Von Locarno aus führt der Aufstieg zum Cimetta in drei Etappen: mit der Standseilbahn bis Orselina, dann mit der Seilbahn bis Cardada und schliesslich mit dem Sessellift bis zum Gipfel. Mit jeder Etappe öffnet sich der Blick ein wenig mehr auf den Lago Maggiore und die Tessiner Berge. Wer unter Höhenangst leidet, muss an manchen Stellen vielleicht die Zähne zusammenbeissen – doch die Aussicht, die Natur und die Wege entschädigen dafür reichlich.
Hier ergänzt der neue Mountainbike-Trail «Bassa di Cardada» das Outdoor-Angebot von Cardada-Cimetta. Die Strecke mit mittlerem Schwierigkeitsgrad verbindet Cimetta mit der Capanna Lo Stallone und knüpft an die Route «Cardada Bike» an, die bereits in das Netz von SchweizMobil integriert ist. Sie wechselt zwischen flüssigen Abschnitten und technisch anspruchsvolleren Felspassagen und richtet sich insbesondere an Abfahrtsliebhaber, darunter auch Enduro- und All-Mountain-Fans.
«Die Idee entstand aufgrund des wachsenden Mountainbike-Booms in Cardada-Cimetta: Seit der Eröffnung der Cardada-Bike-Strecke im Jahr 2017 ist die Zahl der Biker stetig gestiegen», erklärt Sebastiano Fuchs, Verantwortlicher der MTB-Trail-Crew sowie für die Verwaltung und Instandhaltung der Strecken in Ascona-Locarno. Der neue Trail bietet den Bikern eine eigene Infrastruktur und ermöglicht eine bessere Nutzung der Bergbahnen, sodass dieselbe im Laufe des Tages auch mehrmals befahren werden kann.
Besonders stolz ist Sebastiano Fuchs darauf, dass eine gemeinsame Lösung gefunden wurde, die den Bedürfnissen von Bikern, Wanderern, Grundstückseigentümern sowie Burgergemeinden, Gemeinden und Tourismusakteuren gerecht wird. Dadurch entsteht nicht nur eine neue Strecke, sondern ein Angebot, das die Region aufwertet und neue Möglichkeiten für die Zukunft von Cardada-Cimetta eröffnet. Zusätzliche Gäste im Frühling und Herbst können die touristische Saison verlängern und die Auslastung ausserhalb der Hauptsaison verbessern.

Was die Unterstützung ermöglicht hat
Dank der Politica economica regionale – so wird im Tessin die Neue Regionalpolitik (NRP) auch bezeichnet – haben Kanton und Bund den Bau einer Infrastruktur unterstützt, die ein einzelner Projektträger allein kaum hätte finanzieren können, die aber Vorteile für eine ganze Region mit sich bringt. Im Fall der Strecke Bassa di Cardada deckten die Beiträge von Kanton und Bund 50 % der anrechenbaren Kosten, erklärt Barbara Conrad, Leiterin des Bereichs Tourismus beim Amt für Wirtschaftsförderung des Kantons Tessin. Diese Unterstützung ermöglichte den Bau des fehlenden Abschnitts zwischen Cimetta und der Capanna Lo Stallone sowie dessen Anbindung an einen bereits bestehenden Weg von SchweizMobil. Das Netz ist dadurch vollständiger, und die Ströme von Wanderern und Bikern lassen sich besser voneinander trennen.
Die Förderung geht über die Finanzierung hinaus: Im Rahmen des Förderverfahrens werden auch die Einbindung des Projekts in die kantonale MTB-Strategie und seine langfristige Tragfähigkeit geprüft. Die Instandhaltung wird von der Tourismusorganisation Lago Maggiore e Valli und von Cardada Impianti Turistici gewährleistet.
«Eine hochwertige Strecke lockt mehr Menschen zu den Liftanlagen, verlängert die Saison und sorgt für wirtschaftliche Impulse in der Region: zum Beispiel für Unterkünfte, Restaurants und Dienstleistungen, ergänzt Barbara Conrad.»
Ein Projekt, das aus der Zusammenarbeit entstanden ist
Damit eine Strecke Teil eines umfassenden touristischen Angebots wird, gilt es technische, räumliche und touristische Aspekte zu koordinieren und die Beteiligten von Anfang an einzubeziehen. In Cardada-Cimetta haben die Tourismusorganisation, die Betreiber der Anlagen, die technischen Behörden und die Akteure vor Ort zusammengearbeitet.
Gabriele Berti, technischer Leiter für Mountainbike beim Tessiner Wanderwegverband Ticino Sentieri, betreute die technischen Aspekte des Projekts. Ticino Sentieri gab im Rahmen der Finanzierungsprüfung ein technisches Gutachten ab und nahm gemeinsam mit der Fachstelle Langsamverkehr des Kantons und mit Unterstützung des Departements für Raumordnung an der Endabnahme der Infrastruktur teil.
Die Strecke vervollständigt das MTB-Netz der Region und wertet ein Reiseziel auf, das von Locarno aus mit den Bergbahnen erreichbar ist. Die Realisierung ist ein erster Schritt: Wenn die bereits in der Planungsphase befindlichen Ideen zu konkreten Projekten werden, kann das Angebot weiter wachsen und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.
Die Strecke wurde mit umweltfreundlichen Techniken realisiert. Das Augenmerk auf Nachhaltigkeit gilt auch der Zukunft: Eine neue Infrastruktur muss über die Jahre hinweg gepflegt werden und sich stimmig in die Landschaft einfügen. Die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen für die Förderung des Reiseziels und den Betreibern der Anlagen trägt dazu bei, ein umfassendes Angebot zu schaffen, bei dem Strecke, Erreichbarkeit und Dienstleistungen sich gegenseitig verstärken.

Eine koordinierte Vision für das Tessin
Die Strecke Bassa di Cardada ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Förderung des Mountainbikens und der sanften Mobilität im Tessin. Tanja Orsatti, Mitarbeiterin des Amtes für sanfte Mobilität und Unterstützung, betont, dass die koordinierte Entwicklung einzelner Projekte es dem MTB-Sektor ermöglicht, nach gemeinsamen Verfahren zu wachsen – mit einem Gesamtüberblick und unter Berücksichtigung der Entwicklung der verschiedenen Regionen. Die kantonale Vision sieht vor, das MTB-Angebot kontrolliert auszubauen und die einzelnen Projekte zu einem gemeinsamen Netzwerk und einer gemeinsamen Strategie zu verknüpfen.
Diese Koordination wird mit dem neuen kantonalen Gesetz über Wanderwege, Fusswege und Mountainbike-Strecken, das das Gesetz von 1994 ersetzen soll, noch an Bedeutung gewinnen. Die neue Regelung wird die Planung, den Bau und die Bewirtschaftung von MTB-Strecken sowie von Wander- und Spazierwegen regeln. Ziel ist es, die Entwicklung sowohl auf kantonaler als auch auf lokaler Ebene zu koordinieren, das Miteinander zwischen Wanderern und Bikern zu gestalten und das Gebiet sowie die beteiligten Akteure zu schützen.
In Cardada-Cimetta nimmt diese Perspektive durch ein konkretes Projekt Gestalt an. Für Sebastiano Fuchs ist der Bassa di Cardada Trail daher weit mehr als nur eine neue Strecke: Er ist der erste Baustein einer künftigen Entwicklung, mit dem Ziel, hochwertige Trails für verschiedene Niveaus und Zielgruppen anzubieten, Mountainbiken und Wandern harmonisch nebeneinander zu ermöglichen und Cardada-Cimetta als Bike-Destination zu etablieren.