Podcast wird geladen...

Der Einstiegskurs – für alle, die mit der Neuen Regionalpolitik in Berührung kommen

Der Einstiegskurs in die Neue Regionalpolitik ist bereits ein Klassiker – und meistens schnell ausgebucht. Wem nützt der Kurs und was sagen die Teilnehmenden dazu? Wir haben uns am eintägigen Kurs in Altdorf im Kanton Uri umgehört. 

Die Neue Regionalpolitik (NRP) ist ein ausgezeichnetes Mittel des Bundes, um Innovation, lokale Wertschöpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern. Aber sie ist komplex: Die Umsetzung erfolgt in 26 Kantonen mit je eigenen Programmen und Rahmenbedingungen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an lokalen, regionalen und sogar internationalen Akteuren. 

Der Einstiegskurs verschafft hier den Durchblick. Das bestätigt auch Teilnehmer Rolf Infanger vom Urner Gemeindeverband: «Ich kam mit der Erwartung, dass mir die Grundprinzipien der Neuen Regionalpolitik aufgezeigt werden und wie ich als Regionalmanager meine Klientinnen und Klienten am besten unterstützen kann. Diese Erwartungen wurden erfüllt!»

Marcel Zumkemi vom Regions- und Wirtschaftszentrum Oberwallis (RWO) empfiehlt den Einstiegskurs sogar allen, die mit der Neuen Regionalpolitik in Berührung kommen: «Es werden wertvolle Hintergründe vermittelt. Auch wenn man bereits einige NRP-Projekte bearbeitet hat, ist der Kurs nützlich.»

Ideen für die Organisation und für die Beratung

Die Komplexität der NRP erlebt Nadia Scherer von der Destination Einsiedeln-Ybrig-Zürichsee beinahe täglich: «In unserem Tourismusgebiet haben wir häufig mit mehr als einem Kanton zu tun, was unsere Arbeit anspruchsvoll macht. Ich war erleichtert, als ich am Einstiegskurs erfahren habe, dass nicht bloss ich diese Situation anspruchsvoll finde, sondern dass es am System liegt. Ich nehme aus dem Einstiegskurs neue Ideen mit, wie wir diesem System besser entsprechen können.»

Die Inhalte des Einstiegskurses sind praxisnah. Das sieht auch Jasmin Schlaepfer von VISIT Glarnerland so: «Ich fand die Mischung aus Praxisbeispielen und Theorie sehr gut. Und ich fühle mich gut begleitet, weil ich jetzt weiss, wo ich zusätzliches Know-how abholen kann. Als Verantwortliche der Destinationsentwicklung begleiten wir Projekte von der Basis. Ich habe dank des Einstiegskurses mehr Sicherheit in der Beratung gewonnen und kann die Initiantinnen und Initianten von Projekten jetzt noch besser unterstützen.» 

Horizonterweiterung dank Präsenzveranstaltung

Nachdem der Einstiegskurs mehrmals online durchgeführt wurde, fand er dieses Mal vor Ort im Innovationsbiotop Uri in Altdorf statt und vermittelte eine ganz besondere Tiefe: Die Teilnehmenden erlebten die Präsentation des Praxisbeispiels San Gottardo mit Blick auf die frisch verschneiten Berge des Urnerlandes. Und David Kramer vom SECO (Co-Leiter des Ressorts Regional- und Raumordnungspolitik) stand auch während der Pausen für spontane Gespräche zur Verfügung. Für Marcel Zumkemi hat sich die Anreise aus dem Oberwallis gelohnt: «Neben allen Inhalten und spannenden Links, die wir am Einstiegskurs erhalten haben, fand ich den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der Regionalentwicklung ausserordentlich wertvoll.»

Weitere Informationen zum Einstiegskurs

Die Einstiegskurse werden in der Agenda von regiosuisse ausgeschrieben.

Nächste Durchführungen: 

  • Donnerstag, 05.03.2026 in Willisau (DE), AUSGEBUCHT Ausschreibung
  • Donnerstag, 16.09.2026 in Diemtigen (Wiriehorn) (DE), Ausschreibung folgt
  • Donnerstag, 26.11.2026 in Lausanne (FR) Ausschreibung

Abonnieren Sie unseren Newsletter und folgen Sie uns auf LinkedIn, um die Ankündigung zu erhalten.  

Nützliche Links aus dem Einstiegskurs

Zukunft braucht Herkunft – Wie Alpahirt mithilfe regionaler Innovationsförderung eine Tradition weiterentwickelt

Manchmal beginnt Zukunft mit einem Blick zurück. Als Adrian Hirt 2014 das Label Alpahirt gründete, kehrte er bewusst in seine Heimat Graubünden zurück. Er wollte Fleischprodukte so produzieren, dass Herkunft und Handwerk nachvollziehbar bleiben und das Tierwohl im Zentrum steht. Ein Anspruch, der eng mit seiner Familiengeschichte verbunden ist: Sein Urgrossvater, der «Urneni» war Bauer. Er verstand sein Handwerk als Verantwortung gegenüber Tier, Produkt und Region. Diese Philosophie wollte Adrian Hirt ins heute und morgen übersetzen.

Alpahirt arbeitet mit rund 80 Bergbäuerinnen und Bergbauern aus der Region zusammen und verarbeitet jährlich etwa 140 Kühe aus artgerechter Haltung zu Naturfleisch. Die Tiere wurden ausschliesslich mit hofeigenem Futter ernährt, zumeist Gras und Heu. Dabei setzt das Unternehmen auf kurze Wege, direkte Zusammenarbeit mit regionalen Partnern und den konsequenten Verzicht auf Pökelsalze, Zucker oder weitere künstliche Zusatzstoffe. Stattdessen wird das Fleisch mit Rotwein, Natursalz und Gewürzen verarbeitet: es soll als Lebensmittel nachvollziehbar bleiben, sowohl in seiner Herkunft als auch in seiner Verarbeitung.Die regionale Wertschöpfung ist Grundlage von Alpahirts Geschäftsmodells.

Vom Wunsch nach Weiterentwicklung zur begleiteten Innovation

Nach mehreren Jahren Aufbauarbeit stellte sich für Adrian Hirt die Frage, wie sich ein funktionierendes, wertebasiertes Unternehmen weiterentwickeln lässt. Konkret ging es dabei um neue Produkte: Grill- und Brühwürste aus 100 Prozent Rindfleisch, ohne Pökelsalz und Zusatzstoffe. Handwerklich war vieles bereits vorhanden. Was fehlte, war ein strukturierter Innovationsprozess – von der Rezeptur über die Sensorik, also die systematische Beurteilung von Geschmack, Geruch, Textur und Aussehen eines Produkts, bis zur Einordnung im Sortiment.

An diesem Punkt kam das Innovationscoaching des Innovationsnetzwerks Ostschweiz (INOS) ins Spiel. Dieses wird im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) über ihr Instrument der Regionalen Innovationssysteme (RIS) finanziert. Die RIS sind funktionale, meist interkantonale Wirtschaftsräume, die Unternehmen darin unterstützen, mit Innovationen ihre Geschäftstätigkeit weiterzuentwickeln. Über INOS wurde Adrian Hirt mit Patrick Zbinden, einem Lebensmittelsensoriker und Food Designer, vernetzt. Als Coach begleitet er Unternehmen dabei, Innovationsvorhaben systematisch anzugehen – geschmacklich, technologisch und kulturell. Der gemeinsame Prozess begann mit einem Innovationsworkshop. Dabei wurden mithilfe künstlicher Intelligenz und menschlicher Erfahrung erste Rezepturen entwickelt. Konkret halfen Large Language Models wie ChatGPT, Perplexity oder Mistral bei der Rezepterstellung, der sensorischen Analyse sowie später auch bei Verpackung und Namensgebung.

Die Ergebnisse des Workshops bildeten die Grundlage für die sensorische Feinjustierung der Rezepturen. Die ersten Prototypen wurden dann bewusst von vielen Personen beurteilt, um ein breites sensorisches Bild zu erhalten. Dieser iterative Prozess wurde zu einem zentralen Element der erfolgreichen Produktentwicklung. Was INOS-Coach Patrick Zbinden bei der Begleitung von Coachees in Innovationsprozessen besonders motiviert: «Wenn Unternehmen den Mut finden, ihre kulinarischen Ideen zu schärfen, statt lediglich Trends zu kopieren.»

Umsetzung entlang der Wertschöpfungskette

Im nächsten Schritt ging es um die Umsetzung. Für diese arbeitete Alpahirt eng mit Samuel Helbling, Metzgermeister und Geschäftsführer des Fleischzentrums Davos in Klosters, zusammen. «Für uns Metzger ist es eine ständige Herausforderung uns immer wieder neu zu erfinden und weiterzuentwickeln: sprich mit immer gleichbleibenden Rohstoffen von den Tieren auf wechselnde Kundenbedürfnisse und Trends einzugehen», so Helbling.
Durch die von der NRP mitfinanzierten Coachings von INOS konnten schliesslich die beiden Würste «Alpenblüte» und «Felsenkraft» auf den Markt gebracht werden. Sie unterscheiden sich deutlich im Geschmacksprofil – die erste eher sanft und floral, die zweite kräftig im Geschmack – folgen aber derselben Grundhaltung: regionale Herkunft des Fleisches, handwerkliche Verarbeitung, keine Zusatzstoffe. Am 1. August 2025 wurden diese beiden Produkte lanciert und werden mittlerweile schweizweit vertrieben.

Regionale Innovationssysteme (RIS) als Enabler

Aus Sicht von Marc Plancherel, Verantwortlicher für Regionale Innovationssysteme (RIS) und Leiter Innovation beim SECO / NPR, zeigt das Projekt exemplarisch, wie Innovationsförderung im ländlichen Raum wirken kann: «Regionale Innovationssysteme wie INOS stärken die Innovationsdynamik in den Regionen, fördern das Unternehmertum und erhöhen die regionale Wertschöpfung. Deshalb sind sie ein wichtiges Instrument der Neuen Regionalpolitik», erklärt er. Diese beziehen sich auf funktionale, meist interkantonale Wirtschaftsräume, in denen die für den Innovationsprozess notwendigen Akteure wie Unternehmen, Universitäten und der öffentliche Sektor miteinander vernetzt sind.
Bis 2029 will sich Alpahirt als führende Schweizer Referenz für Naturfleisch ohne Zusatzstoffe etablieren. Im Fokus stehen dabei regionale Wertschöpfung und qualitative Weiterentwicklung. Die Geschichte von Alpahirt zeigt, wie Herkunft zum Ausgangspunkt für Zukunft werden kann – wenn Betriebe bereit sind, sich weiterzuentwickeln. Und oft braucht es auch die passenden Förderinstrumente, die diesen Weg begleiten.

Mehr über die NRP und wie sie regionale Projekte unterstützt:

Die Schweizer Pärke: Katalysatoren einer nachhaltigen Regionalentwicklung

Die Schweizer Pärke sind Laboratorien der Raumentwicklung: Orte, an denen Natur, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam wachsen. Sie nutzen die natürlichen und landschaftlichen Schätze ihrer Regionen und verwandeln sie in ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Mehrwert. Das gelingt dank lokalem Know-how und einem ausserordentlichen Engagement der Regionen.

Geografische, wirtschaftliche und soziale Disparitäten haben den Bund zur Neuen Regionalpolitik (NRP) veranlasst. Diese stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von Berggebieten sowie ländlichen und peripheren Räumen und setzt auf eine endogene Entwicklung – also auf das, was die Regionen selbst mitbringen. Das Ziel: Arbeitsplätze schaffen, dezentrale Besiedlung sichern und die Lebensqualität langfristig erhalten.

Die Neue Regionalpolitik ist Teil einer übergeordneten kohärenten Raumentwicklung, die Politikfelder wie Raumplanung, Mobilität, Landwirtschaft, Energie und Tourismus zusammenführt. In diesem Gefüge sind die Regionalen Naturpärke wichtige Akteurinnen und Akteure, denn sie liegen in Gebieten mit hohem Natur- und Landschaftspotenzial und arbeiten nach einem ganzheitlichen Verständnis von Nachhaltigkeit. Pärke bauen auf ihren regionalen Stärken auf – Naturwerte, Landschaftsqualität und lokales Wissen. Sie fördern regionale Kreisläufe, stärken die regionale Wertschöpfung und unterstützen die Bevölkerung dabei, ihre Tätigkeiten nachhaltig weiterzuentwickeln.

Ein spürbares Engagement für eine nachhaltige regionale Wirtschaft

Dass die Pärke weit mehr sind als touristische Marken, ist jedoch weniger bekannt. Sie engagieren sich ebenso in Landwirtschaft, nachhaltiger Mobilität, Energie sowie beim lebendigen Kulturerbe. Viele Pärke helfen, regionale Wirtschaftszweige (Brot-, Fleisch-, Holz- oder Wollverarbeitung) aufzubauen – und setzen damit auf Kreislaufwirtschaft und lokale Wertschöpfung. Ein wichtiges Instrument ist dabei das Programm «Partnerunternehmen». Es unterstützt Betriebe, die dieselben Werte wie die Pärke leben: Nachhaltigkeit, regionale Verankerung, Qualität und Innovation. So entsteht Schritt für Schritt eine solidarische, vernetzte Wirtschaftsgemeinschaft.

Ausserdem können regionale Spezialitäten das Produktelabel der Schweizer Pärke erhalten. Dafür müssen sie im Parkgebiet hergestellt werden, Nachhaltigkeits- und Qualitätsanforderungen erfüllen und zu den Parkzielen beitragen. Im Gegenzug hilft der Park bei der Vermarktung. Mehr als 2500 zertifizierte Produkte aus 14 Pärken tragen heute zu einer vielfältigen regionalen Wirtschaft bei. Kurze Transportwege halten die Wertschöpfung in der Region und sichern Arbeitsplätze sowie gepflegte Kulturlandschaften.

Laboratorien der Regionalentwicklung

Regionale Entwicklung entsteht nicht von allein. Sie braucht eine regionale Organisation, dieFäden zusammenführt: Produzierende, Verarbeitende, Handel, Institutionen und Konsumierende. Diese Rolle übernehmen die Geschäftsstellen der Pärke: Sie vernetzen regionale Akteurinnen und Akteure, sorgen für abgestimmte Massnahmen und begleiten Projekte strategisch und finanziell. Oft erhalten in den Pärken angestossenen Projekte – eigene Vorhaben, Partnerschaften oder Marktstudien –Fördermittel der Neuen Regionalpolitik. Damit wirken die Pärke als Impulsgeber, die regionale Kräfte bündeln und Innovation ermöglichen.

Die Schweizer Pärke sind mehr als Schutzzonen oder Ausflugsziele: Sie sind Labore einer Raumentwicklung, in der Natur, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam vorankommen. Mit ihrem lokal verwurzelten Ansatz zeigen sie, wie nachhaltige Regionalentwicklung gelingen kann: kohärent, resilient und solidarisch. Als ergänzendes Instrument der Regionalpolitik stärken die Pärke bestehende Dynamiken und liefern Regionen zusätzliche Hebel, um Projekte aufzubauen, die ökologisch wie auch wirtschaftlich tragen.

Redaktionelle Kürzung des Kapitels: Schweizer Pärke: Katalysatoren einer nachhaltigen Regionalentwicklung im Weissbuch Schweizer Pärke (Autor: Marc Münster) 

Mehr Informationen

Auf kulinarischen Pfaden durch das Gotthardgebiet

Eine Wanderung, die alle Sinne anspricht und Bewegung in den Bergen mit regionaler Küche verbindet. Das Projekt Genusspfade San Gottardo vernetzt lokale Anbieter und Anbieterinnen entlang thematischer Wanderwege: Gäste probieren Spezialitäten direkt bei den Produzenten, hören ihre Geschichten und erleben so die Kultur des Gotthardraumes aus erster Hand. Möglich macht das ein Projekt, das Gastronomie, Tourismus und Landwirtschaft vor Ort zusammenbringt – unterstützt von der Neuen Regionalpolitik (NRP).

Von der Idee zur Wanderung

Die Idee entstand während der Corona-Pandemie. Als grosse Events, die er zuvor veranstaltete, wegfielen, suchte Projektträger Niklaus Niederhauser nach einer Alternative: Erlebnisse in kleinerem Rahmen, flexibel buchbar und dennoch nah an den Menschen. Über ein Inserat stiess er dabei auf das Programm San Gottardo, welches gemeinsam mit Bund und den Kantonen Uri, Graubünden und Tessin die Entwicklung rund um den Gotthard fördert. Es setzt dabei auf nachhaltige Wertschöpfung durch Tourismus, die Nutzung lokaler Ressourcen und innovative Kooperationen. Die Vision dahinter: den Gotthardraum zu einem attraktiven Lebens-, Arbeits- und Tourismusstandort machen, mit gesicherten und neuen Arbeitsplätzen sowie verbesserter Wettbewerbsfähigkeit. 

Wie Anja Beivi, Projektleiterin vom Programm San Gottardo, erklärt, wurde das Projekt der Genusspfade in ihrem Tourismusinkubator entwickelt. Dieser zeigt, wie innovative touristische Ideen aus dem Gotthardraum initiiert, getestet und umgesetzt werden können, um die Innovationskraft der Region gezielt zu fördern. Die Genusspfade San Gottardo wurden als eines der besten Projekte prämiert. Beivi unterstreicht auch, wie zentral die Förderung der lokalen Anbieter und Anbieterinnen für die Weiterentwicklung der Region ist.

So entstand das Konzept einer kulinarischen Wanderung mit mehreren Stationen: die Genusspfade San Gottardo. Mittlerweile existieren drei solcher Pfade in der Region: der Bündner Bierpfad, der Monsteiner Bierpfad sowie der Surselva Sagengenusspfad. Die meisten hiervon sind aktuell vor allem in den Sommermonaten sowie im Frühherbst aktiv und buchbar. Ein Pfad umfasst vier bis fünf Stationen mit einer Laufzeit von etwa zwei Stunden, die Zeit fürs Eintauchen in die Natur lässt. Die Gäste wandern von Hof zu Hof, von Restaurant zu Restaurant, degustieren etwa Bündner Bier oder Capuns und erfahren dabei, wer hinter den Produkten steht. Das Besondere an den Pfaden: Sie verbinden Bestehendes zu einem neuen Erlebnis. Die Tour lässt sich kurzfristig und digital buchen. Erlebbar sind die Pfadangebote auch klassisch auf Papier, um das Panorama vollends zu geniessen.

Für die Gastgeber, wie zum Beispiel die Geschäftsführerin des Hotel Surselva, Beatrice Hug, bedeutet dieses Konzept: kein Risiko, dafür direkter Nutzen. Zu Beginn war es oft ein Hindernis, so berichtet Niederhauser, dass Gastronomen befürchteten, vorab zahlen zu müssen – eine Sorge, die ihnen jedoch schnell genommen werden konnte. Wenn Gäste buchen, wird ein Umsatz generiert, wenn sie wiederum ausbleiben, machen sie keinen Verlust. Rund 80 bis 90 Prozent der Wertschöpfung verbleiben in der Region. «Die Gäste erleben echte Begegnungen – und die Betriebe gewinnen Umsatz und Sichtbarkeit», so Niederhauser. Das Projektteam testet die Routen selbst und sucht gezielt Betriebe, die mitmachen. Oft kommen Anbieter auch von sich aus auf das Team zu. Er koordiniert den Ablauf und begleitet die Umsetzung vor Ort. «Entscheidend ist das Vertrauen der Menschen in der Region. Nur so entsteht ein Netzwerk, das trägt», so Niederhauser.

NRP als Motor des Projekts

Die NRP war von Beginn an Türöffner und Motor des Projekts. Dessen Förderung ermöglichte unter anderem die Eröffnung der Pfade, die Weiterentwicklung der Website sowie die Erweiterung der Angebote in mehrere Sprachen. Aktuell sind die Angebote auf Deutsch und Italienisch buchbar – zu einem späteren Zeitpunkt soll auch Englisch und Rätoromanisch hinzukommen, das im Bündnerland einen besonderen symbolischen Charakter hat. «Die Mehrsprachigkeit im Gotthardraum ist Teil des Kulturerbes. Mit ihr öffnen wir die Pfade für ein breiteres Publikum», erklärt Niederhauser. Dabei schafft die NRP-Förderung Strukturen, sorgt für Planungssicherheit und verleiht dem Projekt Reichweite.

Die Genusspfade sind mehr als ein Ausflugsangebot. Sie stärken Gastronomie, Hotellerie und Landwirtschaft, bringen Gäste und Einheimische zusammen und machen regionale Kultur sichtbar. Mittlerweile ziehen sie auch immer mehr Besuchende aus dem Ausland an.

Der Blick in die Zukunft

Geplant ist, weitere Pfade zu eröffnen, etwa im Tessin und an Ortschaften, die sich abseits von Tourismus-Hotspots befinden und diese ganzjährig anzubieten – auch im Winter. Die Beteiligten sind sich einig: Die Genusspfade San Gottardo zeigen, wie Kulinarik und Tourismus gemeinsam eine Region lebendig machen und bereichern.

Mehr über die NRP und wie sie regionale Projekte unterstützt: 

Bildquelle: Surselva Tourismus/ Ida Sgier

Regio Retica: Der Alpenring, der die Schweiz und Italien verbindet

Von der Engadiner Bergwelt bis ins italienische Veltlin: Wer hier lebt, überquert die Staatsgrenze fast täglich, sei es auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Austausch von Dienstleistungen. Regio Retica kann man sich wie einen grossen Ring in den Alpen vorstellen, in dem alles zusammenhängt: Was auf der einen Seite geschieht, wirkt sich direkt auf die andere aus. Die Region umfasst mehr als 4000 km² und knapp 200 000 Einwohnerinnen und Einwohner – verteilt auf die schweizer und die italienische Seite. Mit Regio Retica entsteht ein Zukunftsmodell: eine Region, die über die Grenze hinweg gemeinsam denkt und handelt.

Viele pendeln, andere sind auf Gesundheits- und Pflegedienste jenseits der Grenze angewiesen, und auch im Tourismus gibt es unzählige Berührungspunkte zwischen der schweizer und der italienischen Seite. Maurizio Michael, seit über 20 Jahren in grenzübergreifenden Projekten aktiv, bringt es auf den Punkt: «Ohne die italienischen Arbeitskräfte, gerade im Pflegebereich, könnten gewisse Dienstleistungen in der Schweiz nicht aufrechterhalten werden.» Die Grenze ist zwar sichtbar – der permanente Austausch und die enge Zusammenarbeit aber längst Teil des Alltags. Regio Retica will diese Realität nun institutionalisieren.

Von Projekten zu Strukturen 

Bisher lebte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit stark von einzelnen Projekten – und von engagierten Personen. Mit Regio Retica soll daraus nun eine dauerhafte Struktur werden. Die Basis dafür sind das Programm Interreg Italia-Svizzera und die Neue Regionalpolitik (NRP). Interreg ist ein europäisches Förderinstrument für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Wie Maurizio Michael betont, hat die Schweiz hier eine besondere Rolle: Sie ist zwar nicht EU-Mitglied, beteiligt sich aber mit eigenen Mitteln am Programm.

Während Interreg den Rahmen für die grenzübergreifende Zusammenarbeit schafft, gibt die NRP den entscheidenden Schub, damit deren Ergebnisse in den Regionen selber verankert werden. Maurizio Michael erklärt: «Interreg öffnet uns Türen für die Zusammenarbeit mit Italien. Die NRP zwingt uns zugleich, den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert für die Schweizer Seite klar herauszuarbeiten.» Interreg sorgt für den Blick über die Grenze, die NRP dafür, dass daraus bleibende Strukturen entstehen – mit Wirkung für Bevölkerung und Wirtschaft.

Val Morteratsch: Sicht auf Piz Palü & Piz Bernina ©Andrea Furger

Zwischen Nähe und Unterschieden – die Rolle von Übersetzern

Auf den ersten Blick wirken Südbünden und das Veltlin vertraut: gemeinsame Sprache, ähnliche Traditionen. Und doch gibt es markante Unterschiede bei den politischen Systemen, bei den Bildungswegen, aber auch ganz einfach bei unterschiedlichen Bedeutungen von Wörtern. Maurizio Michael beschreibt es so: «Manchmal genügt schon ein einziges Wort, das in Italien etwas anderes bedeutet als in der Schweiz. Das Wort Strategie wird zum Beispiel in Italien oft mit einem Zeitraum von fünf Jahren gleichgesetzt – so lang wie eine Legislaturperiode dauert. Für die Schweiz ist eine Strategie die Grundlage eines Projektes. Da braucht es Vermittlung – nicht nur in der Sprache, sondern auch im kulturellen Verständnis.»

Auch unterschiedliche Steuersysteme und Abkommen sind zusätzliche Hürden für Projekte über die Grenze hinweg – oft ebenso anspruchsvoll wie kulturelle Unterschiede. Hier setzt das Projekt Regio Retica ein: Es bringt Nachbarn an einen Tisch, macht Unterschiede sichtbar, vermittelt und schafft dadurch neues Vertrauen.

Corvatsch: Aussicht Fuorcla Surlej ©Engadin Tourismus AG

Der Blick nach vorn

Bis Sommer 2025 läuft eine grosse sozioökonomische Analyse. Sie untersucht Mobilität, Arbeitsmarkt und Dienstleistungen auf beiden Seiten der Grenze. Darauf aufbauend sollen bis 2026 erste Pilotprojekte starten – etwa ein gemeinsames Busticket, das die grenzüberschreitende Mobilität erleichtern soll, oder eine Tourismuskarte, die Angebote im Engadin und im Veltlin verbindet. Bis 2027 soll Regio Retica nicht nur Projekte umgesetzt haben, sondern auch als juristisch anerkannte grenzüberschreitende Region bestehen. Konkret bedeutet das, dass sie als institutionelle Region mit rechtlich verbindlicher Struktur etabliert wird.

Ein Blick in andere Regionen zeigt, was möglich ist. Das erfolgreiche Interreg-Projekt Via Spluga, ein Klassiker unter den Kultur- und Weitwanderwegen zwischen Thusis und Chiavenna, generiert beispielsweise inzwischen jährlich etwa eine Million Schweizer Franken Umsatz. Das Projekt wurde von Anfang an im Sinne einer aktiven Regionalentwicklung gestaltet, bei der Gemeinden, Tourismusorganisationen und Kulturinstitutionen ein nachhaltiges Angebot erarbeitet haben. Die Route ist somit nicht nur ein kulturelles und touristisches Highlight, sondern auch ein Instrument zur Sicherung von Arbeitsplätzen, Förderung regionaler Identität und Stärkung der regionalen Wertschöpfung.

Dieser Beitrag basiert auf einem Gespräch mit Maurizio Michael, seit über 20 Jahren Experte für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und einer der Köpfe hinter dem Projekt Regio Retica

Mehr erfahren über Interreg & NRP – und wie diese Programme Regionen helfen, ihre Zukunft gemeinsam zu gestalten:

Wurste_regiosuisse-Konferenz 2025

Der Thurgau zeigt die Vielfalt der regionalen Wertschöpfung 

An der diesjährigen regiosuisse-Konferenz war der Gastgeberkanton Thurgau mit exzellenten Beispielen regionaler Wertschöpfung präsent. Lassen Sie sich inspirieren! 

Bereits mit der Ankunft in der Kartause Ittingen tauchten die Teilnehmenden ins Thema der diesjährigen regiosuisse Konferenz ein: «Das Potential regionaler Wertschöpfung nachhaltig gestalten». Die Kartause ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung, liegt idyllisch über dem Thurtal und war als ehemaliges Kloster schon seit Jahrhunderten an der regionalen Wertschöpfung beteiligt. Es wurde dank des Weinbaus reich. Heute ist es für die Stiftung Kartause Ittingen deutlich anspruchsvoller, die notwendigen Mittel für die Betriebe und den Unterhalt der historischen Klosteranlage zu erwirtschaften. Die Kartause besteht nicht nur aus einem Seminarzentrum mit Restaurant, sondern auch aus einem Gutshof, zwei Museen, einer Institution für betreutes Wohnen und Arbeiten sowie einem Zentrum für Spiritualität. Die Stiftung setzt bewusst auf Selbstversorgung und lokale Nachhaltigkeit. So liegt der Selbstversorgungsgrad des Restaurants bei sage und schreibe 57 Prozent. 

Kartause Ittigen
Kartause Ittigen

Von der internen Wertschöpfung zur regionalen Wertschöpfungskette

Mark Ziegler, Procurator der Stiftung hielt in seiner Begrüssungsrede fest: «Nachhaltigkeit und Selbstversorgung sind nicht günstig. Deshalb setzen wir neu auf Zusammenarbeit in der ganzen Region, zum Beispiel beim Keltern oder bei der Schweinezucht. Zusammen mit regionalen Partnern können wir die Wertschöpfung steigern.» Das Credo der Kartause verändert sich gerade: Von der internen Wertschöpfung hin zur Stärkung von regionalen Wertschöpfungsketten. Dank Kooperationen mit den passenden regionalen Partnern können Kosten reduziert werden, ohne dass Kompromisse bei der Qualität oder der Nachhaltigkeit eingegangen werden müssen. 

Standortattraktivität und Tourismus in Frauenfeld

Die Hauptstadt des Thurgaus war mit zwei Beispielen an der regiosuisse-Konferenz vertreten, bei denen es um die Standortqualität ging: Einerseits wurde das Street-Art-Festival Frauenfeld als Motor regionaler Wertschöpfung vorgestellt. Anderseits rückte die Stadtkaserne Frauenfeld in den Fokus. Die ehemals vom Militär genutzten Gebäude öffnen sich für die Bevölkerung, auf dem Areal wird gemeinsam Neues geschaffen. Dafür wurde eine partizipative Entwicklung angestossen. Die Neue Regionalpolitik von Bund und Kanton unterstützte das Projekt mit einer Machbarkeitsstudie für einen künftigen «Markt Thurgau», der in der Stadtkaserne ein innovatives Schaufenster für Thurgauer Produkte, Dienstleistungen und Ideen werden soll. Mit der Umsetzung des Markt Thurgau soll die Stadtkaserne über den Kanton und die Stadt hinaus Publikum anziehen. Damit wird sie zu einem Treffpunkt mit überregionaler Ausstrahlung. 

Bei beiden Projekten zeigte sich: Innovative Projekte, die mit und für die Bevölkerung entwickelt werden, tragen zur Attraktivität eines Standorts und zur regionalen Wertschöpfung bei. 

Natürlich wirksam am Bodensee

An Konferenz wurde ein weiteres innovatives Projekt präsentiert: die Schaffung eines Schweizer Branchenclusters für Phytomedizin am Bodensee. Das «PhytoValley» bringt die wirtschaftliche Relevanz der hiesigen Naturmedizin-Branche zum Ausdruck. Beteiligt sind Firmen wie A. Vogel, Zeller, Rausch oder hepart. Der Cluster fördert die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den Unternehmen und Organisationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Phytomedizin sowie mit der Politik, der Verwaltung und der Bevölkerung.

Sein Fokus liegt primär auf zwei Bereichen: Erstens auf der Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften und zweitens auf der Stärkung der Attraktivität der Region durch eine nachhaltige Entwicklung der Naturmittelproduktion mittels innovativer Technologien. 

Schonholzer
Walter Schönholzer, Regierungsrat des Kantons Thurgau

Für Walter Schönholzer, Regierungsrat des Kantons Thurgau, ist der Aufbau des «PhytoValley» ein ausgezeichnetes Beispiel für die positive Wirkung der Neuen Regionalpolitik (NRP). 

«Gerade wenn die Mittel von Kanton und Bund knapper werden, ist die Fokussierung auf gewisse Kernthemen in unserem eher strukturschwachen Kanton sehr wichtig. Dank der NRP-Gelder können wir zum Beispiel den Schweizer Branchencluster «PhytoValley» umsetzen und die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit fördern.»  

Die regiosuisse-Konferenz ist nationaler Treffpunkt für alle, die in der Regionalentwicklung tätig sind. Die im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) organisierte Konferenz widmet sich jeweils einem aktuellen Thema der Regionalentwicklung. 2025 fand die Konferenz in der Kartause Ittingen statt, im Mittelpunkt stand das Potenzial regionaler Wertschöpfung. 

Mehr zur Konferenz

Quelle Fotos: © Timo Kellenberger 

Podcast: «WiGe: Regionen durch kollektive Intelligenz stärken»

Die Wissensgemeinschaften (WiGe) bringen Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammen, um gemeinsam die regionale Entwicklung in der Schweiz voranzutreiben. Sie wurden von regiosuisse ins Leben gerufen und unterstützen die Umsetzung der Neuen Regionalpolitik (NRP), indem sie Räume für den Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Gestaltung regionaler Projekte schaffen. Wie funktioniert dieses Format und wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmenden aus? Unsere Gäste Luc Jaquet und Laura Collaud sprechen darüber – und untersuchen unter anderem die Parallelen zwischen individueller und territorialer Resilienz.

Von der Krise zum kollektiven Lernen

«Nach Krisen – seien sie persönlicher oder territorialer Natur – geht es nicht nur darum, sich wieder aufzurichten, sondern wenn möglich auch darum, Instrumente zu entwickeln, mit denen wir künftige Krisen besser bewältigen können. Das Wichtigste ist, seine Prioritäten zu überdenken und die Anstrengungen auf die richtigen Bereiche zu konzentrieren», erklärt Luc Jaquet, Senior Projektleiter bei regiosuisse.

Genau in diese Logik fügen sich die Wissensgemeinschaften (WiGe) von regiosuisse ein, ein Format, das dazu dient, Akteure der Regionalentwicklung zu wichtigen Themen wie lokaler Wirtschaft, Soziale Innovationen oder Kreislaufwirtschaft zusammenzubringen. Diese Ansätze stehen in direktem Zusammenhang mit den Zielen der Neuen Regionalpolitik (NRP), die innovative wirtschaftliche Dynamiken in den Regionen fördert.

Drei Workshops zur Erarbeitung konkreter Lösungen

Die Arbeit der WiGe basiert auf drei physischen Workshops, an denen eine kleine, sich ergänzende Gruppe von etwa 15 bis 20 Personen aus verschiedenen Bereichen teilnimmt. «Ein gutes regionales Projekt vereint die Kompetenzen von Wissenschaftlern, Trägern konkreter Projekte und öffentlichen Akteuren», erklärt Luc Jaquet.

Diese Workshops verfolgen drei Ziele:

  1. Ein gemeinsames Verständnis der mit dem behandelten Thema verbundenen Herausforderungen entwickeln
  2. Austausch konkreter Erfahrungen, die diesen Herausforderungen gerecht werden
  3. Stärkung der Kompetenzen und Vorschlag eines Transfers über regiosuisse

Die Schweiz, ein günstiger Nährboden für Co-Kreation

Laut Luc Jaquet, der auch in anderen Ländern gearbeitet hat, erleichtert die Schweiz mit ihrer Nähe zwischen den Akteuren – insbesondere den Behörden – diese Dynamik besonders.

«In der Schweiz ermöglicht diese Kultur des Pragmatismus und der Zusammenarbeit ein effizienteres gemeinsames Vorankommen», erklärt er. Diese Fähigkeit, unterschiedliche Welten auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch zu bringen, ist ein Alleinstellungsmerkmal des Schweizer Systems – und ein idealer Nährboden für die gemeinsame Entwicklung von NRP-Projekten.

Erfahrungsbericht der Stadt Freiburg

Laura Collaud, Spezialistin für Stadtmarketing bei der Stadt Freiburg, berichtet von ihrer aktiven Teilnahme an der WiGe «Lokale Wirtschaft». Sie sieht darin eine Gelegenheit zur Inspiration, zum Networking und zum Kompetenztransfer und betont, dass viele Städte mit ähnlichen Herausforderungen wie Freiburg konfrontiert sind. Der Austausch von Ansätzen und Erfahrungen spart nicht nur Zeit, sondern verbessert auch die Effizienz. Angesichts der Herausforderungen ihres sich wandelnden Sektors suchte sie nach bewährten Praktiken, inspirierenden Austauschmöglichkeiten und Zugang zu neuen Netzwerken.

Bei der WiGe stellte sie die kürzlich eingeführte Stadtmarketingstrategie der Stadt Freiburg vor: ihre Entstehung, die Gründung des Sektors sowie die Umsetzung des Aktionsplans. Es handelt sich hier um einen noch jungen Bereich, der jedoch eng mit der lokalen Wirtschaft verbunden ist und dessen Strategie auf einer multipartnerschaftlichen Governance basiert. Erste Erfolge konnten bereits erzielt werden, was auch andere Regionen inspiriert hat.

 «Alleine könnten wir das nicht schaffen – es bedarf der Beteiligung einer ganzen Reihe lokaler, regionaler und sogar überregionaler Partner», erklärt sie und fügt hinzu, dass kollektive Intelligenz zu einer Notwendigkeit geworden sei.

Das Interesse an ihrem Vortrag war so gross, dass sie während der Pause nie ihren Kaffee trinken konnte, so intensiv war der Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Darüber hinaus öffnet sich die Stadt Freiburg auch international, insbesondere durch ihre Mitgliedschaft im Netzwerk der Kreativstädte der UNESCO – ohne jedoch die regionale und lokale Verankerung aus den Augen zu verlieren. Ein anschauliches Beispiel für die Rolle von Wissensgemeinschaften als Katalysatoren für Inspiration und Transfer.

NRP: ein strategischer Hebel für die Regionen

Mit der Neuen Regionalpolitik unterstützen die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Kantone Projekte, die ausserhalb der grossen städtischen Zentren wirtschaftlichen Mehrwert schaffen. Die kantonalen NRP-Stellen begleiten die Projektträger – Unternehmen, Gemeinden, Vereine – und bieten ihnen finanzielle und methodische Unterstützung.

Alle Ergebnisse dieser Wissensgemeinschaften werden veröffentlicht und sind auf regiosuisse.ch verfügbar. So können nicht nur die Teilnehmenden auf die ausgetauschten Inhalte zurückgreifen, sondern auch alle anderen Interessierten. Luc Jaquet betont zudem, dass bestimmte WiGe, in deren Rahmen weiterer Vertiefungsbedarf festgestellt wird, zur Einrichtung sogenannter permanenter Themenplattformen führen können. Dies war bereits bei den Themen Digitalisierung und Regionalentwicklung sowie Kreislaufwirtschaft der Fall.

Weitere Links:

Wie aus leerstehenden Häusern im Muggio-Tal ein Dorf für Gäste entsteht

Leerstehende Häuser in ein lebendiges Gäste-Dorf verwandeln: Das ist die Idee hinter dem Albergo Diffuso Monte Generoso. Claudio Zanini, einer der Projektträger, setzt dabei auf regionale Identität, Nachhaltigkeit und lokale Wertschöpfung. Die Neue Regionalpolitik (NRP) unterstützt das Projekt finanziell und ermöglicht so die Umsetzung eines dezentralen Hotelkonzepts in einer peripheren Region. Erleben Sie im Video, wie im Herzen des Tessins ein ganzes Tal und Berggebiet vom Tourismus profitieren– und Gäste Teil des Dorflebens werden.

Eine kleine Oase im südlichsten Zipfel der Schweiz – über Serpentinenstrassen vorbei an Wäldern, kleinen Kapellen und verwinkelten Gassen erreicht man das Dorf Scudellate im Muggio-Tal. Ehemals von Abwanderung betroffen und vom Aussterben bedroht – nun zu neuem Leben erweckt.  Dahinter der Monte Generoso, davor der Ausblick auf das Flachland Italiens. An klaren Tagen mit Blick auf die Skyline von Mailand – und bei perfekter Sicht mit Feldstecher sogar den Mailänder Dom.

Zu Gast im Alltag eines Tals in der Region Monte Generoso

Hier, im Albergo Diffuso Monte Generoso, nimmt Claudio Zanini seine Gäste persönlich in Empfang. Mit viel Herzlichkeit und einer ganz eigenen Philosophie: der des ruhigen Lebens im Einklang mit der Natur. Gäste lotst er auf die richtigen Wanderwege, umsorgt sie, erzählt, lacht. „Ich reise nicht mehr – die Reisenden kommen zu mir. Über die Saison verteilt sprechen wir hier vier, fünf Sprachen und hören Geschichten aus der ganzen Welt“. Oft entstehen dabei Freundschaften, viele Gäste kommen wieder.

Das Albergo Diffuso (übersetzt: verstreutes Hotel) ist ein dezentrales Hotelkonzept, das auf regionale Identität, Nachhaltigkeit und lokale Wertschöpfung setzt. Verschiedene Infrastrukturen in der Region Monte Generoso wie Restaurants, Hotels, B&Bs, Hostels, Hütten und Läden mit unterschiedlichen Besitzern laufen hier unter einem gemeinsamen Label zusammen. Zentralisierbare Dienstleistungen wie etwa Marketing, Kommunikation, aber auch Einkäufe, Logistik, Transport und Empfang werden gebündelt – zum Vorteil aller, weil die einzelnen Betriebe dadurch Kosten sparen.

2021 nahm das Projekt des Albergo Diffuso mit der Renovierung der Osteria Manciana und des Hostels in Scudellate seinen Anfang. In den darauffolgenden Jahren wurden die Panorama Lodge « La Casa dei Gelsi», die Capannna «Alpe di Caviano» und das Hotel «Cà Nani» renoviert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Letzteres liegt in einem anderen Dorf im Muggiotal. Derzeit sind also fünf Unterkünfte dem Projekt angeschlossen. In Scudellate liegen drei der Unterkünfte nur wenige Schritte voneinander entfernt, während die Entfernungen zu den anderen etwas grösser sind. Gäste, die sich für eine dieser Unterkünfte des Albergo Diffuso entscheiden, geniessen nicht nur eine Übernachtung – sie tauchen in das Leben der Region mit ihren vielfältigen naturkundlichen und kulturellen Angeboten ein. Sie kaufen im Dorfladen ein, essen im Grottino, wandern durch Kastanienwälder. Sie begegnen dem Einheimischen und lernen viele Orte in anderen kleinen Dörfern kennen.

NRP-Förderung als Teil des Weges

Claudio Zanini, selbst aus der Region stammend, hat hierfür Häuser in seinem Heimatdorf gekauft – alte Steinbauten, einige fast verfallen.  Die Umsetzung eines solchen Projekts ist anspruchsvoll – und braucht neben Idealismus auch Ressourcen und Planung. An dieser Stelle wurde das Projekt durch die Unterstützung der Neuen Regionalpolitik (NRP) entscheidend gestärkt. Die finanzielle Beteiligung der NRP hat laut Projektträger Claudio Zanini ermöglicht, das Vorhaben schrittweise aufzubauen und erste Umsetzungen zu realisieren.

Die Neue Regionalpolitik (NRP) ist – so Zanini – «die Basis des ganzen Projekts». Dank ihrer finanziellen Unterstützung konnte das Renovierungskonzept der alten Gebäude umgesetzt und der Betrieb als Albergo Diffuso überhaupt erst aufgenommen werden.

Touristische Wirkung für eine ganze Region

Auch Nadia Fontana Lupi, Direktorin von Mendrisiotto Turismo, sieht das Potenzial des Projekts weit über einzelne Übernachtungen hinaus. Im Video erklärt sie: „Albergo Diffuso bringt neues Leben ins Tal und auf den Monte Generoso. Es geht nicht nur um Tourismus – es geht um wirtschaftliche Impulse, regionale Identität und ein neues Selbstbewusstsein für die lokale Bevölkerung.“

Das Projekt Albergo Diffuso zeigt beispielhaft, wie die Neue Regionalpolitik Impulse setzen kann. Gerade in peripheren Regionen wie dem Muggio-Tal zeigt sich, was regionale Entwicklung konkret bedeuten kann: bestehende lokale Ressourcen werden genutzt, neue Angebote entstehen, die Identität der Region wird gestärkt. Die Wertschöpfung bleibt im Tal, und die Dörfer erhalten neuen Auftrieb.

Aktuell zählt das Albergo Diffuso rund 80 Betten. Ziel ist es, in den kommenden Jahren weitere Infrastrukturen aufzubauen und das Konzept weiterzuentwickeln – neue Häuser und auch digitale Lösungen, um die Region weiter aufblühen zu lassen. Dabei braucht es auch weiterhin eine Politik, die solche Wege mitträgt.

„Die NRP hat hier einen grossen Impact – und wird diesen auch künftig haben.“, so Zanini.

Mehr über die NRP und wie sie Projektideen in den Regionen fördert:

NRP-Fachstellen
Mehr zum Albergo Diffuso Monte Generoso
Mehr zur Region Mendrisiotto und Basso Ceresio
Praxisleitfaden zur erfolgreichen Regionalentwicklung

Bild © Albergo Diffuso Monte Generoso

Martigny: Einzigartiger Themenpark Barryland eröffnet 

Am Donnerstag, 14. August 2025, wurde das neue Barryland in Martigny in Anwesenheit von Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter eingeweiht. Der Themenpark stellt die faszinierende Welt der Bernhardinerhunde in den Mittelpunkt und schafft damit auf 22’000m² eine sehenswerte touristische Innovation – gefördert von der Neuen Regionalpolitik.

An der Einweihung zeigte sich Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter mit ihrem Patenhund «Zeus» und erklärte: «Der Name Barry steht noch heute für Mut und heldenhafte Taten. Mit ihm würdigt Barryland eine ganze Schweizer Tradition.» Mut brauchte auch die Fondation Barry, um ihr altes Museum mit einem völlig neuen Themenpark zu ersetzen. Denn das Budget belief sich auf 24 Millionen Schweizer Franken. 

Die Finanzierung wurde durch das wirkungsvolle Engagement zahlreicher Unternehmen, Stiftungen, öffentlicher Institutionen sowie Eigenmittel sichergestellt. Hinzu kam eine gezielte Fundraising-Kampagne. Die Neue Regionalpolitik unterstützte bereits 2017 die Machbarkeitsstudie für den neuen Themenpark und trug später mit einem zinslosen Darlehen wesentlich zur Realisierung bei. Auch Innotour leistete einen Beitrag, mit dem Ziel, das Wallis als Tourismusregion noch stärker zu vermarkten und die Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern. 

Bernhardinerhunde als Attraktion

Über 30 Bernhardinerhunde leben heute im Themenpark. Fünf symbolische Erlebniswelten präsentieren je einen typischen Wesenszug des Bernhardiners: der Retter, der Freund, der Star, der Geniesser und der Spieler. Herzstück der Anlage ist das Hauptgebäude in Form einer Hundepfote. Es wurde durch ein lokales Architekturbüro realisiert; beim Bau waren zu 70 Prozent Unternehmen aus der Region beteiligt. 

Touristische Innovation und neue Arbeitsplätze

Dem Barryland ist zu wünschen, dass sich das regionale Engagement und der Mut zur Innovation auszahlt. Bis jetzt zeigt sich Jean-Maurice Tornay, Präsident der Fondation Barry zufrieden: «Der Schlüssel war ein wettbewerbsfähiges touristisches Angebot mit einem einmaligen lebendigen Museum, 14 neu geschaffenen Arbeitsplätzen und einem vergrösserten Restaurant.» 

Links:

Podcast: «Programm graubünden nachhaltig»

Das NRP-Projekt «Programm graubünden nachhaltig» hat das Ziel, die Regionenmarke graubünden mit ihrem Netzwerk nachhaltig auszurichten. Rund 20 Partnerinnen und Partner aus unterschiedlichen Branchen tauschen sich im Programm aus, um die Region nachhaltig weiterzuentwickeln. Wie das geschehen soll und wie die Zusammenarbeit zwischen den Partnerinnen und Partner aussieht, davon berichten unsere Podcast-Gäste Tanja Jacobson, Marc Kollegger und Michael Caflisch.

Graubünden als nachhaltige Region etablieren

«Die Marke graubünden versteht sich als Akteurin des Wandels. Das NRP-Projekt «Programm graubünden nachhaltig» schafft die Rahmenbedingungen, sodass eine gemeinsame Entwicklung der Partnerinnen und Partner der Marke graubünden möglich wird», wie Tanja Jacobson, Programmleiterin «graubünden nachhaltig», erzählt. Das Ziel ist es, Graubünden in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – also wirtschaftlich, ökologisch und sozial – weiterzuentwickeln. Dadurch werden die Partnerinnen und Partner im Kanton Graubünden zukunftsfähig und können gleichzeitig ihre Nachhaltigkeitsperformances verbessern.

Tanja Jacobson und ihr Team sorgen dafür, dass Partnerinnen und Partner aus den verschiedensten Branchen zusammenkommen, den Austausch pflegen, neue Ideen und Lösungen entwickeln sowie Innovationen zum Thema Nachhaltigkeit vorantreiben. Die «Werkstatt» ist ein solches Format, welches diesen Austausch fördert.

«Der Beitrag der Marke graubünden ist die Führung, Organisation und Moderation des Nachhaltigkeitsprozesses im graubünden-Netzwerk.»

Marke graubünden 

Regionaler Apfelsaft statt importiertem Orangensaft

Die Partnerinnen und Partner der Marke graubünden leisten aktiv einen Beitrag zur Zukunft des gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraums und profitieren gleichzeitig vom Netzwerk. Ein Beispiel dafür sind die Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR): Inspiriert durch den Austausch im Netzwerk serviert die PDGR deshalb an ihren Apéros neu regionalen Apfelsaft statt importierten Orangensaft. «Schon kleine Massnahmen können Wirkung entfalten», sagt Marc Kollegger – CEO der PDGR. «Der Apfelsaft kam bei den Apéro-Gästen sehr gut an – besonders, wenn erklärt wird, dass es sich um eine nachhaltigere Wahl handelt.» Daneben diskutiert die PDGR auch grössere Nachhaltigkeitsthemen:

  • Wie kann die Biodiversität auf den Klinikarealen Waldhaus und Cazis gefördert werden?
  • Wie kann ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept für einen 24-Stunden-Betrieb aussehen, das den öffentlichen wie auch den Individualverkehr für die Klinikmitarbeitenden miteinschliesst?

Als grosser Arbeitgeber in der Region trägt die PDGR Verantwortung – gegenüber den Patientinnen und Patienten ebenso wie gegenüber den Mitarbeitenden. Nachhaltigkeit ist deshalb längst zu einem strategischen Thema geworden. «Die PDGR hat Nachholbedarf in Bezug auf die Nachhaltigkeit», sagt Marc Kollegger. Die Teilnahme am NRP-Projekt «Programm graubünden nachhaltig» soll helfen, konkrete Umsetzungsmassnahmen zu entwickeln.

Ein Nachhaltigkeitsprogramm mit Zukunft

Das «Programm graubünden nachhaltig» ist auf drei Jahre ausgelegt und finanziert. Voraussetzung für eine Mitfinanzierung ist die aktive Beteiligung der Partnerinnen und Partner – sowohl finanziell als auch in Form eigener Mitarbeit. Im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) fördert der Kanton Graubünden dieses Programm zusammen mit dem Bund mit einem à fonds perdu-Beitrag von je einem Viertel der Gesamtkosten. Michael Caflisch, Leiter Tourismusentwicklung des Kantons Graubündens hält abschliessend fest: «Überzeugend am NRP-Programm ist, dass damit die Stärkung des Wirtschaftsstandort Graubünden gefördert wird und eine Vielzahl an Partnerinnen und Partner aus unterschiedlichen Bereichen einen Mehrwert für Graubünden erzielen.»

Marke graubünden

Die Marke graubünden wurde im Jahr 2003 lanciert. Damals wurde eine branchenübergreifende Regionenmarke zur nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsstandorts Graubünden von der Regierung gefordert.

Die Marke graubünden hat zum Ziel, die Kernwerte der Region – wahr, wohltuend und weitsichtig – bei den Bewohnenden, Unternehmen wie auch bei den Gästen zu vermitteln und zu stärken. Die Marke soll dazu beitragen, Graubünden als attraktiven Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum zu positionieren.

Das NRP-Projekt «Programm graubünden nachhaltig» ist eines von vielen Arbeitsinstrumenten der Marke graubünden, um dieses Ziel zu erreichen.

Weitere Informationen