Am Donnerstag, 14. August 2025, wurde das neue Barryland in Martigny in Anwesenheit von Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter eingeweiht. Der Themenpark stellt die faszinierende Welt der Bernhardinerhunde in den Mittelpunkt und schafft damit auf 22’000m² eine sehenswerte touristische Innovation – gefördert von der Neuen Regionalpolitik.
An der Einweihung zeigte sich Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit ihrem Patenhund «Zeus» und erklärte: «Der Name Barry steht noch heute für Mut und heldenhafte Taten. Mit ihm würdigt Barryland eine ganze Schweizer Tradition.» Mut brauchte auch die Fondation Barry, um ihr altes Museum mit einem völlig neuen Themenpark zu ersetzen. Denn das Budget belief sich auf 24 Millionen Schweizer Franken.
Die Finanzierung wurde durch das wirkungsvolle Engagement zahlreicher Unternehmen, Stiftungen, öffentlicher Institutionen sowie Eigenmittel sichergestellt. Hinzu kam eine gezielte Fundraising-Kampagne. Die Neue Regionalpolitik unterstützte bereits 2017 die Machbarkeitsstudie für den neuen Themenpark und trug später mit einem zinslosen Darlehen wesentlich zur Realisierung bei. Auch Innotour leistete einen Beitrag, mit dem Ziel, das Wallis als Tourismusregion noch stärker zu vermarkten und die Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern.
Bernhardinerhunde als Attraktion
Über 30 Bernhardinerhunde leben heute im Themenpark. Fünf symbolische Erlebniswelten präsentieren je einen typischen Wesenszug des Bernhardiners: der Retter, der Freund, der Star, der Geniesser und der Spieler. Herzstück der Anlage ist das Hauptgebäude in Form einer Hundepfote. Es wurde durch ein lokales Architekturbüro realisiert; beim Bau waren zu 70 Prozent Unternehmen aus der Region beteiligt.
Touristische Innovation und neue Arbeitsplätze
Dem Barryland ist zu wünschen, dass sich das regionale Engagement und der Mut zur Innovation auszahlt. Bis jetzt zeigt sich Jean-Maurice Tornay, Präsident der Fondation Barry zufrieden: «Der Schlüssel war ein wettbewerbsfähiges touristisches Angebot mit einem einmaligen lebendigen Museum, 14 neu geschaffenen Arbeitsplätzen und einem vergrösserten Restaurant.»
Podcast: «Cradle-Alp» – Schritte hin zu einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft
Der Begriff «Cradle to Cradle» wird häufig im Zusammenhang mit Kreislaufwirtschaft gebraucht. Er bedeutet sinngemäss «vom Ursprung zum Ursprung» und steht für eine konsequente Kreislaufwirtschaft. Diese setzt darauf, Ressourcen effizienter zu nutzen, Abfall zu minimieren und Produkte so zu gestalten, dass sie möglichst lange in Umlauf bleiben. Basierend auf diesem Konzept fokussiert das Interreg-Projekt «Cradle-Alp» auf die Kreislaufwirtschaft in der Alpenregion. Ziel des im Kanton Freiburg lancierten internationalen Projekts ist, diese in Unternehmen zu implementieren. Wie das geschehen soll und wie dabei Hochschule, Kanton und Unternehmen eng zusammenarbeiten, davon berichten unsere Podcast-Gäste Véronique Gruber, Andreas Fischer und Michael Keller.
«Unternehmen produzieren Abfall, den sie entsorgen. Doch es stellt sich die Frage: Könnte man daraus etwas Nützliches machen und ihn sogar verkaufen?»
Abfallprodukte bergen ökonomisches Potenzial
Warum Kreislaufwirtschaft (KLW) bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist, erklärt der Leiter des Interreg-Projekts «Cradle-Alp» Michael Keller von der Hochschule für Architektur und Technik in Freiburg einleuchtend: «Es fehlt oft an Information und Verständnis für alternative Nutzungsmöglichkeiten von Abfallprodukten. Das muss sich ändern». Aus diesem Grund konzentriert sich das international vernetzte Projekt «Cradle-Alp» (siehe Kasteninformation) auf praxisorientierte Lösungen. Das Projekt ist bei der Hochschule für Architektur und Technik Freiburg i.Ü. angesiedelt. Es richtet sich mit diesen Vorhaben gezielt an Unternehmen im Kanton Freiburg. Unterstützt von der Neuen Regionalpolitik (NRP) und in Zusammenarbeit mit ausgewählten Unternehmen werden die vorhandenen Instrumente und Möglichkeiten für eine erfolgreiche Implementierung von KLW analysiert. Dabei wird auch untersucht, ob und wie sich diese Lösungen ökologisch und ökonomisch lohnen würden.
Alternative Materialien gesucht – und gefunden
Ein zentrales Instrument in diesem Prozess ist der sogenannte Value Chain Generator (VCG), der in einem früheren Projekt von der Hochschule für Technik und Architektur entwickelt wurde und heute vom Start-up VCG.AI in Stuttgart betrieben und weiterentwickelt wird. Andreas Fischer ist Professor an der Hochschule, an dessen Forschungsinstitut iCoSys, dem Institut für künstliche Intelligenz und komplexe Systeme. Er war massgeblich an der Entwicklung dieses Tools beteiligt. Andreas Fischer erklärt im Podcast, welche Überlegungen hinter dieser umfangreichen Datenbank stecken und wie Künstliche Intelligenz (KI) die Umsetzung von KLW unterstützen kann. Denn Unternehmen benötigen einerseits Lösungen, um Abfallprodukte sogar gewinnbringend in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen, anstatt sie kostenpflichtig entsorgen zu müssen. Andererseits müssten Unternehmen auf alternative umweltfreundliche Materialien zugreifen können, ohne grossen Aufwand betreiben zu müssen. Doch wie kommen die beiden Seiten zueinander? Hier kommt nun der erwähnte Value Chain Generator zum Zuge, der diese Daten bündelt und zur Verfügung stellt. Im neuen Projekt «Cradle-Alp» kommt er nun auch wieder zum Einsatz.
Die regionale Wirtschaft stärken und fördern
Für die Projektleiterin Regionalpolitik und Interreg-Verantwortliche Véronique Gruber gibt es mehrere Gründe, weshalb der Kanton Freiburg dieses Projekt aktiv unterstützt. Sie hebt hervor, dass das internationale Projekt die regionale Wirtschaft stärken kann. Gleichzeitig fügt es sich hervorragend in die Roadmap des Kantons zur Kreislaufwirtschaft ein. Sie ist überzeugt, dass das Projekt Innovation in lokalen Unternehmen fördert. Sie betont, dass sich Forschung und Praxis wertvoll unterstützen können. In zehn Jahren, so die Hoffnung, soll Kreislaufwirtschaft überall eine spürbare Wirkung entfalten und in den Geschäftsmodellen etabliert sein.
Marke graubünden
Die Marke graubünden wurde im Jahr 2003 lanciert. Damals wurde eine branchenübergreifende Regionenmarke zur nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsstandorts Graubünden von der Regierung gefordert.
Die Marke graubünden hat zum Ziel, die Kernwerte der Region – wahr, wohltuend und weitsichtig – bei den Bewohnenden, Unternehmen wie auch bei den Gästen zu vermitteln und zu stärken. Die Marke soll dazu beitragen, Graubünden als attraktiven Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum zu positionieren. Das NRP-Projekt «graubünden nachhaltig» ist eines von vielen Arbeitsinstrumenten der Marke graubünden, um dieses Ziel zu erreichen.
Mehr laufende und bereits abgeschlossene NRP-Projekte.
Das Coaching-Programm von HotellerieSuisse und SECO konnte viel bewegen
Im Frühjahr 2020 war die Beherbergungsbranche von der Covid-19-Pandemie und den vom Bundesrat ergriffenen Schutzmassnahmen stark betroffen. Zur Unterstützung der Betriebe wurde das Coaching-Programm von HotellerieSuisse und SECO mit Fördermitteln der Neuen Regionalpolitik (NRP) lanciert. Durch bedürfnisorientierte mehrtägige Coachings konnten hunderte kleinere und mittelgrosse Individualbetriebe zukunftsfähiger gemacht werden. Bei einer Abschlussveranstaltung in Thun haben sich Beteiligte getroffen und über ihre Erfahrungen ausgetauscht.
«Ich wollte im Rahmen dieses Coachings eigentlich meine Pensionierung vorbereiten. Gemeinsam mit dem Coach haben wir dann aber vor allem an unseren Abläufen und Prozessen gearbeitet.»
Ruth Thierstein vom Boutique Hotel Matterhorn Lodge in Zermatt
Sie ist die Stimme von einem der knapp 300 Betriebe, die in den vergangenen Jahren am Coaching-Programm von HotellerieSuisse teilgenommen haben. Sie führt in ihrer spontanen Wortmeldung weiter aus: «Das Resultat ist, dass ich nun ganz viel an meinen jungen Direktor abgeben kann. Das hat am Anfang zwar viel Mut und auch Überzeugungskraft gekostet, aber letzten Endes war dieses Coaching ein riesengrosses Geschenk für mich und für unser Hotel.»
Im Rahmen einer kurzen Podiumsdiskussion schilderte Martina Anderberg – eine der beteiligten Coaches – aus, wie sie ihre Arbeit erlebt hat: «Viele Betriebe haben im Alltag selten Kapazitäten, sich den wirklich kritischen Fragen zu stellen. Den Mut zu fassen, etwas über Bord zu werfen, braucht Unterstützung von aussen.»
Zu Beginn der Covid-19-Pandemie, im Frühjahr 2020, ergriff der Bundesrat Massnahmen, die die Beherbergungsbranche stark belasteten. Zu deren Unterstützung lancierte das SECO gemeinsam mit HotellerieSuisse im Februar 2021 das Coaching-Programm für die Beherbergungsbranche. Das Projekt wurde mit Fördermitteln der Neuen Regionalpolitik mitfinanziert und hatte zum Ziel, vor allem kleinere und mittelgrosse Individualbetriebe, wie das Boutiquehotel Matterhorn Lodge, zu stärken. Die Coachings konnten von April 2021 bis Juni 2024 in Anspruch genommen werden. Die Rückmeldungen der beteiligten Betriebe und der Coaches fällt durchs Band sehr positiv aus. Dies bestätigt sowohl eine Kurzevaluation von regiosuisse, die das SECO in Auftrag gegeben hat, als auch der von HotellerieSuisse erstellte Schlussbericht.
Hohe Nachfrage und breite Wirkung
Es nahmen Betriebe aus allen Landesteilen am Programm teil, mit einem Fokus auf kleinere und mittelgrosse Beherbergungsbetriebe (10 bis 60 Zimmer). Besonders stark vertreten waren Betriebe aus Bergregionen und ländlichen Gebieten. Damit konnte eine wichtige Zielsetzung des Programms, die Wirkung im NRP-Perimeter zu entfalten, erfüllt werden. Im Rahmen von bis zu fünf Coaching-Tagen pro Betrieb konnten Themen wie Kosteneffizienz dank optimierten Prozessstrukturen, erfolgreicher Vertrieb durch klare Positionierung, verbesserte Onlinepräsenz mit Digitalisierungsstrategie, konsequente Umsetzung von Nachhaltigkeitsmassnahmen im Rahmen einer Gesamtstrategie oder Schärfung des Arbeitgeberprofils durch Employer Branding individuell bearbeitet werden.
Das Angebot wurde von den Betrieben sehr geschätzt und als äusserst wertvoll beurteilt. 75 % der teilnehmenden Betriebe gaben an, dass das Coaching die Geschäftsentwicklung positiv beeinflusst habe. Positive Nebeneffekte des Programms sind, dass in der Branche die Offenheit gegenüber Coaching erhöht und Impulse für weitere Investitionen und Kooperationen gesetzt werden konnten.
Zudem wirkte das Coaching den Betrieben auch für die Strategiefindung. Verfügten zu Beginn des Coaching-Programmes nur 32 Prozent der Betriebe über eine schriftlich festgehaltene Strategie, waren es sechs Monate nach Abschluss bereits 54 Prozent.
«Ganz ehrlich, ich war anfangs skeptisch. Es ist jeweils eine Herausforderung jemanden zu finden, der uns zuhört und unsere Anliegen und Herausforderungen versteht. Bei diesem Coaching haben wir jedoch Resultate erhalten, mit denen wir heute weiterarbeiten»
Ron Pêtre vom Hotel Sonnenberg in Kriens
Der externe Blick des Coaches habe sehr geholfen, sich neu und zukunftsgerichtet aufzustellen. Dies bestätigte auch Peter Vollmer, der sich als Betreiber des Hotels Regina in Mürren im Coaching vertieft mit den Themen Employer Branding und Digitalisierung auseinandersetzte.
Effizienz und gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis
Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 2,34 Mio. CHF, wovon 1,84 Mio durch Mittel der Neuen Regionalpolitik NRP vom Bund getragen wurden. HotellerieSuisse war für die operative Umsetzung des Programms verantwortlich. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird als sehr positiv beurteilt: Mit den eingesetzten Mitteln konnte eine grosse Zahl von Betrieben bedarfsgerecht unterstützt werden. Das Coaching-Programm hat somit einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung und Professionalisierung der Schweizer Beherbergungsbranche geleistet und kann als Vorbild für zukünftige Förderinitiativen dienen. Die breite Akzeptanz und die nachweislichen Verbesserungen in den Betrieben unterstreichen den Erfolg des Coachings.
Auf die Frage, ob dieses erfolgreiche Projekt weitergeführt werden könne, erklärte Barbara Friedrich, Leiterin der Abteilung Mitglieder & Entwicklung bei HotellerieSuisse, dass ihr Verband ein solches Programm ohne Drittmittel nicht finanzieren könne. Auch Martin Saladin, Leiter der Direktion für Standortförderung im SECO erklärte, dass eine Weiterführung nicht möglich sei, da sich die NRP als Anschubfinanzierung versteht. Er verwies aber gleichzeitig darauf, dass das SECO, schon seit längerer Zeit verschiedene Förderinstrumente – auch in Zusammenarbeit mit den Kantonen – zur Verfügung stellt, um Projekte zu ermöglichen. Es sei ihm wichtig, dass in Zukunft noch stärker darauf hingearbeitet werde, dass die richtigen Akteure vernetzt und in einen Austausch gebracht würden, um dadurch Instrumente zu entwickeln, die nahe an den Bedürfnissen der Beteiligten seien. «Ich höre gerne hin, um mehr zu lernen und genauer zu verstehen, was es braucht», sagte Saladin zum Abschluss.
Weinwandern im Zürcher Weinland – Genuss, Wissen und digitale Innovation
Die Weinwanderwege im Zürcher Weinland haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt – auch dank der Neuen Regionalpolitik. Neue Routen, kulinarische Erlebnisse und digitale Highlights machen sie zu einem einzigartigen Ausflugsziel für Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber sowie für Naturbegeisterte. Erfahren Sie, wie Tradition und Moderne hier perfekt verschmelzen!
Die acht Weinwanderwege des Zürcher Weinlands haben in den letzten vier Jahren eine beeindruckende Transformation durchlaufen. Im Jahr 2011 angelegt und ausgeschildert, boten sie von Anfang an nicht nur wunderschöne Routen durch die Reblandschaft, sondern auch interessante Einblicke in die Arbeit der Winzerinnen und Winzer. Doch Wind, Wetter und landwirtschaftliche Maschinen setzten den Tafeln und Wegweisern im Laufe der Zeit zu. Es war Zeit für eine Erneuerung – die zu einem Erfolg für alle Beteiligten und die Region Zürcher Weinland wurde.
Ein Neubeginn für die Weinwanderwege
Nach einer ausführlichen Begehung aller acht Routen entschied ProWeinland – auch dank den neuen Möglichkeiten ausgelöst durch die Neue Regionalpolitik (NRP) – das bestehende Konzept völlig zu überdenken. Ziel war ein noch attraktiveres Angebot, das sowohl den Wandernden als auch den regionalen Betrieben zugutekommt. Ein zentraler Schritt dabei: die direkte Einbindung von 16 Weinbaubetrieben entlang der Wege. Gemeinsam mit den Weinbaubetrieben und mit Unterstützung der Zürcher Wanderwege wurden die neuen Streckenverläufe so gestaltet, dass Wandernde an den Weingütern vorbeikommen, ohne Umwege gehen zu müssen. So ergibt sich eine perfekte Verbindung aus Natur, Genuss und direktem Kontakt zu den Produzierenden. Auch wurde die Beschilderung entlang der Route verbessert und basiert auf den Vorgaben der Zürcher Wanderwege.
Foto: ProWeinland
Genussvolle Erlebnisse entlang der Route
Ein weiteres Highlight der Erneuerung sind die vier kulinarischen Begleitangebote, die vor allem kleineren Gruppen die Möglichkeit bieten, den lokalen Wein in geselliger Atmosphäre zu degustieren. Dabei wurde eng mit fast dreissig lokalen Betrieben wie Restaurants, Bäckereien, Metzgereien und Käsereien zusammengearbeitet, um regionale Spezialitäten in das Wandererlebnis zu integrieren.
Wine, Dine & Hike: Auf zwei Routen – vom Rheinfall nach Rudolfingen und durch das Stammertal – geniessen Wandernde in drei Restaurants feine Speisen und dazu jeweils zwei Gläser Wein vom lokalen Weinbaubetrieb.
Schiterberg & Flaachtal: Hier erwartet die Gäste ein Wine-Bag mit Käse, Fleisch, Brot und einem Weinglas, mit dem sie an verschiedenen Stationen Weine probieren können. Am Schiterberg wird der Wein in den traditionellen «Räbhüsli» degustiert, während im Flaachtal eine Flasche im Wine-Bag integriert ist.
Foto: ProWeinland
Wirkung: Rekordzahlen und digitale Innovationen
Die Winzerinnen und Winzer profitieren von einer gesteigerten Wertschöpfung und erhöhten Sichtbarkeit, während die Wandernden ein einzigartiges Erlebnis geniessen. Dass die Neuerungen wirken, zeigt der Blick auf die Besucherzahlen: Während 2023 noch 340 Gäste gezählt wurden, verdoppelte sich die Zahl 2024 beinahe! Dieser Erfolg motiviert, das Projekt weiter voranzutreiben.
Ab Frühjahr 2025 wird der Weinwanderweg im Stammertal durch eine digitale Innovation ergänzt: die App «mapstogo». Über QR-Codes an acht ausgewählten Punkten entlang der Route erhalten Wandernde vielseitige Informationen zum Rebbau, zu regionalen Besonderheiten und zu typischen Herausforderungen wie Rebkrankheiten oder Schädlingen. Diese niedrigschwellige Wissensvermittlung macht den Weinwanderweg nicht nur informativer, sondern auch interaktiver. Langfristig sollen alle Weinwanderwege mit «mapstogo» ausgestattet werden – und auch andere regionale Akteurinnen und Akteure, wie Ortsmuseen, können von dieser Plattform profitieren.
Foto: ProWeinland
Tradition trifft Innovation
Die Digitalisierung wertet das Erlebnis der Weinwanderwege weiter auf und macht den Weinbau im Zürcher Weinland noch greifbarer. Es ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie traditionelle Kulturlandschaften durch moderne Technologien neue Impulse erhalten können. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Winzerinnen und Winzern, Gastronomiebetrieben sowie Tourismusakteurinnen und Tourismusakteuren bleibt das Angebot dynamisch und wird kontinuierlich weiterentwickelt.
Die Weinwanderwege sind längst mehr als ein Spaziergang durch die Reben – sie sind eine Einladung zum Entdecken, Geniessen und Verstehen. Wer den Zürcher Wein in all seinen Facetten erleben möchte, findet hier eine perfekte Verbindung aus Natur, Kulinarik und digitaler Innovation.
Obwohl der Kanton Zürich ein wirtschaftsstarker Standort ist, erfüllen zwei Regionen die Voraussetzungen zur Berechtigung von Fördergeldern: das Zürcher Berggebiet und das Zürcher Weinland. Die Umsetzung der NRP im Kanton wird dabei vom Verein «Standortförderung Zürioberland» und dem Verein «ProWeinland» gewährleistet. Sie unterstützen zum einen externe Projektträgerschaften, können zum anderen aber auch eigene Projekte initiieren, welche den Schlüsselkriterien der NRP entsprechen und einen Mehrwert für die Region bieten.
Tourismusdestinationen: SECO und Kantone unterstützen bei der Neuausrichtung von Angeboten
Für viele Tourismusdestinationen ist das Wintergeschäft überlebenswichtig. Aufgrund des Klimawandels ist jedoch selbst mit technischer Beschneiung vielerorts mit kürzeren Wintersaisons zu rechnen. Eine Reihe von aktuellen Projekten, unterstützt vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) im Rahmen der Förderinstrumente Neue Regionalpolitik (NRP), Interreg und Innotour, begleiten Destinationen bei der Anpassung an den Klimawandel.
Ein weisses Band umgeben von grün-braunen Wiesen. An diesen Anblick mussten sich viele Skigebiete in den letzten Jahren gewöhnen.Die Anzahl Schneetage hat sich seit 1970 unterhalb von 800 m halbiert und auf 2000 m um 20 % reduziert. Das ist die ernüchternde Bilanz der bisherigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Schneebedeckung in der Schweiz. Gemäss den Klimaszenarien von MeteoSchweiz wird diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitergehen. Insbesondere für Skigebiete unterhalb von rund 1500 m (Seilbahnen Schweiz, 2024) dürfte es zunehmend schwierig werden, einen rentablen Skibetrieb aufrecht zu erhalten. Dies nicht nur aufgrund der steigenden Schneefallgrenze, sondern auch aufgrund der Abnahme der Anzahl Tage, die kalt genug für die technische Beschneiung sind. So hat sich beispielsweise in Engelberg auf 1037 m die Anzahl Eistage, an denen die Maximaltemperatur unter 0° C liegt, seit 1970 fast halbiert – von ca. 40 Tagen auf knapp über 20 Tage (MeteoSchweiz, 2024). Zu den klimatischen Veränderungen hinzu kommt auch die zunehmende internationale Konkurrenz sowie die demografische Entwicklung. Insgesamt hat dies zu einer schweizweiten Abnahme der Eintritte in Skigebiete (Skier-days) von über 30 % seit Anfang der 1990er Jahre geführt (Seilbahnen Schweiz, 2024c).Die im Folgenden vorgestellten Projekte zeigen Prozesse und Lösungsansätze auf, wie Tourismusdestinationen mit Schneemangel umgehen können und welche Chancen und Risiken es dabei gibt.
Innotour-Projekt «Kompass Schnee»: Schneesicherheit im sich erwärmenden Klima
Seilbahnen Schweiz hat zusammen mit dem Verein Schweizer Tourismusmanagerinnen und Tourismusmanager und Schweiz Tourismus das Projekt «Kompass Schnee» lanciert. Das Projekt wird gefördert durch Innotour und hat zum Ziel, Tourismusdestinationen im Umgang mit den sich verändernden Schneebedingungen zu unterstützen. Basierend auf aktuellen Klimadaten und -projektionen und in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF), entwickelt das Projekt ein Werkzeug für Wintersportregionen der Schweiz, um ihre aktuelle und zukünftige Schneesicherheit einzuschätzen und Massnahmen abzuleiten. Dazu gehören Optimierungen des Wintersportangebots beispielsweise durch technische Beschneiung und Veränderung der Saisondauer aber auch vermehrtes Setzen auf schneeunabhängige Angebote wie Kultur und Gastronomie. Ein Factsheet zu den Klimaszenarien für den Winter 2050 ist bereits verfügbar (Seilbahnen Schweiz, 2024). Das Projekt Kompass Schnee läuft von 2024–2026 und im Sommer 2025 sind weitere öffentliche Resultate zu erwarten (Seilbahnen Schweiz, 2024b).
Interreg-Projekt «Beyond Snow»: Weg vom reinen Wintertourismus
Viele Wintersportgebiete, die unterhalb von ca. 1500 m liegen, werden sich strategisch neu orientieren müssen, um unabhängiger vom klassischen Wintersportgeschäft zu werden. Das Interreg-Projekt «BeyondSnow» (2022–2025), finanziert im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP), unterstützt neun Wintertourismusdestinationen in sechs Alpenländern, die stark vom Schneemangel betroffen sind, bei diesem Wandel. Aus der Schweiz ist Sattel-Hochstuckli im Kanton Schwyz als Pilotdestination mit dabei. Dort mussten 2023 aufgrund der schwierigen finanziellen Situation zwei von drei Schleppliften geschlossen werden. «Das ist natürlich eine sehr emotionale Geschichte» sagt Peter Niederer, Vizedirektor bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), welche das Projekt mitinitiiert hat. «Sattel-Hochstuckli ist eines der ältesten Skigebiete in den Voralpen und das Skifahren fester Teil der Tradition.» Lokale Akteure der Destinationen werden bei «BeyondSnow» konsequent eingebunden. So wurden in Sattel-Hochstuckli mit der lokalen Bevölkerung 22 Massnahmen erarbeitet, welche die Destination zukunftsfähig machen sollen. Im Fokus stehen dabei der Ganzjahrestourismus, Investitionen in Events und Kooperationen, sowie die Reduktion von Fixkosten. Gleichzeitig soll die Skiinfrastruktur trotzdem flexibel einsetzbar sein, wenn es die Schneebedingungen erlauben. Die teilnehmenden Skigebiete profitieren auch von einem Erfahrungsaustausch untereinander. So überlegt man in Sattel-Hochstuckli, einen Ultra Trail Event auf die Beine zu stellen, inspiriert von Métabrief (FR), einer anderen Destination, die bei «BeyondSnow» mit dabei ist. In Zukunft soll zudem ein öffentlich zugängliches, digitales Entscheidungswerkzeug entwickelt werden, welches auch anderen Tourismusdestinationen helfen soll, sich durch Neuausrichtung und Diversifikation proaktiv der veränderten Schneesituation anzupassen (SAB, 2024).
Eine Serie schneearmer Winter machte eine Neuorientierung unumgänglich, Destination Sattel-Hochstuckli im Februar 2023 (Foto Thomas Egger, SAB)
Interreg-Projekt: «TransStat»: Nachhaltiger Skitourismus für die Alpen von Morgen
Ein ähnliches Ziel wie «Beyond Snow» verfolgt das Interreg-Projekt «TransStat» (2022–2025), das mit neun alpinen Skidestinationen in fünf Ländern zusammenarbeitet. Mit diesen Destinationen wird ein Vorgehen erprobt, um gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren wünschenswerte Zukunftsszenarien für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen (Ski-)Tourismus zu entwickeln. Diese sollen als Grundlage für den Übergangsprozess der Skidestinationen dienen. Zu diesem Zweck entwickelt TranStat ein physisches und digitales Netzwerk von Orten im Wandel, um Wissen und Erfahrungen über die Zukunft auszutauschen. Ein weiteres Ziel ist es, politische Empfehlungen sowohl für den gesamten Alpenraum als auch für regionale Kontexte zu entwerfen.
Innotour-Projekt «Klimafitte Destinationen»: Ein ganzheitlicher Ansatz ist gefragt
Destinationen im Berggebiet sind von vielen weiteren Veränderungen durch den Klimawandel betroffen. Das Projekt «Klimafitte Destinationen» (2024–2026), unter der Trägerschaft von Graubünden Ferien und gefördert von Innotour, setzt daher auf eine ganzheitliche Betrachtung. «Wir möchten, dass unsere Destinationen die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel proaktiv angehen und sich so zukunftsfähig aufstellen», sagt Martina Hollenstein Stadler, Leiterin Nachhaltigkeit Graubünden Ferien. «Dabei geht es nicht nur um das allgegenwärtige Thema Schnee, sondern auch um weitere Chancen und Risiken, die der Klimawandel mit sich bringt». So werden die Sommer in den Städten und Agglomerationen des Mittellandes zunehmend heisser, weshalb Bergdestinationen vermehrt Gäste erwarten dürften, die Erholung von der Hitze suchen (Serquet & Rebetez, 2011). Jedoch ist durch intensiver werdende Starkniederschlagsereignisse auch vermehrt mit Überschwemmung und Murgängen zu rechnen. Das Projekt soll helfen, sicherzustellen, dass die teilnehmenden Destinationen ihr touristisches Geschäftsmodell so weiterentwickeln, dass es langfristig tragbar ist. » Für die drei teilnehmenden Pilotdestinationen im Kanton Graubünden (Lenzerheide, Engadin Samnaun Val Müstair und vorderes Prättigau) wurde analysiert, wie sie vom Klimawandel betroffen sind und welche prioritären Chancen und Risiken sich bieten. Gemäss Hollenstein hat das Projektteam mit den Destinationen eine «Roadmap Klimafitness» erarbeitet und wird die erste Umsetzungsphase begleiten. Martina Hollenstein betont: «Klimafit werden ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Daher sehen wir unsere Rolle darin, einen Prozess anzustossen der weit über das Ende der Innotour-Förderung hinaus geht.» Zentral für den längerfristigen Erfolg einer Destination dürfte auch sein, wie gut sie die sich bietenden Chancen nutzen kann.
Workshopteilnehmende in der Destination Engadin Samnaun Val Müstair identifizieren Angebote und Infrastrukturen, welche vom Klimawandel betroffen sind (Foto: Raphael Portmann)
Neue Regionalpolitik (NRP) unterstützt Projekte zur touristischen Neuausrichtung
Der Wandel kann auch eine Chance sein: Die Neue Regionalpolitik (NRP), welche von Bund und Kantonen gemeinsam finanziert wird, bietet Destinationen und Betrieben eine Vielzahl von Möglichkeiten, diese Chancen zu nutzen. Gefördert werden beispielsweise Machbarkeitsstudien für Projekte zur touristischen Neuausrichtung, wie für die Fideriser Heuberge im Prättigau. Auch die strategische Neuausrichtung von Bergbahnen, etwa der Wiriehornbahnen AG, kann durch die NRP unterstützt werden. Darüber hinaus stellt die NRP Mittel für die Planung konkreter Massnahmen zum Ausbau des Sommertourismus bereit, wie das Mountainbikeangebot der Destination Engelberg-Titlis, oder für ganzheitliche Tourismusstrategien, etwa in Kandersteg.
Der Klimawandel stellt den Tourismus in der Schweiz vor grosse Herausforderungen. Durch die beschriebenen Projekte, von welchen einige auch im neusten Insight, dem Innotour-Magazin, vorgestellt werden, unterstützt das SECO den Tourismussektor dabei, diese zu meistern. Neben der Projektförderung hat auch die Tourismuspolitik des SECO das Ziel, die Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, beispielsweise durch Wissensaufbau und -transfer im Rahmen des «Tourismus Forum Schweiz».
Innotour fördert die Innovation, Zusammenarbeit und den Wissensaufbau im Schweizer Tourismus. Innotour konzentriert die Förderung auf nationaler Ebene. Dies bedeutet, dass die Mehrheit der Mittel für Vorhaben mit nationaler Ausrichtung und für nationale Koordinationsaufgaben eingesetzt wird. Mit dem Instrument der Modellvorhaben werden jedoch auch regionale und lokale Vorhaben gefördert.
Interreg bietet die Möglichkeit für konkrete Projekte zur Weiterentwicklung der Regionen über Landesgrenzen hinweg. Die EU, die Nachbarländer, die Kantone, der Bund und Private finanzieren die Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen. Die Schweizer Teilnahme wird im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) finanziert. Die Bundesmittel stammen aus dem Fonds für Regionalentwicklung und sind für Projekte einzusetzen, die zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Regionen beitragen. Die Kantone können ihre Äquivalenzmittel hingegen auch in Projekte investieren, die nicht direkt der Erhöhung der Wertschöpfung oder der Entwicklung der regionalen Wirtschaft dienen.
Mit der Neuen Regionalpolitik (NRP) unterstützen Bund und Kantone das Berggebiet, den weiteren ländlichen Raum und die Grenzregionen in ihrer regionalwirtschaftlichen Entwicklung. Die NRP ist 2024 in ihre dritte achtjährige Mehrjahresperiode (2024–2031) gestartet. Die bisherigen thematischen Förderschwerpunkte «Industrie» und «Tourismus» werden weitergeführt. Neu können Kleininfrastrukturen unter bestimmten Voraussetzungen mit A-fonds-perdu-Beiträgen unterstützt werden. Als Querschnittsthemen erhalten neben der «lokalen Wirtschaft», welche die Exportorientierung der NRP ergänzt, die nachhaltige Entwicklung und die Digitalisierung besonderes Gewicht.
Serquet, G., Rebetez, M. Relationship between tourism demand in the Swiss Alps and hot summer air temperatures associated with climate change. Climatic Change 108, 291–300 (2011). https://doi.org/10.1007/s10584-010-0012-6
Podcast: «Ticino a Te» – regionale Wertschöpfung für heute und morgen
Ende 2024 wurde das Tessin für seine starke regionale Wertschöpfungskette mit dem «Cercle régional» geehrt. Zur Auszeichnung verhalf ihm die erfolgreiche Verankerung von Regionalprodukten in der lokalen Gastronomie und Hotellerie, namentlich mit den Projekten «Ticino a Te» und «Ticino a Tavola». Sibilla Quadri, Geschäftsleiterin des Tessiner Zentrums für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen, stellt die Projekte im Podcast «Region am Mikrofon» vor. Sie spricht darüber, wieso es so wichtig ist, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, und wie Projekte von bereits bestehenden Ressourcen und Erfahrungen profitieren können.
«Wir sind das Bindeglied in der Wertschöpfungskette für Tessiner Lebensmittel.»
Alle Akteurinnen und Akteure an einem Tisch
Seit 2016 setzt sich «Ticino a Te» («das Tessin für dich»)für die sektorenübergreifende Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren aus Tessiner Landwirtschaft, Lebensmittelverwertung, Gastronomie und Hotellerie ein. Die Projektverantwortliche Sibilla Quadri betont, wie wertvoll diese Vernetzung für alle Beteiligten ist: «Wir schaffen Sichtbarkeit für lokale Produzentinnen und Produzenten, dank der sie eine breitere Kundschaft ansprechen können. Konsumentinnen und Konsumenten können über unser Netzwerk herausfinden, welche Produkte von wem in ihrer Region produziert werden.»
Im Rahmen von «Ticino a Te» laufen verschiedene Initiativen, darunter auch «Ticino a Tavola» («das Tessin bei Tisch»), eine Initiative von GastroTicino und dem Tessiner Bauernverband. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit 103 Tessiner Gastronomiebetrieben. Die beteiligten Betriebe verpflichten sich, dass auf ihrer Speisekarte immer mindestens ein Menü mit drei Gängen oder vier einzelne Gerichte zu 60 Prozent aus Tessiner Produkten bestehen und dass Tessiner Weine mindestens 40 Prozent ihrer Weinkarte ausmachen. Im Rahmen von «Ticino a Tavola» werden jährlich 400’000 Gerichte aufgetischt. Das generiert 3,5 Millionen Franken, von denen ein Grossteil zurück an die Tessiner Landwirtschaft und Lebensmittelverwertung fliesst.
«Wer die Herkunft eines Produkts kennt, weiss es besser zu schätzen.»
Mehr als nur eine Frage des Preises
Auf die Frage, ob regionale Produkte preislich mit industriellen Produkten mithalten können, antwortet Quadri: «Wenn ein industrielles Produkt unter denselben Bedingungen produziert wurde, wie ein lokales, dann sind die Preise oft vergleichbar – ich denke da zum Beispiel an die tierfreundliche Haltung von Hühnern oder die Bezahlung der Arbeitenden. Aber sehr oft werden Produkte gegenübergestellt, die unter ganz anderen Bedingungen produziert wurden. Ich finde nicht, dass sie sich so vergleichen lassen.»
Um auf diese Unterschiede in der Produktion hinzuweisen, ist eine wichtige Aufgabe von «Ticino a Te» die Aufklärung: In Zusammenarbeit mit 90 Schulmensen setzt sich «Ticino a Te» dafür ein, dass bei Schülerinnen und Schülern Regionales auf dem Teller landet. «Es ist wichtig, dass Kinder den Wert von regionalen Produkten zu schätzen lernen, schliesslich sind sie die Kundschaft von morgen», so Quadri. Auch Stadtbewohnerinnen und -bewohner werden im Rahmen des Projekts über die Herkunft ihrer Lebensmittel aufgeklärt. «Wer die Herkunft eines Produkts kennt, weiss es besser zu schätzen», meint Quadri.
Langfristig Wirkung erzielen
Dass der Tessiner Beitrag zur regionalen Wertschöpfungskette gleich mehrfach ausgezeichnet wurde, ist kein Zufall: Die Jury für den «Cercle régional» lobte insbesondere das Herzblut, das in «Ticino a Te» steckt und zeigte sich beeindruckt davon, wie viel das Projekt auch mit limitierten finanziellen Mitteln bewirken konnte. Neben kantonalen Geldern erhielt «Ticino a Te» zu Beginn auch NRP-Fördermittel des Bundes. Ab dem fünften Jahr wurde das Tessiner Zentrum für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen nur noch vom Kanton Tessin finanziert.
Stefano Rizzi, Direktor der Abteilung Wirtschaft des Kantons Tessin erklärt: «Wir haben das Tessiner Zentrum für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen als Pilotprojekt mit der regionalen Wirtschaftspolitik unterstützt. Ziel war die Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure in der Region, um die Entwicklung innovativer Projekte zu fördern, die den Reichtum der Tessiner Agrar- und Ernährungswirtschaft aufwerten können. Angesichts der positiven Auswirkungen – auch auf die Wettbewerbsfähigkeit des Primärsektors – beschloss der Kanton, die Initiative gemäss dem kantonalen Landwirtschaftsgesetz mit einem wiederkehrenden Beitrag zu unterstützen.»
Quadri betont, wie wichtig die Unterstützung zu Beginn war: «Dank den Geldern der NRP und des Kantons konnte das Projekt überhaupt auf die Beine gestellt werden. Uns ist es wichtig, dass unsere Arbeit dem Tessin langfristig weiterhilft – dafür braucht es viel Arbeit und nicht zuletzt finanzielle Ressourcen».
Das Tessiner Zentrum für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen (CCAT) verwaltet, betreut und entwickelt Projekte im Agrar- und Ernährungssektor. Es verfügt über ein starkes Netzwerk von Kontakten und schafft Synergien zwischen Projekten. Durch die Erfahrungen, die im Rahmen der Entwicklung von «Ticino a Te» und die Zusammenarbeit mit dem Gastronomiesektor gewonnen wurden, ist es ein starker Partner für weitere Projekte der Regionalen Entwicklung, insbesondere PRE.
Aus der Region – für Hotelgäste schon zum Frühstück
Pirmin Schilliger
Das Schweizer Frühstück ist mehr als bloss Birchermüesli: Hotelbetriebe, die gezielt auf regionale Frischeprodukte und lokale Spezialitäten setzen, können bei ihren anspruchsvollen Gästen mit einem unverwechselbaren Geschmacks- und Genusserlebnis punkten. Mit diesem Ziel vor Augen lancierten mehrere Branchenorganisationen gemeinsam das Innotour-Projekt «Schweizer Regionalfrühstückals Positionierungsmerkmal». Die Ergebnisse des Ende 2022 abgeschlossenen Vorhabens sind in eine Broschüre eingeflossen – eine Handlungsanleitung für alle Betriebe, die nun ihr eigenes Regionalfrühstück kreieren möchten.
Die Brotauswahl am Frühstücksbuffet in der Kartause Ittingen TG klingt verführerisch: Zopf mit und ohne Sesam, Roggen- und Hausbrot, alles direkt aus dem Holzofen, darüber hinaus Sauerteig- und Grahambrot sowie vier Sorten Gipfeli. Zudem Konfitüren aus Äpfeln, Aprikosen und Brombeeren, Brie-, Blauschimmel- und verschiedene Hartkäse, Kräuterquark, Molkereibutter, saftiger Schinken, eine vegane Paste aus gegrillten Peperoni, Apfelringli und Birnbrot sowie ein rustikales Birchermüseli. Zum Trinken gibt es Molke mit pürierten Erdbeeren und einen Saft aus ausgepresstem Dinkelgras und Süssmost. Sämtliche Speisen sind frisch zubereitet und schmecken vorzüglich. «Fast alles ist hausgemacht», sagt Valentin Bot, Direktor des auf Seminar- und Feriengäste ausgerichteten Drei-Sterne-Superiorhotels. Die meisten Zutaten stammen aus der Region – mal abgesehen von den Kaffeebohnen. Industrielle Convenience-Produkte wie Käse in roter Wachshülle? Fehlanzeige!
Tradition und Trend zugleich
Der Frühstückstraum, den das Team in Ittingen den Gästen jeden Morgen hinzaubert, ist das Paradebeispiel des Innotour-Projektes «Schweizer Regionalfrühstückals Positionierungsmerkmal». Lanciert haben das Vorhaben der Branchenverband HotellerieSuisse, der Schweizer Kochverband (SKV), die Hotelfachschule Thun und das Culinarium Alpinum, ein Kompetenzzentrum für alpine Regionalkulinarik in Stans NW. Das zweijährige, Ende 2022 beendete Innotour-Projekt hat der Bund mit knapp 100’000 Franken unterstützt.
Für die Kartause Ittingen, die sich als einer von acht Testbetrieben mit Begeisterung engagierte, war nicht alles neu. «Regionalität hat bei uns Tradition und geniesst schon lange einen hohen Stellenwert», betont Bot. Das wissen auch immer mehr Hotelgäste zu schätzen. «Die Nachfrage nach regionalen Produkten auf dem Esstisch gehört heute zu einem der stärksten Trends in unserer Branche», bekräftigt der Hoteldirektor.
Bei der Zubereitung ihres Thurgauer Frühstücks profitiert die Kartause Ittingen von ihrem hohen Selbstversorgungsgrad. Zum früheren Kloster in der Nähe von Frauenfeld gehört ein Gutsbetrieb mit hundert Hektaren Äckern, Wald und Wiesen, Rindern, Schweinen, Schafen und Hühnern, einem Rebberg, Gemüse- und Kräuterbeeten, einer Imkerei sowie einer Forellenzucht. «Ausserdem betreiben wir eine Bäckerei, eine Käserei und eine Metzgerei», erklärt Bot. Von so vielen Vorteilen bei der Beschaffung können die meisten Hotels nur träumen. Dies hinderte die sieben weiteren Pilotbetriebe dieses Projektes nicht daran, sich ebenso ambitiöse Ziele bezüglich Regionalität zu stecken.
Um die Einstiegshürde für alle interessierten Betriebe zu senken, erarbeiteten Hotelfachstudierende und Berufsfachschülerinnen und -schüler wichtige Grundlagen. Sie identifizierten die Vielfalt der regionalen Spezialitäten in den jeweiligen Regionen, analysierten Angebot und Nachfrage und erstellten Businessanalysen. Dann ging es für die acht Pilotbetriebe darum, zu zeigen, wie ihr eigenes Regionalfrühstück aussehen könnte. Fasst man das leckere Resultat dieser Bemühungen zusammen, präsentiert sich auf den Tellern ein überraschend vielfältiger regionaler Querschnitt durch die Schweizer Frühstückslandschaft. Ihren Beitrag dazu leisteten die Hotels Steinenschanze (Basel), Grand Hôtel Les Endroits (La Chaux-de-Fonds NE), Saratz (Pontresina GR), Adler (Adelboden BE), Federale (Lugano TI), Paxmontana (Flüeli-Ranft OW), das Chandolin Boutique Hotel (Chandolin VS) und die erwähnte Kartause Ittingen.
Lohnender Mehraufwand
Die Erwartungen von Dominik Flammer, Ernährungsexperte und Initiator des Culinarium Alpinum, gingen allerdings nicht auf Anhieb in Erfüllung. «Zum Frühstück wünsche ich mir auch Produkte, die die Landschaft zum Ausdruck bringen und die Gäste überraschen; in Graubünden etwa mit einer Grauviehbutter mit Baumnüssen, im Wallis mit Evolener Butter mit Rauchsalz der Saline von Bex, ausserdem mit Tee aus regionalen Kräutern und mit regionalen Käsesorten», zählt Flammer einige Spezialitäten auf, die schliesslich in einer zweiten Projektrunde kreiert wurden. Im Kanton Zug seien sortenreine Konfitüren aus verschiedenen Kirschen geradezu Pflicht, im Jura ein Vacherin Mont d’Or und ein Jura-Gruyère, doppelt der Experte nach.
Die grösste Herausforderung des Projekts war die Logistik. Die meisten Betriebe hatten die Beschaffung fürs Frühstück neu zu organisieren und dafür lokale und regionale Lieferanten zu gewinnen. Der damit verbundene Mehraufwand dürfte auch in Zukunft die grösste Hürde bleiben für Hotels, die auf Regionalfrühstück umstellen möchten. Zwar können die Betriebe mit Fertigprodukten beliebiger Marken unbestritten Geld sparen. Lukas Gasser, Projektverantwortlicher von HotellerieSuisse, bezweifelt allerdings, dass mit einem solchen Sparregime die Rechnung wirklich aufgeht. «Ein hochwertiges Frühstück aus regionalen Produkten gehört heute zu den entscheidenden Faktoren des Gesamtangebotes eines Hotels», äussert er mit Nachdruck.
Um die im Rahmen der acht Pilotversuche entwickelten Frühstücksvorschläge zugänglich zu machen, sind die Ergebnisse in eine kürzlich erschienene Broschüre* eingeflossen. Diese dient als Ratgeber und praxisbezogenes Hilfsmittel zugleich. Ab sofort gibt es also keinen Grund mehr, am Morgen auf ein umfassendes und authentisches Genusserlebnis im Hotel zu verzichten.
* kostenlos für Mitglieder von HotellerieSuisse, CHF 50.00 für Nichtmitglieder
In der Ferienregion Engadin Samnaun Val Müstair ist nachhaltige Mobilität ein wichtiger Attraktivitätsfaktor und ein touristisches Markenzeichen. Den Weg dazu ebnete eine Reihe von Pionier- und Pilotprojekten, die in den letzten Jahren lanciert und – je nach Projekt – von der Neuen Regionalpolitik (NRP), Interreg oder Innotour unterstützt wurden. Der in der östlichsten Ferienregion der Schweiz erfolgreich eingeschlagene Nachhaltigkeitskurs ist allerdings noch nicht am Ziel.
«Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG» (TESSVM) ist die touristische Marketingorganisation für die Ferienregion Unterengadin / Samnaun / Val Müstair. Sie umfasst eine Fläche von 1200 Quadratkilometern, fünf politische Gemeinden mit rund 9400 Einwohnerinnen und Einwohnern und 26 Ferienorte. Der Perimeter deckt sich mit der «Regiun Engiadina Bassa/Val Müstair» (EBVM), die für die Regionalentwicklung zuständig ist. Die beiden Organisationen arbeiten in der Standortentwicklung und Tourismusförderung eng zusammen. Die strategischen Entwicklungsziele der Regiun sind in der «Agenda 2030» festgehalten. «Ein wichtiges Thema darin ist die nachhaltige Mobilität», erklärt Regionalentwicklerin Martina Schlapbach.
Mit der Eröffnung des Vereina-Tunnels der Rhätischen Bahn im November 1999 hat die Region vor über zwanzig Jahren bezüglich Erschliessung einen Quantensprung erlebt. Seither ist das Unterengadin via Schiene oder Strasse ganzjährig schnell erreichbar. «An unserer peripheren Lage mitten im Hochgebirge, am östlichen Rand der Schweiz, hat sich mit dem Tunnel nichts verändert. Die Mobilität in unserer Region hat sich damit aber massiv verbessert», betont Schlapbach.
Für die begehrte Ferienregion, die sich ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gesteckt hat, wird es immer entscheidender, welche Verkehrsmittel die Besucherinnen und Besucher benutzen. «Wir möchten, dass unsere Gäste möglichst mit dem Zug anreisen und während ihres Urlaubs innerhalb der Region mit dem ÖV unterwegs sind», sagt Martina Hollenstein, ehemalige Tourismus-Direktorin (2017 bis August 2022) und heutige Projektleiterin der «Gästekarte mit ÖV-inklusive». Der Name steht für ein Angebot, das die Destination 2022 für alle Gäste eingeführt hat, unabhängig davon, ob sie im Hotel oder in einer Ferienwohnung übernachten. Die Gästekarte, die sich als QR-Code aufs Handy laden lässt, ermöglicht die freie Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr innerhalb der Region – und zwar zu sämtlichen Angebotspunkten und Attraktionen, und dies auch am An- und Abreisetag.
«ÖV-inklusive» ist bloss der jüngste, aber einer der wichtigsten Nachhaltigkeitsschritte der TESSVM. Zusammen mit den Bahnen lancierte die Ferienregion vor knapp zehn Jahren ein Projekt, das inzwischen an vielen anderen Wintersportorten Schule gemacht hat. «Wir übernehmen beim Gepäcktransport für die Gäste die letzte Meile, also den Transport zwischen Bahnhof und Hotel oder Ferienwohnung», sagt Hollenstein. Für ihre Nachhaltigkeitsstrategie wurde der Tourismusorganisation 2011 der Tourismuspreis milestone verliehen, eine von der «Hotelrevue» geschaffene Auszeichnung für Innovationen im Schweizer Tourismus. Neuerdings, für die Periode 2022–2025, kann sich die Ferienregion als erste Destination der Schweiz mit dem «TourCert»-Label «Nachhaltiges Reiseziel» schmücken, nicht zuletzt dank «ÖV-inklusive».
In der PLUS-Version berechtigt der Mobilitätspass auch zur Fahrt in die Nachbarländer. Die drei Grenzregionen EBVM, Tirol und Südtirol arbeiten seit über 15 Jahren im Rahmen der Interreg-Kooperation «Terra Raetica» systematisch zusammen. Ein Fokus der Bemühungen liegt auf der internationalen Mobilität im Dreiländereck Schweiz Österreich / Italien – mit dem Ergebnis, dass seit einigen Jahren koordiniert und regelmässig ÖV-Busse über den Reschen- und den Ofenpass nach Mals (Vinschgau / Südtirol) sowie nach Nauders und Landeck (Tirol) verkehren.
In der Destinationsentwicklung versucht die TESSVM, zusammen mit der Regiun EBVM vor allem den Sommertourismus weiter zu beleben. Zu den Kernangeboten gehören Bike-Routen und Wanderwege, die auf einer Länge von über 2300 Kilometern durch die Gegend führen. Die Pflege, der Unterhalt und die Anpassung der Bike-Trails an aktuelle Bedürfnisse bleiben eine Daueraufgabe. Mit dem Mountainbike-Masterplan TRAI(L)S VALS entwickelt die Region verschiedene Bike-Angebote und Trails weiter, und zwar abgestimmt auf das kantonale, NRP-geförderte Projekt «graubünden bike». Die Umsetzung im Zeitraum 2019–2025 liegt hauptsächlich bei den Gemeinden. «Es geht dabei um die Aufwertung und den punktuellen Ausbau von Trails und um ein attraktives Gesamtangebot», meint Schlapbach.
In Koordination mit dem kantonalen Projekt «graubünden trailrun» wird die «Trailrunning Regiun EBVM» gefördert und mit Partnerangeboten im Terra-Raetica-Dreieck verbunden. Ein weiteres aktuelles Projekt widmet sich der E-Bike-Infrastruktur beziehungsweise dem Aufbau eines Netzes von Batterieladestationen.
Ob Bikerin, Wanderer, Joggerin, Kletterer oder Skifahrerin, alle kommen auf ihre Rechnung – sommers wie winters. Es gibt Angebote für alle Ansprüche und Schwierigkeitsgrade, vom gemütlichen Spaziergang über Themen- und Erlebniswege bis hin zu anspruchsvollen Touren, rasanten Abfahrten oder Mehrtageswanderungen, beispielsweise auf der Via Engiadina oder im Nationalpark, mitsamt Gepäcktransport von einem Ort zum nächsten. «Alle Ausgangs- und Zielpunkte sind gut erschlossen und für die Gäste mit dem ÖV bequem, gratis und dank abgestimmtem Fahrplan pünktlich erreichbar», so Gästekarte-Projektleiterin Hollenstein.
Die Bemühungen, die Mobilität nachhaltiger zu gestalten, trägt Früchte: Jeder vierte Feriengast reist inzwischen mit dem ÖV ins Unterengadin. Die Gratisverbindungen innerhalb der Region sind zudem zu einem entscheidenden Vermarktungsargument geworden. Abgeklärt wird nun, ob «ÖV-inklusive» künftig auch für die Zweitwohnungsbesitzenden gelten soll. Ausserdem sollen mittels weiterer Massnahmen der ÖV und der Langsamverkehr auch bei den Einheimischen Anteile am Modalsplit gewinnen. Hollenstein und Regionalentwicklerin Schlapbach betonen einstimmig, dass die Weiterentwicklung der nachhaltigen Mobilität in einen strategischen Dauerprozess eingebunden sein müsse. So ist die Regiun EBVM laut Schlapbach gerade damit beschäftigt, die «Agenda 2030» zu aktualisieren. Hollenstein ihrerseits verweist auf den Leitfaden «Nachhaltigkeit in Schweizer Tourismusdestinationen», den die TESSVM, unterstützt von Innotour mit weiteren Destinationen und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), erarbeitet hat und der nun als Inspirationsquelle für weitere Ideen dient.
Es war nicht immer leicht, in den vergangenen Jahren auf Reisen zu gehen. Doch die Entwicklung vor und auch nach der Pandemie zeigt in der Schweiz einen Trend zu immer längeren und emissionsreicheren Reisen. Mit dem Projekt «bleib hier» wollte die Mobilitätsakademie des TCS, unterstützt durch die Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität (KOMO), dieser Entwicklung entgegentreten. Das Projekt fördert langsameres, leichteres und lokaleres Reisen und stellt dabei Angebote für Ferien zuhause, Mikroabenteuer in der Region oder Camping-Angebote mit Cargo-Bikes ins Zentrum. Als erfolgversprechend für die Zukunft haben sich Camping-Ferien mit dem Lastenvelo herausgestellt.
Ein Ausflug mit dem hübschen alten VW-Bus, mit dem Car die Familie in Ungarn besuchen, zum Skifahren mit dem Auto in die Berge fahren oder für die Ferien nach Irland fliegen: Es ist nicht der tägliche Pendlerstau für die Arbeit, es sind die Reisen, die wir in der Freizeit unternehmen, die in der Schweiz den grössten Teil des Gesamtverkehrs ausmachen. Besonders der Flugverkehr dominiert die Emissionen im Mobilitätsbereich. Für ganze 18 Prozent des Treibhausgasausstosses ist er verantwortlich. Ferienreisen – der alltägliche Freizeitverkehr ausgenommen – machen 55 Prozent der zurückgelegten Distanzen des gesamten Freizeitverkehrs aus. Und es wird immer mehr. Im Vergleich zu den regelmässigen Pendlerwegen sind die Freizeitwege extrem vielfältig, wechseln spontan und ganz spezifisch je nach Freizeitaktivität. Dies macht es komplexer, Strategien und Planungen für einen nachhaltigen Freizeitverkehr zu entwickeln. Auch wenn eine Sache bleibt: Beim Freizeitverkehr dominiert bei praktisch allen Aktivitäten der motorisierte Individualverkehr. Die gute Nachricht: Es entwickelt sich ein neues Reiseverhalten: Schweizerinnen und Schweizer küren immer häufiger das eigene Land und die Nachbarstaaten zur Feriendestination.
Aufgrund dieser Fakten und Entwicklungen lancierte die Mobilitätsakademie des TCS, eine Tochtergesellschaft des TCS in Bern, auf das Jahr 2020 das Projekt «bleib hier». Sie setzte sich damit zum Ziel, in der dreijährigen Projektphase suffiziente Geschäftsmodelle für die Freizeitmobilität zu entwickeln. Im Zentrum stand die Frage, wie sich das Reisen in der Freizeit mit weniger Verkehr persönlich erfüllend und ökonomisch sinnvoll gestalten lässt. Das Projekt wurde unter dem Motto «langsamer, leichter und lokaler» lanciert.
Gemeint ist damit erstens die Entschleunigung, indem der Langsamverkehr als ressourcenschonende Form des Reisens propagiert wird. Dazu kommt der Aspekt des leichteren Reisens durch die Reduktion des Materialaufwands und einen genügsamen Umgang mit Konsum. Schliesslich ist der Aspekt des Lokalen mit Fokus auf kurze Wege und regionale Angebote. Projektleiter Jonas Schmid betont: «Spannende Freizeit muss nicht mit grossen Distanzen und viel Konsum verbunden sein.»
«Homelidays» und Camping mit Cargo-Bikes
Das Projekt begann 2020 mit einer Reihe von Experteninterviews und Befragungen zum Freizeitverhalten der Schweizerinnen und Schweizer. Daraus wurden drei Felder von Angeboten entwickelt. Dabei ging es um Dienstleistungen für die Ferien zuhause, um Mikroabenteuer und u alternative Campingmöglichkeiten in der Region. Das Angebot von Ferien zuhause, die sogenannten «Homelidays», wurde jedoch mangels Nachfrage während der ersten Testphase wieder fallengelassen.
Der Fokus lag somit bald auf dem «alternativen Camping» und den «Mikroabenteuern mit Carvelos». «Bleib hier» setzte intensiv auf E-Bikes und E-Cargo-Bikes. Zum Angebot gehörten Carvelo-Touren durch die Schweiz, Familienferien mit Übernachtungen, Camping mit dem Lastenvelo und Mikroabenteuer mit den E-Cargo-Bikes. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Läden in der Stadt Bern wurden «Themen-Bikes» lanciert: Cargo-Bikes, ausgerüstet mit Stand-up-Paddle-Boards, Campingequipment, Barbecue, grossen Lastenanhängern und vielen anderen Ausstattungen konnten gebucht werden. Bestimmt ein Dutzend verschiedene Carvelo-Angebote wurden getestet. In Kooperation mit dem Campingplatz Eymatt in Bern entstand zudem ein Angebot zur Buchung von Carvelos und Mikrowohnwagen, samt Camping-Equipment und Tipps für Routen und Übernachtungsmöglichkeiten. «Die Camping-Angebote mit E-Cargo-Bikes waren definitiv der grösste Erfolg des Projekts», stellt Jonas Schmid rückblickend fest.
Emanuel Freudiger, TCS
Durchzogene Bilanz
Das Projekt wurde im Herbst 2022 abgeschlossen, die Erfahrungen und Erkenntnisse wurden ausgewertet. Mit Ausnahme der Angebote auf Campingplätzen und ein paar Angeboten mit lokalen Freizeit-Cargo-Bikes gelang es während der Projektlaufzeit allerdings nicht, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Äusserst positiv fiel hingegen das Echo auf das Camping-Angebot mit dem Lastenvelo aus. Dieses wird nun schweizweit auf TCS-Campings ausgebaut und weiterentwickelt.
Jonas Schmid blickt auf eine aussergewöhnliche Zeit zurück. Die Pandemie, die die drei Jahre des Projekts intensiv prägte, habe es massiv beeinflusst. «Wir hatten für das Projekt einerseits Vorteile durch die Covid-Situation, andererseits gab es auch massive Einschränkungen», so Schmid. Natürlich sei die Bevölkerung durch die Reisebeschränkungen sehr stark auf regionale Angebote ausgewichen, gleichzeitig habe sich auch das Konkurrenzangebot massiv vergrössert. Zudem sei es schwierig gewesen, das Projekt in den Medien bekanntzumachen, da diese hauptsächlich Pandemiethemen im Fokus hatten. «Und nach der Pandemie hat das Pendel auf die andere Seite ausgeschlagen. Sobald man wieder uneingeschränkt fliegen und reisen konnte, wurde das wieder stark genutzt.»
Emanuel Freudiger, TCS
Für Städte interessant
Als Erkenntnis für zukünftige ähnliche Projekte betont Schmid, wie zentral die kommunikative Power sei. «Ohne Präsenz in den Medien und ohne Plattformen, die die Angebote verbreiten, ist es äusserst schwierig.» Wichtig ist dafür auch eine intensive Vernetzung von touristischen Angeboten mit Anbietern aktiver Mobilität, beispielsweise die Vernetzung lokaler Freizeitangebote mit den in den Städten bereits stark genutzten Bike- und Trottisharing-Angeboten. «Wir haben uns für den Vertrieb der Angebote intensiv bemüht, Partnerschaften mit touristischen Akteuren aufzugleisen», so Schmid. Die touristischen Vermarktungsorganisationen hätten wenig Interesse, lokale Angebote für die lokale Bevölkerung zu bewerben. «Die müssen Übernachtungszahlen generieren», so Schmid. «Interessant für uns sind kleine, lokale Partner wie die in Bern, die nun eigene Angebote mit den Freizeit-Cargo-Bikes weiterführen.» Das Zentrale an «bleib hier» sei die Nähe der Nutzerinnen und Nutzer und des Angebots. So sei auch die direkte Zusammenarbeit mit Städten besonders attraktiv, sagt Schmid. «Erstens wollen die Städte attraktiv für ihre Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch für Gäste sein und bleiben, zweitens sind solche Angebote im Interesse der Städte aufgrund gesteckter Klimaziele.» Ein Punkt, dessen Ausstrahlung in den kommenden Jahren nur zunehmen kann.
«regioS 17» (Dezember 2019) berichtete über den Masterplan «Verzasca 2030», der in einem partizipativen Prozess entwickelt wurde.
Erste Projekte sind realisiert
Seit 2019 läuft im Tessiner Verzascatal die Umsetzung von Projekten im Rahmen des Masterplans «Verzasca 2030». Neben dem Minibus-Projekt ist auch jenes des «Albergo diffuso» realisiert worden. Der dezentral organisierte Gasthof in Corippo öffnete im Mai 2022 seine Tore. Er umfasst eine zentrale Réception und 25 Betten, die auf fünf restaurierte historische Häuser im Dorfkern verteilt sind. Das ebenfalls realisierte Projekt «Vera Verzasca» fördert den Vertrieb lokaler Nahrungsmittel und handwerklicher Produkte. Kurz bevor steht der Start zum Bau des Alpin-Campingplatzes in Brione: Er soll sechzig Stellplätze aufweisen und über eine Wellness-Zone sowie Lodges für anspruchsvollere Kundinnen und Kunden verfügen. Für das grösste Projekt, das multifunktionale Sportzentrum in Sonogno, laufen die Arbeiten am Businessplan; die Bauarbeiten sollen 2024 starten.
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