägt beispielsweise dazu bei, Bellinzona als eigenständige und unverwechselbare Destination neben den bekannten Orten an den Seen des Tessins (wie Locarno, Lugano, Ascona) zu positionieren.

Das Regionenmonitoring von regiosuisse verfolgt die Entwicklung in den Regionen in fünf Themenbereichen: Bevölkerung und Wohlstand, Arbeitsmarkt und Beschäftigung, Wirtschaftsstruktur und -leistung, Standort und Infrastruktur sowie Digitalisierung. Das interaktive Auswertungstool ermöglicht es, verschiedene regiosuisse-Indikatoren nach Region darzustellen und auszuwerten. Innerhalb dieser Themen finden sich zudem thematische Analysen, welche die Erkenntnisse synthetisiert darstellen.

Weitere Infos:

Quelle Bild: Castelgrande © parisiva.ch