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Martigny: Einzigartiger Themenpark Barryland eröffnet 

Am Donnerstag, 14. August 2025, wurde das neue Barryland in Martigny in Anwesenheit von Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter eingeweiht. Der Themenpark stellt die faszinierende Welt der Bernhardinerhunde in den Mittelpunkt und schafft damit auf 22’000m² eine sehenswerte touristische Innovation – gefördert von der Neuen Regionalpolitik.

An der Einweihung zeigte sich Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit ihrem Patenhund «Zeus» und erklärte: «Der Name Barry steht noch heute für Mut und heldenhafte Taten. Mit ihm würdigt Barryland eine ganze Schweizer Tradition.» Mut brauchte auch die Fondation Barry, um ihr altes Museum mit einem völlig neuen Themenpark zu ersetzen. Denn das Budget belief sich auf 24 Millionen Schweizer Franken. 

Die Finanzierung wurde durch das wirkungsvolle Engagement zahlreicher Unternehmen, Stiftungen, öffentlicher Institutionen sowie Eigenmittel sichergestellt. Hinzu kam eine gezielte Fundraising-Kampagne. Die Neue Regionalpolitik unterstützte bereits 2017 die Machbarkeitsstudie für den neuen Themenpark und trug später mit einem zinslosen Darlehen wesentlich zur Realisierung bei. Auch Innotour leistete einen Beitrag, mit dem Ziel, das Wallis als Tourismusregion noch stärker zu vermarkten und die Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern. 

Bernhardinerhunde als Attraktion

Über 30 Bernhardinerhunde leben heute im Themenpark. Fünf symbolische Erlebniswelten präsentieren je einen typischen Wesenszug des Bernhardiners: der Retter, der Freund, der Star, der Geniesser und der Spieler. Herzstück der Anlage ist das Hauptgebäude in Form einer Hundepfote. Es wurde durch ein lokales Architekturbüro realisiert; beim Bau waren zu 70 Prozent Unternehmen aus der Region beteiligt. 

Touristische Innovation und neue Arbeitsplätze

Dem Barryland ist zu wünschen, dass sich das regionale Engagement und der Mut zur Innovation auszahlt. Bis jetzt zeigt sich Jean-Maurice Tornay, Präsident der Fondation Barry zufrieden: «Der Schlüssel war ein wettbewerbsfähiges touristisches Angebot mit einem einmaligen lebendigen Museum, 14 neu geschaffenen Arbeitsplätzen und einem vergrösserten Restaurant.» 

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Podcast: «Cradle-Alp» – Schritte hin zu einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft

Der Begriff «Cradle to Cradle» wird häufig im Zusammenhang mit Kreislaufwirtschaft gebraucht. Er bedeutet sinngemäss «vom Ursprung zum Ursprung» und steht für eine konsequente Kreislaufwirtschaft. Diese setzt darauf, Ressourcen effizienter zu nutzen, Abfall zu minimieren und Produkte so zu gestalten, dass sie möglichst lange in Umlauf bleiben. Basierend auf diesem Konzept fokussiert das Interreg-Projekt «Cradle-Alp» auf die Kreislaufwirtschaft in der Alpenregion. Ziel des im Kanton Freiburg lancierten internationalen Projekts ist, diese in Unternehmen zu implementieren. Wie das geschehen soll und wie dabei Hochschule, Kanton und Unternehmen eng zusammenarbeiten, davon berichten unsere Podcast-Gäste Véronique Gruber, Andreas Fischer und Michael Keller.

«Unternehmen produzieren Abfall, den sie entsorgen. Doch es stellt sich die Frage: Könnte man daraus etwas Nützliches machen und ihn sogar verkaufen?»

Abfallprodukte bergen ökonomisches Potenzial

Warum Kreislaufwirtschaft (KLW) bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist, erklärt der Leiter des Interreg-Projekts «Cradle-Alp» Michael Keller von der Hochschule für Architektur und Technik in Freiburg einleuchtend: «Es fehlt oft an Information und Verständnis für alternative Nutzungsmöglichkeiten von Abfallprodukten. Das muss sich ändern». Aus diesem Grund konzentriert sich das international vernetzte Projekt «Cradle-Alp» (siehe Kasteninformation) auf praxisorientierte Lösungen. Das Projekt ist bei der Hochschule für Architektur und Technik Freiburg i.Ü. angesiedelt. Es richtet sich mit diesen Vorhaben gezielt an Unternehmen im Kanton Freiburg. Unterstützt von der Neuen Regionalpolitik (NRP) und in Zusammenarbeit mit ausgewählten Unternehmen werden die vorhandenen Instrumente und Möglichkeiten für eine erfolgreiche Implementierung von KLW analysiert. Dabei wird auch untersucht, ob und wie sich diese Lösungen ökologisch und ökonomisch lohnen würden.

Alternative Materialien gesucht – und gefunden

Ein zentrales Instrument in diesem Prozess ist der sogenannte Value Chain Generator (VCG), der in einem früheren Projekt von der Hochschule für Technik und Architektur entwickelt wurde und heute vom Start-up VCG.AI in Stuttgart betrieben und weiterentwickelt wird. Andreas Fischer ist Professor an der Hochschule, an dessen Forschungsinstitut iCoSys, dem Institut für künstliche Intelligenz und komplexe Systeme. Er war massgeblich an der Entwicklung dieses Tools beteiligt. Andreas Fischer erklärt im Podcast, welche Überlegungen hinter dieser umfangreichen Datenbank stecken und wie Künstliche Intelligenz (KI) die Umsetzung von KLW unterstützen kann. Denn Unternehmen benötigen einerseits Lösungen, um Abfallprodukte sogar gewinnbringend in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen, anstatt sie kostenpflichtig entsorgen zu müssen. Andererseits müssten Unternehmen auf alternative umweltfreundliche Materialien zugreifen können, ohne grossen Aufwand betreiben zu müssen. Doch wie kommen die beiden Seiten zueinander? Hier kommt nun der erwähnte Value Chain Generator zum Zuge, der diese Daten bündelt und zur Verfügung stellt. Im neuen Projekt «Cradle-Alp» kommt er nun auch wieder zum Einsatz.

Die regionale Wirtschaft stärken und fördern

Für die Projektleiterin Regionalpolitik und Interreg-Verantwortliche Véronique Gruber gibt es mehrere Gründe, weshalb der Kanton Freiburg dieses Projekt aktiv unterstützt. Sie hebt hervor, dass das internationale Projekt die regionale Wirtschaft stärken kann. Gleichzeitig fügt es sich hervorragend in die Roadmap des Kantons zur Kreislaufwirtschaft ein. Sie ist überzeugt, dass das Projekt Innovation in lokalen Unternehmen fördert. Sie betont, dass sich Forschung und Praxis wertvoll unterstützen können. In zehn Jahren, so die Hoffnung, soll Kreislaufwirtschaft überall eine spürbare Wirkung entfalten und in den Geschäftsmodellen etabliert sein.

Marke graubünden

Die Marke graubünden wurde im Jahr 2003 lanciert. Damals wurde eine branchenübergreifende Regionenmarke zur nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsstandorts Graubünden von der Regierung gefordert.

Die Marke graubünden hat zum Ziel, die Kernwerte der Region – wahr, wohltuend und weitsichtig – bei den Bewohnenden, Unternehmen wie auch bei den Gästen zu vermitteln und zu stärken. Die Marke soll dazu beitragen, Graubünden als attraktiven Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum zu positionieren.  Das NRP-Projekt «graubünden nachhaltig» ist eines von vielen Arbeitsinstrumenten der Marke graubünden, um dieses Ziel zu erreichen.

Weitere Informationen

Haben Sie Ideen, die Ihre Region weiterbringen könnte: Finden Sie Ihre NRP-Fachstelle

Mehr laufende und bereits abgeschlossene NRP-Projekte.

Robotik für KMU – mit NRP-Unterstützung zukunftsfähig bleiben

Robotik für KMU in der Region Oberrhein nutzbar machen – das ist das Ziel des europäischen Förderprogramms Robot Hub Transfer. Das Hightech Zentrum Aargau ist Projektpartner und vermittelt Wissen, vernetzt und berät lokale Firmen rund um die Robotik. Die Neue Regionalpolitik (NRP) beteiligt sich finanziell am Aufbau eines Robotik-Netzwerks in der Region Oberrhein. Erfahren Sie im Video, wie Hygentile die robotergestützte Automatisierung des Dosen-Handlings in der Brauerei Mischmasch testet:

Der steigende Fachkräftemangel und wachsender Wettbewerbsdruck fordern die Unternehmen auch in der Region Oberrhein heraus: Unternehmen müssen sich an neue Lösungen trauen, um für die Zukunft sicher aufgestellt zu sein. Hier setzt das europäische Interreg-Projekt Robot Hub Transfer an.

Mehr Robotik-Kompetenz für Unternehmen in der Region Oberrhein

Das High Tech Zentrum Aargau (HTZ) ist ein Projektpartner des Robot Hub Transfers und vermittelt Wissen, vernetzt und berät lokale Firmen rund um die Robotik. So unterstützt es KMU dabei, Roboter effizient und wirtschaftlich einzusetzen. Christoph Brunschwiler – Innovations- und Technologieexperte am HTZ – erklärt: «Wir stellen das Unternehmen ins Zentrum und sorgen dafür, dass es Zugang zu den passenden Technologien, dem nötigen Know-how und den geeigneten Fördermitteln erhält». Denn besonders KMU fehlt oft das nötige Fachwissen, um Robotersysteme sinnvoll und kosteneffizient zu prüfen und implementieren.

Mit Ist-Analysen sowie Prüfung der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit schafft das Projekt Robot Hub Transfer eine fundierte Entscheidungsgrundlage. KMU können damit einschätzen, ob es sich lohnt in die Robotik-Technologie zu investieren. Damit kann das unternehmerische Risiko minimiert werden.

Robotik in der Praxis: Zusammenarbeit mit dem lokalen KMU Hygentile

Ein erfolgreiches Beispiel, das vom Robotik-Netzwerk am Oberrhein profitiert, ist Hygentile, ein regionales KMU, das sich auf das Abfüllen und Verschliessen von Dosen spezialisiert hat. Bei kleinen Produzenten erfolgt das Füllen und das Verschliessen von Getränkedosen in einzelnen Schritten. Die von Hygentile entwickelte Lösung kombiniert diese einzelnen Schritte zu einem und dies in einer Schutzgas-Umgebung. Dadurch kommt das Getränk während des ganzen Abfüllungs- und Verschliessprozesses zu keinem Zeitpunkt mit Luft in Kontakt, wodurch das Aroma des Getränks besser erhalten bleibt und sich die Haltbarkeit verlängert. «Die Prozessinnovation war bei Hygentile bereits da, was gefehlt hat, war die Automatisierung des Dosen- und Deckel-Handlings», sagt Christoph Brunschwiler. Vermittelt durch das HTZ kam die Zusammenarbeit mit der FHNW zustande. Das Institut für Automation der FHNW klärte die Frage, mit welcher Lösung sich das Dosen- und Deckelhandling beim Abfüllen und Verschliessen automatisieren lässt. Anschliessend entwickelte das Institut in Zusammenarbeit mit Hygentile einen funktionsfähigen Prototyp.

Von einer solchen Innovation profitiert nicht nur die Kleinbrauerei Mischmasch, wo dieser Automatisierungsschritt getestet wurde, sondern die ganze Region Oberrhein, wie Andreas Kunzmann von Hygentile betont: «Es wird in der Region entwickelt, produziert und verkauft. Servicedienstleistungen werden erbracht und Unternehmen aufgebaut, die Arbeitsplätze schaffen».

NRP-Fördermittel als entscheidender Faktor

Dank den NRP-Fördermitteln konnte das KMU Hygentile aus der Region Oberrhein prüfen, wie ihr Abfüll- und Verschliessprozess verbessert werden konnte. Damit es dazu kommen konnte, war der Wissensaustausch mit der FHNW und die Vermittlung der involvierten Parteien durch das HTZ entscheidend.

Europäische Zusammenarbeit in der Robotik

Robot Hub Transfer ist ein Projekt, das vom europäischen Förderprogramm Interreg Oberrhein gefördert wird. Robot Hub Transfer unterstützt KMU in der Region Oberrhein bei der Einführung von Robotik. Das grenzüberschreitende Projekt bringt Partner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zusammen. Ziel ist es, durch die Vernetzung von Forschungseinrichtungen und KMU den Technologietransfer im Bereich Robotik zu erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit der Region Oberrhein zu stärken.  Um in einem Umfeld, in dem es an qualifizierten Arbeitskräften mangelt, wettbewerbsfähig zu bleiben, haben KMU am Oberrhein ein grosses Interesse daran, ihre Prozesse mithilfe von Robotern zu automatisieren. Häufig fehlt ihnen jedoch das entsprechende Fachwissen. Hier setzen die Projektpartner des Robot Hub Transfer an. Ziel ist es, bis Herbst 2026 etwa 100 KMU in der grenzüberschreitenden Region Oberrhein (D, F, CH) zu unterstützen.

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Regionale Strategien für resiliente und inklusive Räume

Für eine kohärente Raumentwicklung arbeiten lokale Akteure über Gemeindegrenzen hinweg zusammen. Indem sie Attraktivität, öffentliche Dienstleistungen und Nachhaltigkeit miteinander verbinden, fördern sie mit regionalen Strategien widerstandsfähigere und inklusivere Räume.

Öffentliche Dienstleistungen und Raumplanung: Kritische Grössen in funktionalen Räumen finden

In seinem jüngsten Bericht von 2024 stellt der Rat für Raumordnung (ROR) fest, dass periphere Gebiete im Vergleich zu Zentren durch das Fehlen einer kritischen Masse an Bevölkerung und Institutionen gekennzeichnet sind. Dies schwächt das Potenzial der für eine nachhaltige Entwicklung erforderlichen dynamischen Zusammenarbeit. Während grosse Agglomerationen auf ihre kritische Masse zurückgreifen können, um finanzielle und personelle Ressourcen (qualifizierte und ausreichend verfügbare Fachkräfte) zu mobilisieren, sind ländliche Räume und Bergregionen mit einem Ressourcenmangel konfrontiert.

Früher prägte die Wirtschaft den Raum – heute prägt der Raum die Wirtschaft

Das Raumplanungsgesetz (RPG) schreibt eine regionale Zusammenarbeit bei der Bewirtschaftung der Bauzonen vor. Dies wirkt sich wirtschaftlich aus, insbesondere auf ländliche Gebiete und Bergregionen. Diese Regionen, die historisch durch Zersiedlung geprägt waren, müssen nun auf verdichtende Entwicklungen setzen, um neue Einwohnerinnen und Einwohner anzuziehen. Viele Regionen setzen auf Lebensqualität als Standortfaktor – anstelle von Flächenexpansion. Pendelbewegungen und Home Office bieten hier Chancen. Neue Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten auch vor Ort – z. B. in der Industrie – und stellen somit ein Fachkräftepotenzial dar. Um Talente anzuziehen, ist Lebensqualität zu einem entscheidenden Argument geworden.
Um Einwohner zu gewinnen und mobilen Konsumentinnen und Konsumenten Dienstleistungen bereitzustellen, braucht es eine strategische, sektorenübergreifende Vision auf regionaler Ebene. Diese Visionen müssen auch landwirtschaftliche Fragestellungen einbeziehen, denn wo der territoriale Mehrwert zur Wettbewerbsfähigkeit beiträgt, kann ein starkes Alleinstellungsmerkmal (USP) entstehen. Das wiederum erfordert eine koordinierte Zusammenarbeit.

Die Region als Koordinationsebene

Über wirtschaftliche Fragen hinaus – auch wenn sie durch Lebensqualität mitbedingt sein können – sind auch Themen wie Biodiversität, Landschaftspflege, Kulturerbe und Kultur zunehmend regionalisiert worden.
Diese Regionalisierung berührt verschiedenste Themen, folgt unterschiedlichen räumlichen Abgrenzungen und wird in unterschiedlichen Governance-Formen umgesetzt. Damit trägt sie zur Überwindung des kommunalen Denkrahmens bei. Die Einführung einer zusätzlichen Bezugsebene zur Gemeindeebene und der Alltag im Spannungsfeld dazwischen gelingen nicht ohne Schwierigkeiten: Diese Entwicklungen verlangen von allen Beteiligten ein Umdenken, ein Verlassen gewohnter Denkmuster – und letztlich möglicherweise auch eine Neuausrichtung ihrer Identität. Es geht auch darum, Synergien zwischen urban geprägten Zentrumsgemeinden und ländlich geprägten Randgemeinden zu entwickeln. Regionen sind heute allgegenwärtig – auch wenn sie institutionell noch nicht überall fest verankert sind.

Regionale Strategien: Erarbeiten und Umsetzen

Gemeinden und Regionen entwickeln verschiedenste sektorale Strategien (z. B. in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Umwelt), die teils auch in umfassende strategische Visionen eingebettet sind – etwa in die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030. Dies wirft Fragen nach der Umsetzung und der Koordination dieser unterschiedlichen Ansätze auf.

Das Programm Agglomerationsverkehr hat wesentlich zur interkommunalen und sektorübergreifenden Zusammenarbeit (insbesondere im Bereich Verkehr und Siedlungsentwicklung) in städtischen Räumen beigetragen. Der Bund hat hier eine Anreizfunktion übernommen und so Kooperationen auf funktionaler Ebene gefördert. Auch wenn diese formell auf Mobilität und Raumplanung fokussieren, reichen ihre Wirkungen mittlerweile weit über diese Themen hinaus und sind in der Praxis verankert.

Über die Neue Regionalpolitik (NRP) können Regionen Unterstützung für die Entwicklung wirtschaftsorientierter Strategien erhalten. Im Sinne einer kohärenten Raumentwicklung wurden durch Begleitmassnahmen des Bundes einzelne strategisch ausgerichtete Projekte gefördert, die über rein wirtschaftliche Fragestellungen hinausgehen (siehe Beispiele in den Infoboxen).

Im Rahmen des Aktionsplans zur Umsetzung der Agglomerationspolitik sowie der Politik für ländliche Räume und Berggebiete 2024–2031 soll das Programm «Entwicklungsprozess ländlicher Raum (ELR)» des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) weiterentwickelt werden, um noch umfassender zu werden – auch unter Mitwirkung des SECO. Dabei geht es etwa um die Integration urbaner Herausforderungen in ländlichen Zentren sowie die Entwicklung von Synergien zwischen diesen Zentren und den umliegenden ländlichen Räumen.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Unterstützung der Regionen bei der Mittelbeschaffung (z. B. über kantonale oder nationale sektorale Politiken) zur Umsetzung von Projekten, die im Rahmen von Strategien erarbeitet wurden, sowie auf der besseren Koordination zwischen diesen Strategien.

Erkenntnisse aus dem Themenbereich «Integrale Entwicklungsstrategien fördern» der Modellvorhaben für eine nachhaltige Raumentwicklung

Zwischen 2020 und 2024 wurden fünf Modellvorhaben entwickelt, die auf integrierte Entwicklungsstrategien abzielten. Sie verknüpften einen intersektoralen Ansatz mit einer Koordination zwischen institutionellen Ebenen und förderten so den politischen Diskurs und einen Paradigmenwechsel.

An die lokalen Gegebenheiten angepasst, legten einige Projekte den Fokus auf institutionelle Aspekte, andere auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Vorhaben zeigten, dass die kantonale Governance eine zentrale Rolle in diesen strategischen Prozessen einnehmen muss. Gleichzeitig wurde der Mehrwert von Synergien zwischen Institutionen und lokalen Akteuren deutlich – zur Stärkung der Regionen und zur Strukturierung eines wirkungsvollen Dialogs.

Projekt RURALPLAN (ESPON-Programm, gezielte Analyse)

Das 2024 durchgeführte Projekt RURALPLAN untersuchte Entwicklungsstrategien für ländliche Gebiete ohne Bevölkerungswachstum. In Albula wurden partizipative Workshops organisiert, in denen fünf Prototypen zur Verbesserung von Wohnen, Beschäftigung und Dienstleistungen entwickelt wurden. Co-Design-Workshops wurden abgehalten, um Lösungen zu erarbeiten. Zwei weitere Regionen, in Schweden und Norwegen, verfolgten denselben Ansatz.

Die Ergebnisse des Projekts wurden in die regionale Entwicklungsstrategie von Albula integriert. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen auch in nationale Initiativen zur ländlichen Entwicklung ein.

Ideen entwickelt – für eine attraktive Bergregion Albula

Viele ländliche Regionen suchen nach Wegen, wie sie ihre Zukunft gestalten können. Es geht oft um Themen wie Abwanderung, Arbeitsmöglichkeiten, Gesundheits- und Güterversorgung. Wie sollen diese Bereiche nachhaltig und zukunftsgerichtet angegangen werden? Die Region Albula mit rund 8000 Einwohnerinnen und Einwohnern hat diese Fragen in drei Workshops öffentlich diskutiert. Der Geschäftsführer und Regionalentwickler Mirko Pianta erzählt, wie er dieses partizipative Vorgehen erlebt hat und was daraus entsteht.

«Die an den Diskussionen beteiligten brachten ein breites Spektrum von Meinungen und Ideen ein.»

Geschäftsführer und Regionalentwickler Mirko Pianta

regiosuisse: Die Regionalentwicklung ist ihr Fachgebiet. Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich in der Region Albula konfrontiert?

Mirko Pianta: Das Gebiet liegt im Zentrum Graubündes, unweit der Hauptstadt Chur und der grossen touristischen Destinationen Oberengadin und Davos. Schon das alleine – und dass deshalb rund zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr die Region durchqueren – ist eine Herausforderung. Es wäre wünschenswert, wenn wir einen Bruchteil davon in der Region behalten und wirtschaftlich davon profitieren könnten. Innovation ist deshalb auch hier gefragt. Was an der Region Albula besonders interessant ist, ist die Vielfalt der Kulturen, da hier drei Subregionen mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Traditionen zusammenkommen. Es handelt sich dabei um die Subregionen Surses, in der man hauptsächlich rätoromanisch spricht sowie die Regionen Albulatal und Lenzerheide mit Deutsch und Rätoromanisch. Aufgrund der teils grossen Distanzen sind sie mehrheitlich wirtschaftlich autonom. Trotzdem einen gemeinsamen Nenner zu finden, der den regionalen Interessen gerecht wird und die individuellen Bedürfnisse und Autonomie fördert, ist ein spannender Prozess.

In Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) haben Sie kürzlich im Rahmen eines europäischen Projekts zu einem zweiteiligen partizipativen Workshop eingeladen. Es ging um Ideen, wie die Standortqualität in der Region noch verbessert werden kann. Zwanzig Personen diskutierten dazu. Was waren die «brennendsten Themen»?  

Das bewegendste Thema war der fehlende Wohnraum, der mitunter auch ein Grund ist, dass die Bevölkerungszahlen rückläufig sind. Das zweite war die Gesundheitsversorgung und die damit verbundene Befürchtung, dass beispielsweise Physiotherapeuten, Psychologinnen oder andere Spezialisten in wirtschaftsstärkere Regionen wegziehen.

Welche Anliegen waren für Sie neu?

Ein Bedürfnis, das mir vorher nicht bekannt war, ist der Wunsch nach einer zentralen Informationsplattform. Die Idee ist, dass alle Veranstaltungen der Region, Angebote und Kurse aller Art oder touristische Angebote vereint zu finden sind. Eine solche Plattform wäre sowohl ein Gewinn für Einheimische als auch für Gäste. Ausserdem kam der Wunsch nach kreativen Begegnungsorten auf oder die Idee, einen Markt für den Verkauf regionaler Produkte zu veranstalten.

Was war Ihres Erachtens der grösste Gewinn dieses partizipativen Vorgehens?

Die Beteiligung der Menschen an diesen Diskussionen und die Ideen, die zusammengetragen wurden. Denn sie brachten ein breites Spektrum an Meinungen ein. Besonders daran war, dass wir zusätzlich zu den Einheimischen auch Zweitheimische und Personen, die in die Region pendeln, eingeladen haben, um mitzudiskutieren. Sie brachten eine gewisse Aussensicht ein und wir konnten auch auf ihre Anliegen eingehen.

Was hingegen konnte mit diesem Vorgehen nicht erreicht werden?

Gewisse Anliegen sind sehr komplex, es geht da auch um Rechtliches und um Politik. Gerade im Bereich Wohnungssituation:  Wir haben dazu Ideen ausgetauscht, z.B. über die Möglichkeit, Wohnbaugenossenschaften zu gründen. Doch gewisse gesetzliche Grundlagen schränken unseren Handlungsspielraum ein. Es gibt beispielsweise die gesetzliche Vorgabe, dass eine Gemeinde bei einer kontinuierlichen Abwanderung Bauparzellen reduzieren muss. Wie kann so neuer Wohnraum in einer Abwanderungsregion entstehen?

Gibt es Ideen oder Vorschläge aus den Diskussionsrunden, die trotzdem und schon jetzt umgesetzt werden können?

Ja, wir arbeiten bereits dran. Im Herbst 2025 werden wir beispielsweise die erste Berufsschau veranstalten, um die Arbeitgeberattraktivität zu fördern. Diese zeigt angehenden Lehrlingen auf, welche Ausbildungen sie in der Region machen können. So erreichen wir, dass Junge in der Region bleiben oder gar Jugendliche von Zweitwohnungsbesitzern sich entscheiden, hier eine Lehre zu machen. Mit einer Impulsveranstaltung für Arbeitgeber wollen wir aufzeigen, wie Jobs in hiesigen Betrieben attraktiv gestaltet und anpriesen werden können.

Welche Ideen könnten dazu führen, die Lebensqualität und die Versorgung in Ihrer Region langfristig weiter zu verbessern?

Unbestritten das Thema Wohnraum für Einheimische. Dieses hat einen grossen Einfluss darauf, ob eine Region attraktiv bleibt und so der Abwanderung entgegengewirkt werden kann. Unsere Jugend soll Möglichkeiten haben, hier zu arbeiten und wirtschaftlich tätig zu sein. Gleichzeitig müssen auch wirtschaftlich relevante Infrastrukturen geschaffen werden, etwa mit der Zonenplanung und der Netzwerkinfrastruktur.

Was möchten Sie als Regionalentwickler in 10 Jahren in der Region Albula erreicht haben?

Unsere Vision haben wir für eine längere Periode entwickelt. 2050 möchten wir ein Bevölkerungswachstum von 10 Prozent erreicht haben. Es soll dann auch 10 Prozent mehr Arbeitsplätze geben. Darauf arbeiten wir hin. Mit den in den Workshop diskutierten Themen und der angestrebten Umsetzung sind wir sicher auf einem guten Weg. Dafür setze ich mich gerne weiterhin ein.

Besten Dank für das Gespräch.

Die Workshops in der Region Albula wurde im Rahmen des ESPON-Projekts RURALPLAN durchgeführt – ein Projekt, das für ländliche Regionen ohne demografisches Wachstum Strategien für deren Entwicklung erforscht. Das Projekt in der Region Albula wurde via das EU-Programm ESPON (European observation network for territorial development and cohesion) mit Geldern der Neuen Regionalpolitik (NRP) mitfinanziert.

KI für KMU – mit NRP-Unterstützung in die digitale Zukunft

Künstliche Intelligenz (KI) für kleinere und mittlere Unternehmen in der Zentralschweiz nutzbar machen – das ist das Ziel des Vereins Local AI Community, kurz LAC genannt. Durch Beratung, Networking und praxisnahe Workshops erhalten Firmen das nötige Wissen, um KI gezielt und gewinnbringend einzusetzen. Ermöglicht wurde dieses Angebot durch die finanzielle Unterstützung der Neuen Regionalpolitik (NRP), die in die Infrastruktur und den Aufbau eines Artificial Intelligence (AI) Hub investiert wurde. Erfahren Sie mehr darüber, wie das funktioniert – unser Video gibt Einblicke.

Hinweis: Zum Zeitpunkt der Aufnahmen lautete der Vereinsname noch LAC2, weshalb im Video der ursprüngliche Name verwendet wird.

Mehr KI-Kompetenz für Unternehmen in der Zentralschweiz

Der gemeinnützige Verein LAC setzt sich dafür ein, dass Unternehmen und Institutionen in der Zentralschweiz KI nicht nur besser verstehen, sondern sie auch erfolgreich anwenden können. Denn oft fehlt es KMU an den richtigen Voraussetzungen, um das Potenzial von KI voll auszuschöpfen. Genau hier setzt der Verein an, mit gezieltem Wissenstransfer, einem starken Netzwerk, mit seinen Veranstaltungen und dem Zugang zu KI-Tools. Innovation soll zur Realität werden. Damit die Wettbewerbsfähigkeit der Region nachhaltig gestärkt und langfristig eine regionale KI-Community aufgebaut wird.

Der AI Hub in Luzern bietet nicht nur eine physische Anlaufstelle, sondern hält für KMU im Wirtschaftsraum Luzern mehrere Dienstleistungen und Angebote rund um KI bereit. Unter anderem:

  • Individuelle Beratungen und Coachings: Unternehmen lernen, welche KI-Anwendungen für sie sinnvoll sind.
  • Praxisnahe Workshops: Mitarbeitende werden geschult und können erste Anwendungen testen.
  • Zugang zu vortrainierten KI-Modellen
  • «AI Sandbox»: Eine digitale Testumgebung für eigene Proof of Concepts.
  • Austauschplattform: Vernetzung von Expertinnen und Experten, Unternehmen und Nachwuchstalenten.

Jamie Shelley, AI Hub Manager bei LAC, sagt über das Angebot: «Wir setzen auf konkrete Anwendungen. Lokale Unternehmen können direkt von unserem Know-how und Netzwerk profitieren. Wir wollen Synergien schaffen und die Innovation hier in der Region fördern.»

NRP-Unterstützung als entscheidender Erfolgsfaktor

Möglich wurde der Aufbau von LAC durch Fördermittel der Neuen Regionalpolitik (NRP). «Dank der NRP sind wir vom Reden ins Machen gekommen», sagt Dr. Patricia Feubli, Vereinspräsidentin von LAC. Die Fördermittel waren zentral, um die nötige Infrastruktur zu schaffen, den AI Hub mit seinem Team aufzubauen und Veranstaltungen zur Vernetzung und Weiterbildung zu organisieren.

Nicole Bachmann von der NRP-Fachstelle bestätigt: «Das Projekt ist für den Kanton wichtig, weil es KMU in der Zentralschweiz den Zugang zu innovativen Technologien erleichtert und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Region stärkt.»

KI in der Praxis: Zusammenarbeit mit dem lokalen KMU Schaltraum AG

Ein erfolgreiches Beispiel für die Arbeit von LAC ist das Zentralschweizer Unternehmen Schaltraum, das auf Gebäudeautomation spezialisiert ist. Seit Dezember 2024 arbeitet Schaltraum mit LAC zusammen, um das Potenzial von KI in seine betrieblichen Prozesse zu integrieren. «Die Vernetzung von Unternehmen, Wissenschaft und Expertise, die LAC bietet, hat uns überzeugt», sagt Jean-Christophe Martin, Geschäftsleiter der Schaltraum AG. «Gemeinsam bauen wir Wissen auf und machen unser Unternehmen fit für die Zukunft.» Im Rahmen der Zusammenarbeit sind weitere Coachings und Workshops geplant, die sich etwa mit dem Thema «KI im Office» befassen. «Ich freue mich weiterhin auf diesen wertvollen Austausch und die Entwicklung neuer Lösungen», so Jean-Christophe Martin.

Mit LAC haben Unternehmen in der Zentralschweiz eine kompetente Anlaufstelle, um die Möglichkeiten von KI zu entdecken und mit professioneller Begleitung erste Schritte in die digitale Zukunft zu wagen.

Foto: LAC

Weinwandern im Zürcher Weinland – Genuss, Wissen und digitale Innovation

Die Weinwanderwege im Zürcher Weinland haben sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt – auch dank der Neuen Regionalpolitik. Neue Routen, kulinarische Erlebnisse und digitale Highlights machen sie zu einem einzigartigen Ausflugsziel für Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber sowie für Naturbegeisterte. Erfahren Sie, wie Tradition und Moderne hier perfekt verschmelzen!

Die acht Weinwanderwege des Zürcher Weinlands haben in den letzten vier Jahren eine beeindruckende Transformation durchlaufen. Im Jahr 2011 angelegt und ausgeschildert, boten sie von Anfang an nicht nur wunderschöne Routen durch die Reblandschaft, sondern auch interessante Einblicke in die Arbeit der Winzerinnen und Winzer. Doch Wind, Wetter und landwirtschaftliche Maschinen setzten den Tafeln und Wegweisern im Laufe der Zeit zu. Es war Zeit für eine Erneuerung – die zu einem Erfolg für alle Beteiligten und die Region Zürcher Weinland wurde.

Ein Neubeginn für die Weinwanderwege

Nach einer ausführlichen Begehung aller acht Routen entschied ProWeinland – auch dank den neuen Möglichkeiten ausgelöst durch die Neue Regionalpolitik (NRP) – das bestehende Konzept völlig zu überdenken. Ziel war ein noch attraktiveres Angebot, das sowohl den Wandernden als auch den regionalen Betrieben zugutekommt. Ein zentraler Schritt dabei: die direkte Einbindung von 16 Weinbaubetrieben entlang der Wege. Gemeinsam mit den Weinbaubetrieben und mit Unterstützung der Zürcher Wanderwege wurden die neuen Streckenverläufe so gestaltet, dass Wandernde an den Weingütern vorbeikommen, ohne Umwege gehen zu müssen. So ergibt sich eine perfekte Verbindung aus Natur, Genuss und direktem Kontakt zu den Produzierenden. Auch wurde die Beschilderung entlang der Route verbessert und basiert auf den Vorgaben der Zürcher Wanderwege.

Foto: ProWeinland

Genussvolle Erlebnisse entlang der Route

Ein weiteres Highlight der Erneuerung sind die vier kulinarischen Begleitangebote, die vor allem kleineren Gruppen die Möglichkeit bieten, den lokalen Wein in geselliger Atmosphäre zu degustieren. Dabei wurde eng mit fast dreissig lokalen Betrieben wie Restaurants, Bäckereien, Metzgereien und Käsereien zusammengearbeitet, um regionale Spezialitäten in das Wandererlebnis zu integrieren.

  • Wine, Dine & Hike: Auf zwei Routen – vom Rheinfall nach Rudolfingen und durch das Stammertal – geniessen Wandernde in drei Restaurants feine Speisen und dazu jeweils zwei Gläser Wein vom lokalen Weinbaubetrieb.
  • Schiterberg & Flaachtal: Hier erwartet die Gäste ein Wine-Bag mit Käse, Fleisch, Brot und einem Weinglas, mit dem sie an verschiedenen Stationen Weine probieren können. Am Schiterberg wird der Wein in den traditionellen «Räbhüsli» degustiert, während im Flaachtal eine Flasche im Wine-Bag integriert ist.
Foto: ProWeinland

Wirkung: Rekordzahlen und digitale Innovationen

Die Winzerinnen und Winzer profitieren von einer gesteigerten Wertschöpfung und erhöhten Sichtbarkeit, während die Wandernden ein einzigartiges Erlebnis geniessen.
Dass die Neuerungen wirken, zeigt der Blick auf die Besucherzahlen: Während 2023 noch 340 Gäste gezählt wurden, verdoppelte sich die Zahl 2024 beinahe! Dieser Erfolg motiviert, das Projekt weiter voranzutreiben.

Ab Frühjahr 2025 wird der Weinwanderweg im Stammertal durch eine digitale Innovation ergänzt: die App «mapstogo». Über QR-Codes an acht ausgewählten Punkten entlang der Route erhalten Wandernde vielseitige Informationen zum Rebbau, zu regionalen Besonderheiten und zu typischen Herausforderungen wie Rebkrankheiten oder Schädlingen. Diese niedrigschwellige Wissensvermittlung macht den Weinwanderweg nicht nur informativer, sondern auch interaktiver. Langfristig sollen alle Weinwanderwege mit «mapstogo» ausgestattet werden – und auch andere regionale Akteurinnen und Akteure, wie Ortsmuseen, können von dieser Plattform profitieren.

Foto: ProWeinland

Tradition trifft Innovation

Die Digitalisierung wertet das Erlebnis der Weinwanderwege weiter auf und macht den Weinbau im Zürcher Weinland noch greifbarer. Es ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie traditionelle Kulturlandschaften durch moderne Technologien neue Impulse erhalten können. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Winzerinnen und Winzern, Gastronomiebetrieben sowie Tourismusakteurinnen und Tourismusakteuren bleibt das Angebot dynamisch und wird kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Weinwanderwege sind längst mehr als ein Spaziergang durch die Reben – sie sind eine Einladung zum Entdecken, Geniessen und Verstehen. Wer den Zürcher Wein in all seinen Facetten erleben möchte, findet hier eine perfekte Verbindung aus Natur, Kulinarik und digitaler Innovation.

Obwohl der Kanton Zürich ein wirtschaftsstarker Standort ist, erfüllen zwei Regionen die Voraussetzungen zur Berechtigung von Fördergeldern: das Zürcher Berggebiet und das Zürcher Weinland. Die Umsetzung der NRP im Kanton wird dabei vom Verein «Standortförderung Zürioberland» und dem Verein «ProWeinland» gewährleistet. Sie unterstützen zum einen externe Projektträgerschaften, können zum anderen aber auch eigene Projekte initiieren, welche den Schlüsselkriterien der NRP entsprechen und einen Mehrwert für die Region bieten.

Tourismusdestinationen: SECO und Kantone unterstützen bei der Neuausrichtung von Angeboten

Für viele Tourismusdestinationen ist das Wintergeschäft überlebenswichtig. Aufgrund des Klimawandels ist jedoch selbst mit technischer Beschneiung vielerorts mit kürzeren Wintersaisons zu rechnen. Eine Reihe von aktuellen Projekten, unterstützt vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) im Rahmen der Förderinstrumente Neue Regionalpolitik (NRP), Interreg und Innotour, begleiten Destinationen bei der Anpassung an den Klimawandel.

Ein weisses Band umgeben von grün-braunen Wiesen. An diesen Anblick mussten sich viele Skigebiete in den letzten Jahren gewöhnen.Die Anzahl Schneetage hat sich seit 1970 unterhalb von 800 m halbiert und auf 2000 m um 20 % reduziert. Das ist die ernüchternde Bilanz der bisherigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Schneebedeckung in der Schweiz. Gemäss den Klimaszenarien von MeteoSchweiz wird diese Entwicklung auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitergehen. Insbesondere für Skigebiete unterhalb von rund 1500 m (Seilbahnen Schweiz, 2024) dürfte es zunehmend schwierig werden, einen rentablen Skibetrieb aufrecht zu erhalten. Dies nicht nur aufgrund der steigenden Schneefallgrenze, sondern auch aufgrund der Abnahme der Anzahl Tage, die kalt genug für die technische Beschneiung sind. So hat sich beispielsweise in Engelberg auf 1037 m die Anzahl Eistage, an denen die Maximaltemperatur unter 0° C liegt, seit 1970 fast halbiert – von ca. 40 Tagen auf knapp über 20 Tage (MeteoSchweiz, 2024). Zu den klimatischen Veränderungen hinzu kommt auch die zunehmende internationale Konkurrenz sowie die demografische Entwicklung. Insgesamt hat dies zu einer schweizweiten Abnahme der Eintritte in Skigebiete (Skier-days) von über 30 % seit Anfang der 1990er Jahre geführt (Seilbahnen Schweiz, 2024c).Die im Folgenden vorgestellten Projekte zeigen Prozesse und Lösungsansätze auf, wie Tourismusdestinationen mit Schneemangel umgehen können und welche Chancen und Risiken es dabei gibt.

Innotour-Projekt «Kompass Schnee»: Schneesicherheit im sich erwärmenden Klima

Seilbahnen Schweiz hat zusammen mit dem Verein Schweizer Tourismusmanagerinnen und Tourismusmanager und Schweiz Tourismus das Projekt «Kompass Schnee» lanciert. Das Projekt wird gefördert durch Innotour und hat zum Ziel, Tourismusdestinationen im Umgang mit den sich verändernden Schneebedingungen zu unterstützen. Basierend auf aktuellen Klimadaten und -projektionen und in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und dem Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF), entwickelt das Projekt ein Werkzeug für Wintersportregionen der Schweiz, um ihre aktuelle und zukünftige Schneesicherheit einzuschätzen und Massnahmen abzuleiten. Dazu gehören Optimierungen des Wintersportangebots beispielsweise durch technische Beschneiung und Veränderung der Saisondauer aber auch vermehrtes Setzen auf schneeunabhängige Angebote wie Kultur und Gastronomie. Ein Factsheet zu den Klimaszenarien für den Winter 2050 ist bereits verfügbar (Seilbahnen Schweiz, 2024). Das Projekt Kompass Schnee läuft von 2024–2026 und im Sommer 2025 sind weitere öffentliche Resultate zu erwarten (Seilbahnen Schweiz, 2024b).

Interreg-Projekt «Beyond Snow»: Weg vom reinen Wintertourismus

Viele Wintersportgebiete, die unterhalb von ca. 1500 m liegen, werden sich strategisch neu orientieren müssen, um unabhängiger vom klassischen Wintersportgeschäft zu werden. Das Interreg-Projekt «BeyondSnow» (2022–2025), finanziert im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP), unterstützt neun Wintertourismusdestinationen in sechs Alpenländern, die stark vom Schneemangel betroffen sind, bei diesem Wandel. Aus der Schweiz ist Sattel-Hochstuckli im Kanton Schwyz als Pilotdestination mit dabei. Dort mussten 2023 aufgrund der schwierigen finanziellen Situation zwei von drei Schleppliften geschlossen werden. «Das ist natürlich eine sehr emotionale Geschichte» sagt Peter Niederer, Vizedirektor bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), welche das Projekt mitinitiiert hat. «Sattel-Hochstuckli ist eines der ältesten Skigebiete in den Voralpen und das Skifahren fester Teil der Tradition.» Lokale Akteure der Destinationen werden bei «BeyondSnow» konsequent eingebunden. So wurden in Sattel-Hochstuckli mit der lokalen Bevölkerung 22 Massnahmen erarbeitet, welche die Destination zukunftsfähig machen sollen. Im Fokus stehen dabei der Ganzjahrestourismus, Investitionen in Events und Kooperationen, sowie die Reduktion von Fixkosten. Gleichzeitig soll die Skiinfrastruktur trotzdem flexibel einsetzbar sein, wenn es die Schneebedingungen erlauben. Die teilnehmenden Skigebiete profitieren auch von einem Erfahrungsaustausch untereinander. So überlegt man in Sattel-Hochstuckli, einen Ultra Trail Event auf die Beine zu stellen, inspiriert von Métabrief (FR), einer anderen Destination, die bei «BeyondSnow» mit dabei ist. In Zukunft soll zudem ein öffentlich zugängliches, digitales Entscheidungswerkzeug entwickelt werden, welches auch anderen Tourismusdestinationen helfen soll, sich durch Neuausrichtung und Diversifikation proaktiv der veränderten Schneesituation anzupassen (SAB, 2024).

Eine Serie schneearmer Winter machte eine Neuorientierung unumgänglich, Destination Sattel-Hochstuckli im Februar 2023 (Foto Thomas Egger, SAB)

Interreg-Projekt: «TransStat»: Nachhaltiger Skitourismus für die Alpen von Morgen

Ein ähnliches Ziel wie «Beyond Snow» verfolgt das Interreg-Projekt «TransStat» (2022–2025), das mit neun alpinen Skidestinationen in fünf Ländern zusammenarbeitet. Mit diesen Destinationen wird ein Vorgehen erprobt, um gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren wünschenswerte Zukunftsszenarien für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen (Ski-)Tourismus zu entwickeln. Diese sollen als Grundlage für den Übergangsprozess der Skidestinationen dienen. Zu diesem Zweck entwickelt TranStat ein physisches und digitales Netzwerk von Orten im Wandel, um Wissen und Erfahrungen über die Zukunft auszutauschen. Ein weiteres Ziel ist es, politische Empfehlungen sowohl für den gesamten Alpenraum als auch für regionale Kontexte zu entwerfen.

Innotour-Projekt «Klimafitte Destinationen»: Ein ganzheitlicher Ansatz ist gefragt

Destinationen im Berggebiet sind von vielen weiteren Veränderungen durch den Klimawandel betroffen. Das Projekt «Klimafitte Destinationen» (2024–2026), unter der Trägerschaft von Graubünden Ferien und gefördert von Innotour, setzt daher auf eine ganzheitliche Betrachtung. «Wir möchten, dass unsere Destinationen die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel proaktiv angehen und sich so zukunftsfähig aufstellen», sagt Martina Hollenstein Stadler, Leiterin Nachhaltigkeit Graubünden Ferien. «Dabei geht es nicht nur um das allgegenwärtige Thema Schnee, sondern auch um weitere Chancen und Risiken, die der Klimawandel mit sich bringt». So werden die Sommer in den Städten und Agglomerationen des Mittellandes zunehmend heisser, weshalb Bergdestinationen vermehrt Gäste erwarten dürften, die Erholung von der Hitze suchen (Serquet & Rebetez, 2011).  Jedoch ist durch intensiver werdende Starkniederschlagsereignisse auch vermehrt mit Überschwemmung und Murgängen zu rechnen. Das Projekt soll helfen, sicherzustellen, dass die teilnehmenden Destinationen ihr touristisches Geschäftsmodell so weiterentwickeln, dass es langfristig tragbar ist. » Für die drei teilnehmenden Pilotdestinationen im Kanton Graubünden (Lenzerheide, Engadin Samnaun Val Müstair und vorderes Prättigau) wurde analysiert, wie sie vom Klimawandel betroffen sind und welche prioritären Chancen und Risiken sich bieten. Gemäss Hollenstein hat das Projektteam mit den Destinationen eine «Roadmap Klimafitness» erarbeitet und wird die erste Umsetzungsphase begleiten. Martina Hollenstein betont: «Klimafit werden ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Daher sehen wir unsere Rolle darin, einen Prozess anzustossen der weit über das Ende der Innotour-Förderung hinaus geht.» Zentral für den längerfristigen Erfolg einer Destination dürfte auch sein, wie gut sie die sich bietenden Chancen nutzen kann.

Workshopteilnehmende in der Destination Engadin Samnaun Val Müstair identifizieren Angebote und Infrastrukturen, welche vom Klimawandel betroffen sind (Foto: Raphael Portmann)

Neue Regionalpolitik (NRP) unterstützt Projekte zur touristischen Neuausrichtung

Der Wandel kann auch eine Chance sein: Die Neue Regionalpolitik (NRP), welche von Bund und Kantonen gemeinsam finanziert wird, bietet Destinationen und Betrieben eine Vielzahl von Möglichkeiten, diese Chancen zu nutzen. Gefördert werden beispielsweise Machbarkeitsstudien für Projekte zur touristischen Neuausrichtung, wie für die Fideriser Heuberge im Prättigau. Auch die strategische Neuausrichtung von Bergbahnen, etwa der Wiriehornbahnen AG, kann durch die NRP unterstützt werden. Darüber hinaus stellt die NRP Mittel für die Planung konkreter Massnahmen zum Ausbau des Sommertourismus bereit, wie das Mountainbikeangebot der Destination Engelberg-Titlis, oder für ganzheitliche Tourismusstrategien, etwa in Kandersteg.

Der Klimawandel stellt den Tourismus in der Schweiz vor grosse Herausforderungen. Durch die beschriebenen Projekte, von welchen einige auch im neusten Insight, dem Innotour-Magazin, vorgestellt werden, unterstützt das SECO den Tourismussektor dabei, diese zu meistern. Neben der Projektförderung hat auch die Tourismuspolitik des SECO das Ziel, die Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, beispielsweise durch Wissensaufbau und -transfer im Rahmen des «Tourismus Forum Schweiz».

Innotour fördert die Innovation, Zusammenarbeit und den Wissensaufbau im Schweizer Tourismus. Innotour konzentriert die Förderung auf nationaler Ebene. Dies bedeutet, dass die Mehrheit der Mittel für Vorhaben mit nationaler Ausrichtung und für nationale Koordinationsaufgaben eingesetzt wird. Mit dem Instrument der Modellvorhaben werden jedoch auch regionale und lokale Vorhaben gefördert.

Interreg bietet die Möglichkeit für konkrete Projekte zur Weiterentwicklung der Regionen über Landesgrenzen hinweg. Die EU, die Nachbarländer, die Kantone, der Bund und Private finanzieren die Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen. Die Schweizer Teilnahme wird im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) finanziert. Die Bundesmittel stammen aus dem Fonds für Regionalentwicklung und sind für Projekte einzusetzen, die zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Regionen beitragen. Die Kantone können ihre Äquivalenzmittel hingegen auch in Projekte investieren, die nicht direkt der Erhöhung der Wertschöpfung oder der Entwicklung der regionalen Wirtschaft dienen.

Mit der Neuen Regionalpolitik (NRP) unterstützen Bund und Kantone das Berggebiet, den weiteren ländlichen Raum und die Grenzregionen in ihrer regionalwirtschaftlichen Entwicklung. Die NRP ist 2024 in ihre dritte achtjährige Mehrjahresperiode (2024–2031) gestartet. Die bisherigen thematischen Förderschwerpunkte «Industrie» und «Tourismus» werden weitergeführt. Neu können Kleininfrastrukturen unter bestimmten Voraussetzungen mit A-fonds-perdu-Beiträgen unterstützt werden. Als Querschnittsthemen erhalten neben der «lokalen Wirtschaft», welche die Exportorientierung der NRP ergänzt, die nachhaltige Entwicklung und die Digitalisierung besonderes Gewicht.

Links und Quellen

MeteoSchweiz, 2024. Klimaindikatoren.

NCCS, National Centre for Climate Services, 2024. CH2018 – Klimaszenarien für die Schweiz.

Schweiz Tourismus, 2024, Winter und Klimawandel.

Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), 2024. Projekt Beyond Snow.

Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, 2024, Innotour – Geförderte Projekte.

Graubünden Ferien, 2024.  Projekt Klimafitte Destinationen, letzter Zugriff: 15.12.2024.

SRF News, Schweizer Radio und Fernsehen, 2024. Tourismus im Misox: Auf die Flut folgen die Annullationen, letzter Zugriff: 10.01.2025.

Seilbahnen Schweiz, 2024. Factsheet Klimaszenarien Winter 2050 für die Schweiz, letzter Zugriff: 10.01.2025.

Seilbahnen Schweiz, 2024b, Fragen und Antworten zum Wintertourismus im Klimawandel, letzter Zugriff: 10.01.2025.

Seilbahnen Schweiz, 2024c. Saisonbilanz 2023/24. Frequentierung der Skigebiete, letzter Zugriff 21.01.2025

Interreg Alpine Space, 2024. TransStat – Transitions to Sustainable Ski Tourism in the Alps of Tomorrow, letzter Zugriff: 21.01.2025.

Kämpf, Richard, 2024. Proaktiver Umgang mit dem Klimawandel. EventEmotion, letzter Zugriff 21.01.2025.

Wissenschaftliche Literatur

Serquet, G., Rebetez, M. Relationship between tourism demand in the Swiss Alps and hot summer air temperatures associated with climate change. Climatic Change 108, 291–300 (2011). https://doi.org/10.1007/s10584-010-0012-6

Podcast: «Ticino a Te» – regionale Wertschöpfung für heute und morgen

Ende 2024 wurde das Tessin für seine starke regionale Wertschöpfungskette mit dem «Cercle régional» geehrt. Zur Auszeichnung verhalf ihm die erfolgreiche Verankerung von Regionalprodukten in der lokalen Gastronomie und Hotellerie, namentlich mit den Projekten «Ticino a Te» und «Ticino a Tavola». Sibilla Quadri, Geschäftsleiterin des Tessiner Zentrums für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen, stellt die Projekte im Podcast «Region am Mikrofon» vor. Sie spricht darüber, wieso es so wichtig ist, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, und wie Projekte von bereits bestehenden Ressourcen und Erfahrungen profitieren können.

«Wir sind das Bindeglied in der Wertschöpfungskette für Tessiner Lebensmittel.»

Alle Akteurinnen und Akteure an einem Tisch

Seit 2016 setzt sich «Ticino a Te» («das Tessin für dich») für die sektorenübergreifende Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren aus Tessiner Landwirtschaft, Lebensmittelverwertung, Gastronomie und Hotellerie ein. Die Projektverantwortliche Sibilla Quadri betont, wie wertvoll diese Vernetzung für alle Beteiligten ist: «Wir schaffen Sichtbarkeit für lokale Produzentinnen und Produzenten, dank der sie eine breitere Kundschaft ansprechen können. Konsumentinnen und Konsumenten können über unser Netzwerk herausfinden, welche Produkte von wem in ihrer Region produziert werden.»

Im Rahmen von «Ticino a Te» laufen verschiedene Initiativen, darunter auch «Ticino a Tavola» («das Tessin bei Tisch»), eine Initiative von GastroTicino und dem Tessiner Bauernverband. Dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit 103 Tessiner Gastronomiebetrieben. Die beteiligten Betriebe verpflichten sich, dass auf ihrer Speisekarte immer mindestens ein Menü mit drei Gängen oder vier einzelne Gerichte zu 60 Prozent aus Tessiner Produkten bestehen und dass Tessiner Weine mindestens 40 Prozent ihrer Weinkarte ausmachen. Im Rahmen von «Ticino a Tavola» werden jährlich 400’000 Gerichte aufgetischt. Das generiert 3,5 Millionen Franken, von denen ein Grossteil zurück an die Tessiner Landwirtschaft und Lebensmittelverwertung fliesst.

«Wer die Herkunft eines Produkts kennt, weiss es besser zu schätzen.»

Mehr als nur eine Frage des Preises

Auf die Frage, ob regionale Produkte preislich mit industriellen Produkten mithalten können, antwortet Quadri: «Wenn ein industrielles Produkt unter denselben Bedingungen produziert wurde, wie ein lokales, dann sind die Preise oft vergleichbar – ich denke da zum Beispiel an die tierfreundliche Haltung von Hühnern oder die Bezahlung der Arbeitenden. Aber sehr oft werden Produkte gegenübergestellt, die unter ganz anderen Bedingungen produziert wurden. Ich finde nicht, dass sie sich so vergleichen lassen.»

Um auf diese Unterschiede in der Produktion hinzuweisen, ist eine wichtige Aufgabe von «Ticino a Te» die Aufklärung: In Zusammenarbeit mit 90 Schulmensen setzt sich «Ticino a Te» dafür ein, dass bei Schülerinnen und Schülern Regionales auf dem Teller landet. «Es ist wichtig, dass Kinder den Wert von regionalen Produkten zu schätzen lernen, schliesslich sind sie die Kundschaft von morgen», so Quadri. Auch Stadtbewohnerinnen und -bewohner werden im Rahmen des Projekts über die Herkunft ihrer Lebensmittel aufgeklärt. «Wer die Herkunft eines Produkts kennt, weiss es besser zu schätzen», meint Quadri.

Langfristig Wirkung erzielen

Dass der Tessiner Beitrag zur regionalen Wertschöpfungskette gleich mehrfach ausgezeichnet wurde, ist kein Zufall: Die Jury für den «Cercle régional» lobte insbesondere das Herzblut, das in «Ticino a Te» steckt und zeigte sich beeindruckt davon, wie viel das Projekt auch mit limitierten finanziellen Mitteln bewirken konnte. Neben kantonalen Geldern erhielt «Ticino a Te» zu Beginn auch NRP-Fördermittel des Bundes. Ab dem fünften Jahr wurde das Tessiner Zentrum für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen nur noch vom Kanton Tessin finanziert.

Stefano Rizzi, Direktor der Abteilung Wirtschaft des Kantons Tessin erklärt: «Wir haben das Tessiner Zentrum für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen als Pilotprojekt mit der regionalen Wirtschaftspolitik unterstützt. Ziel war die Vernetzung aller Akteurinnen und Akteure in der Region, um die Entwicklung innovativer Projekte zu fördern, die den Reichtum der Tessiner Agrar- und Ernährungswirtschaft aufwerten können. Angesichts der positiven Auswirkungen – auch auf die Wettbewerbsfähigkeit des Primärsektors – beschloss der Kanton, die Initiative gemäss dem kantonalen Landwirtschaftsgesetz mit einem wiederkehrenden Beitrag zu unterstützen.»

Quadri betont, wie wichtig die Unterstützung zu Beginn war: «Dank den Geldern der NRP und des Kantons konnte das Projekt überhaupt auf die Beine gestellt werden. Uns ist es wichtig, dass unsere Arbeit dem Tessin langfristig weiterhilft – dafür braucht es viel Arbeit und nicht zuletzt finanzielle Ressourcen».

Das Tessiner Zentrum für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen (CCAT) verwaltet, betreut und entwickelt Projekte im Agrar- und Ernährungssektor. Es verfügt über ein starkes Netzwerk von Kontakten und schafft Synergien zwischen Projekten. Durch die Erfahrungen, die im Rahmen der Entwicklung von «Ticino a Te» und die Zusammenarbeit mit dem Gastronomiesektor gewonnen wurden, ist es ein starker Partner für weitere Projekte der Regionalen Entwicklung, insbesondere PRE.

Fotos: Tessiner Zentrum für Agrar- und Lebensmittelkompetenzen (CCAT) 

Ein Macherort für die Bodensee-Region

In Arbon entstand der Macherort «ZIKpunkt». Ein Ort, an dem Unternehmen, Organisationen und weitere engagierte Akteurinnen und Akteure der Region zusammenkommen, um gemeinsam Projekte zu verwirklichen. Der Verein ZIKpunkt wichtiger Impulsgeber, besonders für die regionale Wirtschaft. Im Video erläutert Gilbert Piaser, Geschäftsleiter der Region Oberthurgau, die Vision und Bedeutung des ZIKpunkts und wie die Förderung durch die Neue Regionalpolitik (NRP) bei der Umsetzung des Projekts geholfen hat.

«Dank der NRP geht es in unserer Region vorwärts»

In seiner Tätigkeit als Geschäftsleiter der Region Oberthurgau vermisste Gilbert Piaser etwas, das das Engagement für die Region spür- und sichtbar machte: «Als Räumlichkeiten im ZIK-Areal, dem ehemaligen Saurer-Werk, frei wurden, war das unsere Chance und wir starteten das Projekt Initiative ZIKpunkt.» Bereits beim Aufbau des Projekts setzten die Initianten auf NRP-Fördermittel.

Die Region Oberthurgau hat schon diverse Projekte mithilfe von NRP-Fördermitteln umgesetzt. «Dank der NRP geht es in unserer Region vorwärts», so Gilbert Piaser über die wertvolle Unterstützung. Bei der Initiative ZIKpunkt wurden die NRP-Gelder hauptsächlich während der Konzeptions- und Aufbauphase eingesetzt und ermöglichten damit wichtige Grundlagenarbeit.

Im Innovations-Hub vorwärts machen

Inzwischen wird der ZIKpunkt von einem eigens dafür gegründeten Verein geführt, inklusive Initianten und weiteren neuen Vorstandsmitgliedern. Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern verfolgen sie ambitionierte Ziele für die Region:

  • die Wirtschaftskraft stärken
  • die Abwanderung von hochqualifizierten Fachkräften minimieren
  • qualifizierte Fachkräfte gewinnen und ausbilden

Der ZIKpunkt dient dabei als Innovations-Hub. Der Verein lanciert gemeinsam mit Unternehmen, Gemeinden, Organisationen und Institutionen aus der Region innovative Projekte. Der Fokus liegt dabei bewusst auf der Umsetzung. «Wir sind da, wenn jemand etwas Konkretes umsetzen will», betont Gilbert Piaser, «der ZIKpunkt ist ein Macherort und keine Denkfabrik.»

Kompetenzen bündeln und Teilzeitstellen schaffen

Zu Beginn der Aktivitäten im ZIKpunkt wurden verschiedene Formate angeboten, um Erfahrungen zu sammeln und wichtige Erkenntnisse zu erhalten. Das war Gilbert Piaser wichtig: «Das erste Betriebsjahr lief unter dem Motto Trial-and-Error. Dank dieser Einstellung wissen wir nun, was im ZIKpunkt funktioniert und was nicht.»

Daraus entstanden im Jahr 2024 konkrete Mandate. So unterstützt der ZIKpunkt etwa den Verein «PhytoValley Switzerland» aus dem Bereich der Naturmedizin mit einer professionellen Geschäftsstelle und Begleitung. Das Wachstum der Aufgabenbereiche machte es zudem möglich, zwei neue Teilzeitstellen für Administration und Geschäftsleitung zu schaffen. Der ZIKpunkt ist also bereit, weitere innovative Projekte zu starten und die regionale Wirtschaftskraft nachhaltig auszubauen.

Titelfoto: ZIKpunkt